Mount Desert Island

Seit ein paar Tagen sind wir nun in den Vereinigten Staaten von Amerika und es gefällt uns hier auch. Maine ist der am meisten bewaldete Bundesstaat, 90% seiner Landfläche besteht aus Wäldern. Und so fahren wir zwar immer an der Küste entlang, sehen aber vor lauter Wald den Atlantik nicht. Unsere diversen Versuche, die kleinen Stichstraßen zu nehmen, endeten regelmäßig an geschlossenen Toren oder verketteten Zufahrten mit dem Schild “Private Property”. The Rich and The Famous besitzen hier Anwesen mit Wassergrundstücken, traumhaft gelegen oft, aber für Otto-Normalamerikaner und auch für uns damit leider unzugänglich. Ab und zu erhascht man einen Blick zwischendurch.

Je weiter südlich wir kommen, desto touristischer, voller und teurer wird es. Maine ist Fremdenverkehrsgebiet für die Großstädte der amerikanischen Ostküste. Im Durchschnitt bezahlen wir für einen Stellplatz auf einem normalen Campingplatz umgerechnet €34. Nicht full hookup, sondern nur Wasser (-anschluss) und Strom am Platz. Wir fahren ja auch gerne die KOA-Plätze an, aber $63 (umgerechnet fast €56) war uns eindeutig zu teuer! Man darf nämlich nicht annehmen, dass man für das Geld einen super luxuriösen Platz vorfindet. Super luxuriös kennt man hier nicht, alles ist mehr oder weniger gleichbleibend einfach(st), sachlich, zweckmäßig. Der Sunset Point Campground stellte da wirklich eine Ausnahme dar, auch wenn selbst dort die Sanitäreinrichtungen verglichen mit europäischen Verhältnissen sehr einfach waren. Pragmatisch – praktisch – gut  ist’s! Unsere Kriterien für die Auswahl und die Aufenthaltsdauer sind 1. die Lage an einem Gewässer, wenn möglich mit “ocean view”, 2. die Verfügbarkeit und Qualität von Wifi und 3. der Preis. Wir verzichten zur Not auf Internet, wenn der Platz landschaftlich reizvoll liegt oder akzeptieren einen nicht so schönen Platz, wenn die Internetmöglichkeiten super sind, aber weder/noch geht gar nicht!!! Cooles Smiley

Uschi plant unsere Etappen übrigens anhand der App “Allstays Camp & RV”, die sowohl für Android als auch für iOS verfügbar ist. Sie kostet zwar €9,99, ist ihr Geld aber absolut wert! Der größte Vorteil ist, dass sie offline benutzbar ist. Außer ALLEN Campgrounds Nordamerikas, RV-Parks, Nationalparks, reinen Zeltplätzen führt sie auch Walmarts, Truck Stops (kleine Autohöfe) und Entsorgungsstationen an. Alles entweder in zoombarer Kartenansicht oder in Satellitenansicht oder 3D. Über das Anzeigesymbol eines Platzes bekommt man Detailinformationen und ggfs. den Link zur Webseite. Wir benutzen die App während der Fahrt außerdem zusätzlich zur Straßenkarte. Als wir uns gestern bei unserer Tour über Mount Desert Island auf der Suche nach dem Leuchtturm in den kleinen verzweigten Straßen verfahren hatten, hat uns die App durch die Standortanzeige zuverlässig wieder auf den rechten Weg gebracht.

Bass Harbor LightstationBass Harbor LightstationBass Harbor LightstationBass Harbor Lightstation

Tour Mount Desert Island (unsere Route in orange) Mount Desert Island ist die drittgrößte Insel an der Ostküste mit schon ansehnlich hohen Gebirgszügen. 2/5 der Gesamtfläche nimmt der Acadia National Park ein mit 200km Wanderwegen und mehreren Campgrounds. Sehr positiv überrascht waren wir von dem Küstenstädtchen Bar Harbor. Wir wollten auf der Weiterfahrt mal schauen, ob es sich lohnt. Denn bisher haben wir immer wieder die Erfahrung gemacht, dass es in Ortschaften und Kleinstädten außer ein bis drei Kirchen verschiedener Religionsgemeinschaften und – vielleicht – einer Tankstelle NICHTS gibt. Kein Einkaufsladen, keine Bäckerei, erst recht kein Café. Eingekauft wird in Einkaufszentren, wo dann Supermärkte, Baumärkte und alle möglichen Restaurantketten vertreten sind. Eine Bäckerei-Theke in einem Super- oder Baumarkt, so wie es in Deutschland absolut üblich ist, sucht man aber auch hier vergebens, sehr zu unserem Leidwesen! Nette Geschäfte? Fehlanzeige! Straßencafés? Sehr selten und wenn, dann mit Pappbechern und Kuchen in Folie oder einer Tüte, auch wenn klar ist, dass man sich zum Verzehr in das Lokal oder auf die Terrasse setzt. Etwas bösartig könnte man sagen, dass sie keine Kultur haben, die Amerikaner! Schon die kurze Durchfahrt Bar Harbors versprach, dass es sich lohnen würde, einen Parkplatz zu suchen. RV-Plätze etwas außerhalb waren ausgewiesen und so starteten wir zu einem ausgiebigen GESCHÄFTEBUMMEL!!! Das hatten wir seit Halifax nicht mehr!

Bar HarborBar HarborBar HarborBar Harbor    Bar Harbor

Ein Geschäft am anderen, die ganze lange Hauptstraße bis zum Hafen hinunter! So etwas gibt es hier wirklich nicht oft und wenn, dann sind es mal 5 bis höchstens 10 Geschäfte. Man kann sich das nicht vorstellen, wenn man an europäische Verhältnisse denkt. Fußgängerzonen gibt es gar nicht! Wir waren recht früh dran (10:30!) und es war noch nicht überlaufen, aber schon deutlich gut besucht. Ein Kreuzfahrtschiff lag in der Bucht vor Anker, das erklärte einiges.

Bar Harbor

Da wir noch nicht gefrühstückt hatten, betraten wir das erste einladend aussehende bistroähnliche Lokal. Der Eis-Kaffee war im Plastikbecher, der Milchkaffee im Pappbecher und der Kuchen? In der Tüte! Zwinkerndes Smiley

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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

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Am Sunset Point verosten

Wir stehen auf einem traumhaft schönen Campground direkt an einer der vielen Buchten des Gulf of Maine. Ihr seht die Lage auf der Karte des letzten Artikels. Sunset Point Campground, schon der Name eine Verheißung! Es ist ein kleiner Campingplatz mit nur 30 Stellplätzen und, wie es gerade bei kleinen Plätzen oft ist, mit viel Charme. Der Betreiber ist ein ehemals Deutscher, der als 10-jähriger mit seinen Eltern hierher ausgewandert ist und den Platz seit 15 Jahren im Sommer betreibt. Nein, leben könne er davon nicht, aber zusätzlich zur Rente sei es eine wunderbare Aufgabe für ihn. Den Winter verbringt er mit seiner Frau in Florida! Jeder Stellplatz hat nicht nur den üblichen fire pit und picknick table, sondern für diesen wurde noch eine Überdachung gebaut, damit man auch bei schlechtem Wetter noch draußen sitzen könnte oder einen Schattenplatz hat.

unser Platz OHNE Nachbarnpicknick table mit ÜberdachungCampground WaschraumDuschraumWächter

Hier herrscht absolute Ruhe!!! Dazu haben wir endlich richtiges Sommerwetter, immer noch nordisch geprägt, es wird also nicht zu heiß, aber die kurzen Hosen kommen endlich zum Einsatz und das Beine-ins-Wasser-baumeln-lassen auf dem Bootssteg gestern hat uns den ersten leichten Sonnenbrand beschert.

Wasser weg! Falsches Foto!!!

Wasser da! Richtiges Foto!!!

Unsere Entscheidung – nach dem ersten Eindruck – hier nicht sofort am nächsten Tag wieder wegzufahren, war goldrichtig. Hier besteht erhöhte Verostungsgefahr!!! Eingeweihte wissen, wovon wir reden, Nichteingeweihte, die es interessiert, können “hier” klicken. 😉

Verostungsgefahr!!!Verostungsgefahr!!!Verostungsgefahr!!!Verostungsgefahr!!!Verostungsgefahr!!!

Um den gesamten Platz herum führt ein gemähter pet walk, die Hälfte der Strecke mit Blick auf das Wasser, das entweder da oder nicht da ist. Beides ist reizvoll. Alle paar Meter lädt eine Bank dazu ein, sich zu setzen und zu enjoyen und zu relaxen! Was wir ausgiebig tun!!! Uschi mag es manchmal etwas härter, wie man sieht.

pet walk viewpet walk viewpet walk view   pet walk viewpet walk viewUschi(s) view

Morgen werden wir uns hier mit Gewalt losreißen müssen! Aber wir bleiben ja noch eine Weile an dieser wunderschönen Küste, die ein wenig an die Schärenküste Schwedens erinnert.

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Über die “große” Grenze

Karte Maine Gestern Mittag haben wir Kanada auf unbestimmte Zeit verlassen. Bei Calais gingen wir über die Grenze nach USA in den Staat Maine. Außer uns hatten das nicht sehr viele andere vor, sodass wir schnell an der ersten Passkontrolle waren. Woher, wohin, wie lange? Bitte auf Spur 2 fahren und warten, bis ein Officer kommt. Der kam umgehend und bat uns, mit in das Abfertigungsgebäude zu gehen. Ob wir den Camper verschifft hätten? Das schien ihn zu beeindrucken. Drinnen wurden uns zwei Formulare (I-94W) ausgehändigt (übliche Vorgehensweise, wenn man auf dem Landweg einreist) und wir mussten ankreuzen, ob wir schon im Gefängnis gewesen sind, ob uns schon einmal ein Visumantrag nicht genehmigt worden ist, ob wir in Sabotage- oder Spionagefälle verwickelt waren, ob wir vorhaben zu arbeiten, ob wir drogenabhängig sind oder mit Drogen handeln oder es vorhaben etc… i-94w_deutsch Wenn man irgendwo wahrheitsgemäß oder aus Versehen mit Ja antwortet, darf man wohl wenden und wieder dahin zurückfahren, wo man hergekommen ist. Wer die wirklich interessanten Fragen im Detail sehen möchte, auf dem Foto gibt es eine übersetzte Version. 

Dann wurden wir gebeten, erst die rechte Hand  mit gestreckten und zusammenliegenden Fingern auf einen Scanner zu legen, dann den rechten Daumen. Und da es ja vorkommen könnte, dass einem die rechte Hand abhanden kommt, das gleiche noch einmal mit links. Dann Brille abnehmen und in eine Fotolinse schauen. Der Immigration Officer sah unseren ausgefüllten Fragebogen an, fragte ebenfalls, woher, wohin, wie lange UND ob wir in einem der Länder im Nahen Osten gewesen wären. Seit Anfang 2016 sind die Einreisebestimmungen verschärft worden, sodass Reisende, die in den vergangenen 5 Jahren in Iran, Irak, Sudan oder in Syrien waren, nicht mehr mit dem sog. Touristenvisum (Visa-Waiver-Programm) einreisen dürfen, sondern vorher bei einem US-Generalkonsulat ein “richtiges” Visum beantragen müssen. Wir konnten mit gutem Gewissen nein sagen und hatten ja auch keine entsprechenden Stempel im Pass. Wie lange wir bleiben wollen? 6-8 Wochen, sagten wir. Dann würden uns die 90 Tage also reichen? Wir waren etwas verdattert. Hätte er uns mehr als 90 Tage genehmigt??? Danach wurden wir gebeten, pro Person 6 Dollar zu bezahlen, cash oder per Kreditkarte, bekamen unsere Stempel und wurden darauf aufmerksam gemacht, dass der in die Pässe eingeheftete Abschnitt des grünen Formulars bei der Wiedereinreise nach Kanada dem kanadischen Grenzbeamten ausgehändigt werden muss. Es wird dann an die US-amerikanische Behörde geschickt und somit ist klar, dass wir das Land wieder verlassen haben. Dann wünschte er uns eine gute Reise, fragte noch, welchen Campingplatz wir als nächstes anfahren wollen und entließ uns. KEINE Fragen nach Waffen, Feuerholz, Alkohol, Drogen, Obst und Gemüse! KEINER wollte unser Wohnmobil von innen anschauen! Weder die Fahrzeugpapiere noch das Kennzeichen waren von Interesse. Auch nicht, ob wir eine amerikanische Versicherung für das Fahrzeug vorweisen können oder ob wir einen Internationalen Führerschein besitzen. Wir waren sehr verwundert. Fire PitUschi hatte extra unsere Äpfel noch zu Kompott verarbeitet, das Gemüse blanchiert, das Feuerholz hatten wir verfeuert! Wir hätten Menschenschmuggel betreiben können! Sehen wir sooo harmlos und vertrauenerweckend aus???

 
Beim nächsten Walmart frühstückten wir auf dem Parkplatz und gingen einkaufen. In der Gemüseabteilung sprach uns eine ältere Frau auf deutsch an und fragte, ob wir aus Deutschland seien. Sie sei zwar in Kanada geboren, aber ihre Eltern seien Deutsche gewesen (Mennoniten, wie sich herausstellte) und sie sei deutschsprachig aufgewachsen. Leider habe sie zu wenig Gelegenheit, deutsch zu sprechen. Wir gaben ihr unsere Blogadresse und sagten, dass wir uns über einen Kommentar von ihr freuen würden. Egal, ob in deutsch oder in englisch!

kanadische und amerikanische Flaggekanadische und amerikanische Flagge 

Jetzt waren wir also in den USA! Die Landschaft veränderte sich nicht, die Häuser blieben gleich. Auffallend war die noch höhere Präsenz amerikanischer Flaggen im Vergleich zu den kanadischen. Praktisch an jedem Haus weht ein Stars and Stripes-Banner oder eine Flagge. An einer Landstraße zwischen zwei Ortschaften war an jedem zweiten Telefonmast eine befestigt! Das sieht man in Deutschland höchstens zur Fußballwelt- oder Europameisterschaft und es käme uns vermutlich auch sehr seltsam vor, wenn es anders wäre. Eine Stunde wurde uns geschenkt, denn wir sind jetzt nicht mehr in der “Atlantic Time”-Zeitzone, sondern in “Eastern Time”. Das heißt, der Abstand zu Deutschland ist von 5 Stunden auf 6 Stunden gewachsen. Von Kilometern müssen wir uns jetzt wieder auf Meilen umstellen, von Litern auf Gallonen. An der Straße stehen wieder vermehrt Polizeiautos Kontrolle. In Kanada haben wir in 5 Wochen kein einziges Polizeifahrzeug gesehen! Gesehen haben wir – leider – auch keinen Weißkopfseeadler, keinen Elch, keinen Bären, keinen Wal! Dafür aber, bei unserem letzten Aufenthalt in Kanada, ein Reh direkt neben der Straße vom Campingplatz in den Ort. Wir wissen ja von unserer letzten Nordamerikareise, dass die amerikanischen Rehe nicht sonderlich ängstlich sind und auch gerne mal quer über einen Campground laufen. Aber so nah hatten wir nun doch noch keins gesehen! Es ließ sich nicht beim Fressen stören, das Gras neben der Straße war wohl besonders saftig. Die Frau vor uns machte ein Handyfoto und lief weiter. Als wir kamen, sah das Reh uns an, entschied, dass wir harmlos (!) und vertrauenerweckend (!) aussahen und fraß weiter. Wir standen ihm genau gegenüber, es kümmerte sich nicht um uns. Erst als ich es laut mit “Hi, guy!” anredete, hob es den Kopf und schaute zu uns rüber. Als mehr nicht passierte – fraß es weiter…

St. Andrews-by-the-seaSt. Andrews-by-the-sea St. Andrews-by-the-sea

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Flowerpot Rocks

Vom Campingplatz am Ponderosa-See (Ponderosa Pines Campground) fuhren wir zu den Blumentopf-Felsen! 😉 Die sind DIE Attraktion in der Gegend der Chignecto Bay, dem nordwestlichsten Zipfel der Bay of Fundy. Wir wollten, wie bei unserem Balancing Rock, einfach hin marschieren und glaubten, dass es, wie in Europa üblich, einen schönen Weg durch den Wald dorthin geben würde. Es waren nämlich nur 2-3 Kilometer! Aber – wir sind ja in Nordamerika!!! “By feet??? No, only along the road.” Also FUHREN wir along the road. Vor Ort stellte sich heraus, dass das ganze Gebiet eingezäunt ist und nur zu bestimmten Zeiten geöffnet wird. An den riesigen Parkplätzen war schon zu erkennen, dass zumindest in der Hauptsaison hier richtig Betrieb sein muss. Es gab einen Extra-Parkplatz nur für Trailer, Truck Camper, RVs und Fifth Wheelers. Wir sind halt in Nordamerika! Man wollte von jeder von uns uns am Kassenhäuschen 8 CAD (€5,53). Um 2 Dollar ermäßigt, weil wir Rentner sind und die Eintrittskarten galten für zwei Tage! Da kann man doch echt nicht meckern!!!

Es gibt ein Information Center mit angeschlossenem Gift Shop und Restaurant, einen Kinderspielplatz, mehrere “designed” Raucherbereiche (überdacht!), einen Shuttle-Service (2 Dollar extra) und schön angelegte Waldwege und Treppen zu verschiedenen Aussichts-Plattformen über dem Meer. Wir hatten Glück mit den Gezeiten, Ebbe war gerade zur Nachmittagszeit. Drei Stunden vor und zwei Stunden nach Niedrigwasser kann man auf den Strand. Den Unterschied sieht man auf dieser Illustration:

Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser

Mit uns strömten etliche andere Besucher auf den Meeresboden, die sich entweder an den interessanten Stellen in Positur stellten, um sich fotografieren zu lassen oder den Selfie-Stick bemühten. Ein Foto OHNE Menschen war schwierig bis unmöglich, aber je weiter wir nach hinten liefen, desto größer wurden unsere Chancen. Hopewell RocksEin junges chinesisches Paar stellte sich auf jeden begehbaren Felsen, entweder sie oder er, streckte die Arme gen Himmel, das Gesicht der Sonne entgegen und lächelte selig. Kurzer Kontrollblick, ob das Foto schon gemacht war und gegebenenfalls noch einmal von vorne! 😉

Die Blumentöpfe sind wirklich beeindruckend, wenn sie ganz zu sehen sind! Genauso die Felswände. Alles stammt wieder aus der Zeit von vor 300-200 Millionen Jahren. Der ständige Wechsel der Gezeiten, Stürme und raue See verformten den weichen Sandstein über diese unvorstellbar lange Zeit so:

Entstehung der Hopewell Rocks

Eine Schulklasse Halbwüchsiger war auch dort. Und interessanterweise schienen sogar diese jungen Leute beeindruckt gewesen zu sein von dem, was sie sahen. Obwohl natürlich bei den Mädels das gegenseitige Fotografieren vorrangig war und bei den Jungs das Erklettern der Felsen, bevorzugt hinter den Absperrbändern! So ganz ohne war das nicht, auch dort, wo nicht mit Bändern und gelben Tafeln auf Gefahr von oben hingewiesen wurde, hätte jederzeit Geröll herunterkommen und treffen können. Bei den Schadenersatzsummen, die in Nordamerika erstritten werden, wird die Gesellschaft, die dieses Unternehmen betreibt, wohl pro Monat sehr hohe Versicherungsbeiträge leisten müssen.

Hopewell RocksHopewell RocksHopewell RocksHopewell RocksHopewell RocksHopewell RocksHopewell RocksHopewell RocksHopewell RocksHopewell RocksHopewell RocksHopewell RocksHopewell RocksHopewell RocksHopewell RocksHopewell RocksHopewell RocksHopewell RocksHopewell Rocks

Am meisten verwirrt das Wasser, das nicht, wie gewohnt, blau ist, sondern rot! Vielleicht fände man es schön, wenn man nichts anderes kennen würde?

Hopewell Rocks

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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Über die “kleine” Grenze

gefahrene Route Nova Scotia Nein, Kanada haben wir noch nicht verlassen, auch die Fundy Bay nicht. Nur Nova Scotia haben wir eingetauscht gegen New Brunswick. Auf der von Uschi erstellten Übersichtskarte könnt ihr unsere Route sehen, wie geplant sind wir immer an der Küste (soweit möglich) entlang um einen großen Teil Nova Scotias herumgefahren. Den noch fehlenden nordöstlichen Teil “machen” wir im Herbst, außerdem die Prince Edward Island und Cape Breton Island, pünktlich zum Indian Summer. Unterteilt haben wir die Strecke in 9 Teiletappen mit insgesamt 1.159km. 😉 Ja, wir wissen, dass andere das in zwei Tagen auf einer A…backe abreißen, aber die haben dann auch nichts gesehen und erlebt. Station gemacht haben wir an 10 verschiedenen Campgrounds, zwischen einer Nacht und 7 Nächten (Five Islands).

Hier in New Brunswick ist der französische Einfluss jetzt deutlich spürbar! Alle Schilder sind zweisprachig, fast alle Straßen heißen nicht mehr Street, sondern Rue. Es ist ein sehr vertrautes Bild, aber auch etwas verwirrend. Es gibt sogar Bürgersteige in den Ortschaften, was ansonsten absolut unüblich ist!!! Wir haben es gar nicht sofort begriffen, warum es auf einmal irgendwie anders aussah! St. MartinsBisher kommen wir aber immer noch mit englisch weiter und falls nicht, muss ich meine verschütteten Französischkenntnisse ausgraben! Meine Hoffnung, wenn schon nicht besseres Brot, so doch wenigstens eine größere Käseauswahl vorzufinden, erfüllte sich leider nicht!!! Es gibt hier Cheddar und Cheddar und Cheddar, einer langweiliger als der andere. Okay, ein wenig Brie gibt es auch. Und wenn man bereit ist, richtig viel Geld zu bezahlen, bekommt man mit etwas Glück in den größeren Supermärkten Gruyère oder Emmentaler. Alles eingeschweißt! Käsetheken wie bei uns gibt es nirgendwo, aber das wussten wir vom letzten Mal schon. Bei der Durchfahrt eines winzigen Örtchens fiel uns ein Hinweisschild auf ein Cinnemon Soul Café (Zimt-Seelen-Café) auf. Es war praktischerweise fast schon Kaffeezeit. Apple Blossom CaféZuerst erreichten wir allerdings das Apple Blossom Café (Apfelblütencafé) und Uschi fuhr kurzentschlossen auf den Parkplatz. Das stellte sich als richtige Entscheidung heraus! Eine sehr dicke, sehr freundliche ältere Frau mit Haarnetz (!) und Kittelschürze begrüßte uns und bot uns ihren Bananenkuchen an. Der sei vom deutschen Bäcker, der die gegenüberliegende Kirche gekauft hätte und dort eine Bäckerei betreibe. Heute habe er leider geschlossen, aber morgen gäbe es Black Forest Cake! Wir wollten keinen Black Forest Cake, nicht einmal von einem deutschen Bäcker, wir wollten deutsches Brot!

Apple Blossom Café Der Bananenkuchen war mit einer fetten Schicht klebrig-süßem Zuckerguss überzogen und schmeckte nicht wirklich nach Bananen. Aber der Kaffee war immerhin gut. Am nächsten Nachmittag fuhren wir, da wir in der Nähe übernachtet hatten, extra noch einmal zurück zur Kirche. Die war zu! Es hing ein Hinweisschild auf eine German Bakery an der Tür, aber leider ohne Öffnungszeiten. Da wir immer noch keinen Black Forest Cake wollten, fuhren wir zum Cinnamon Soul Café. Von außen versprach es ein besonderes Erlebnis zu werden. Wurde es auch, denn von innen war es ein besserer Schnellimbiss mit Kaffee in Plastikbechern und in Folie verpacktem Kuchen. Wir setzten uns auf die Veranda und holten uns die Kuchengabeln aus Boxi, denn so etwas Exotisches hätte es ganz bestimmt nicht gegeben. Es gab Zimtschnecken zu kaufen, die Seele war wohl schon verkauft.

Cinnamon Soul Café

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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Bunte Mischung Parrsboro

Die nächste größere “Stadt” und die größte der Region, Parrsboro, wollte besichtigt werden. Wir machten einen Tagesausflug dorthin, 35km war ja keine Entfernung. Parrsboro war, wie so oft, ursprünglich eine Siedlung der Akadier (ab 1670) und erlangte in der Mitte des 19. Jahrhunderts einen großen Bekanntheitsgrad durch den Bau von insgesamt 252 Segelschiffen, darunter 1916 der Drei-Mast-Schoner “Minas Queen”, der nur ein Jahr später während des 1. Weltkrieges durch ein U-Boot versenkt wurde. Nur ein Mann der Besatzung überlebte.

1985 gab es in der Nähe den größten Fossilienfund Nordamerikas:

In 1985, the biggest fossil find in North America was unearthed on the North Shore of the Minas Basin near Parrsboro. This discovery consisted of more than 100,000 pieces of 200 million year old fossils, the largest single collection of fossils, the first such collection found in North America and the first fossils in a series of dinosaur footprints, each the size of a penny, which are the smallest ever discovered.

Fundy Geological MuseumFundy Geological MuseumFundy Geological Museum  

Parrsboro Fundy Geological Museum 1993 eröffnete das Fundy Geological Museum, das sehr anschaulich die Epoche der Dinosaurier darstellt und wie die Erde vor 200 Millionen Jahren aussah.

Fundy Geological MuseumFundy Geological Museum Fundy Geological Museum 

Nova Scotia ist übrigens das einzige Gebiet weltweit, in dem sämtliche Gesteinsarten der Erde vorkommen! Die Region ist außerdem bekannt für ihre Halbedelsteine, die der Sage nach ein mystischer Krieger des Volkes der Mi’kmaq, Glooskap, als Geschenk für seine Großmutter in die Fundy Bay geworfen haben soll. Tatsächlich sahen wir von unserem Stellplatz auf dem Five Islands Campground aus jeden Tag bei Ebbe mehrere Mineraliensucher stundenlang in gebückter Haltung den Schlamm bearbeiten.

Glooskap sahen wir auch, allerdings nur als Statue neben dem Rathaus.

GlooskapGlooskap Glooskap ohneund mit Uschi

Und noch etwas gab es dort zu bestaunen: Einen eisernen Friseursalon im Freien! Zum 3. Mal findet diesen Sommer ein Künstler-Wettbewerb statt und die Exponate der vergangenen Jahre stehen überall in der Stadt verteilt.

John's Barber ShopJohn's Barber ShopJohn's Barber ShopJohn's Barber ShopJohn's Barber ShopJohn's Barber ShopEisenkunst

Nur an einer einzigen Stelle standen drei wunderschöne Oldtimer und der 1:3 Nachbau einer Lokomotive der Springhill and Parrsboro Railway and Coal Company, die 1877 eine Eisenbahnlinie von den Kohleminen in Springhill zum Hafen von Parrsboro baute, um die Kohle von dort aus in alle Welt verschiffen zu können.

Oldtimer Londoner TaxiLondoner TaxiLondoner Taxi1932 Buick Coupé1932 Buick Coupé1932 Buick Coupé1928 Nash 4001928 Nash 4001928 Nash 400The Tugger & Luggage CartThe Tugger & Luggage CartCumberland RailwayArbeitsdraisineCumberland RailwayCumberland RailwayCumberland RailwayCumberland Railway

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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Wie hoch? Wie viel?

Ein außergewöhnliches Schauspiel bietet die Natur zweimal täglich in der Bay of Fundy, der großen, verzweigten Meeresbucht zwischen Maine (USA) und den Provinzen New Brunswick und Nova Scotia in Kanada. Hier misst man bis zu 16 Meter Pegelunterschied zwischen Ebbe und Flut, das entspricht in etwa der Höhe eines Fahnenmastes. Damit ist der Tidenhub in der Bay of Fundy der größte auf der Erde. Die Wasserstände der Nordsee variieren mit den Gezeiten dagegen nur um die 2 bis 3 Meter.

Täglich fließen zweimal (etwa 12,5 Stunden) über 100 Billionen Tonnen Wasser in die Bay of Fundy und wieder hinaus. Das ist genug Wasser, um 40 Millionen Schwimmbecken im Olympiaformat zu füllen oder um einen noch drastischeren Vergleich anzuführen: Es dauert ein Jahr, acht Monate und vier Tage, bis über die Niagara Fälle so viel Wasser geflossen ist! Erstauntes Smiley 

Five Islands Es gibt Menschen, die finden Ebbe und Flut doof und andere finden gerade die Gezeiten spannend und lieben die Verwandlung der Landschaft. Wir gehören eindeutig der zweiten Fraktion an, wir fanden z. B. unsere Tage direkt an der Oste bei Luise immer spannend. Deshalb war uns schon bald nach Ankunft auf dem “Five Islands” Campground bei Parrsboro klar, dass wir hier nicht nur eine Nacht bleiben würden. Es wurde eine Woche! Zwinkerndes Smiley Bei unserer Ankunft am Nachmittag sah es hier so aus:

Niedrigwasser

Und im Laufe des darauffolgenden Tages entwickelte es sich hierzu:

Höchster Wasserstand

Nach einem sehr kurzen Kriegsrat marschierte ich zur Rezeption

Campground

und verlängerte. Wir fanden, dass wir mal eine Woche “Urlaub” verdient hätten! Wir bekamen alle Wetterarten, die Nova Scotia im späten Frühjahr zu bieten hat. Es fing an mit Nebel.

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Es folgten strahlend schöne Stunden mit oder ohne Wind und ohne oder mit stechenden/beißenden Plagegeistern.

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Besonders warm war es die ganze Woche nicht, Ingrid war es recht, mir egal.

five islands five islands

GrößenvergleichBesonders beeindruckend für uns war ein Spaziergang auf dem Meeresboden. Etwa zwei Stunden nach “Hochwasser” liefen wir direkt vor unserer Haustür an den Strand und um das bis zu 3m hohe “Riff”. Es bot uns unzählige An- und Einsichten.

Spaziergang auf dem Meeresboden Spaziergang auf dem Meeresboden Spaziergang auf dem Meeresboden Spaziergang auf dem Meeresboden  Spaziergang auf dem Meeresboden Spaziergang auf dem Meeresboden Spaziergang auf dem Meeresboden Spaziergang auf dem Meeresboden

Am Ende dieser Fotosession wollten wir eigentlich noch ein Stück barfuß durch das hier rotfarbene Watt laufen. Doch schon nach zwei vorsichtigen Schritten quoll der Schmodder zwischen unseren Zehen durch und wir rutschten wie auf Schmierseife hin und her. So gaben wir unser Vorhaben sofort wieder auf und suchten Halt auf dem steinigen Strand. Das Risiko mit Fotoausrüstung zu stürzen war einfach zu groß (und einsauen wollten wir uns auch nicht wirklich). Der Spaziergang endete dann mit Fuß- und Crocswäsche!

Waschen am WasserfallWaschen am Wasserfall

Aus Spaß bauten wir am Strand direkt unterhalb unseres Platzes noch ein Steinmännchen. Wir wollten sehen wie weit das Wasser wirklich ansteigt.

Steinmännchen Steinmännchen Steinmännchen Steinmännchen Steinmännchen Steinmännchen Steinmännchen Steinmännchen Steinmnnchen-9.jpg

Natürlich haben wir noch einige Fotos mehr gemacht Zwinkerndes Smiley, unter anderem kleine Serien zum Tidenverlauf. Ihr findet sie in unserem Fotoalbum “Five Islands”.   

 

written by Uschi
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