Französisch-Kanada und Québec City

Wir fuhren am nächsten Morgen also weiter und nach wenigen Kilometern über einen kleinen Grenzübergang zurück nach Kanada. Von der netten Grenzerin ließen wir die eingehefteten Zettel unserer Aufenthaltslegimitation heraustrennen, da wir innerhalb unserer genehmigten 90 Tage nicht wieder in die USA einreisen würden. Wenn diese Frist abgelaufen ist und die Zettel nirgendwo vorliegen bzw. die Ausreise nicht im Computer vermerkt ist, wird vermutet, dass man sich noch im Land aufhält. Was in der Verwaltungsmaschinerie der Vereinigten Staaten dann geschieht, entzieht sich allerdings unserer Kenntnis.

Wir nutzten die Gelegenheit, direkt vor Ort zu versuchen, mal Klarheit zu erlangen, was zu tun ist, wenn man länger in Nordamerika verbleiben möchte. Mit einem Visum der Vereinigten Staaten von Amerika darf man sich theoretisch ja 6 Monate im Land aufhalten. Kanada gewährt einem diese 6 Monate ohne Visum. Wäre es also möglich, zwischen den beiden Ländern hin und her zu switchen, auf unbegrenzte Zeit, vorausgesetzt, der jeweilige Immigration Officer gewährt einem die vollen 6 Monate? Und wenn man kein Visum der USA hat, sondern mit dem Visa-Waiver-Programm (90 Tage für Touristen) einreist, lässt Kanada einen dann bereits nach 90 Tagen wieder ins Land oder muss man für die fehlenden 90 Tage mal eben nach Deutschland oder sonstwohin ausfliegen? (Rechenbeispiel: 180 Tage Kanada, 90 Tage USA; bekommt man jetzt die nächsten 180 Tage Kanada oder erst nach vollem Ablauf des halben Jahres?). Die Grenzbeamtin erklärte uns, dass man darauf schaue, wer da in ihr Land einreisen möchte, ob diese Person über ausreichende und gesicherte Einnahmen verfügt und so davon auszugehen ist, dass sie dem kanadischen Staat nicht zur Last fallen wird. Wir hätten also wohl gute Karten und, so haben wir sie verstanden, dürften auch nach nur 90 Tagen wieder einreisen! Dann wollten wir von ihr noch wissen, wie man es legal schafft, das eigene Fahrzeug länger als das nach den Zollbestimmungen genehmigte eine Jahr im Lande zu belassen und wie das genaue Procedere ist. Auch dazu erhielten wir eine kompetente und ausführliche Auskunft. Inzwischen war die Warteschlange hinter uns auf vier Autos angestiegen, wir bedankten und verabschiedeten uns freundlich und fuhren zufrieden weiter. Endlich etwas mehr Licht im Halbdunkel der diversen Meinungen, die in den verschiedenen Foren und Blogs so verbreitet werden.

Bereits wenige Kilometer hinter der Grenze in der Region Québec änderte sich das Straßenbild auffallend. Nicht nur, dass ausnahmslos alle Straßennamen und sämtliche Hinweise NUR noch in französisch zu lesen waren, es sah insgesamt weniger amerikanisch und mehr europäisch aus. An den Telefonmasten hingen jetzt keine Nationalflaggen mehr, sondern Blumenampeln, die Vorgärten der immer noch gleich aussehenden Holzhäuser waren deutlich bunter und alles wirkte hübsch und liebevoll dekoriert. Man hätte wirklich meinen können, in Frankreich zu sein.

Auf dem KOA Kampground Québec konnten wir problemlos auf vier Nächte verlängern! Man hatte uns den sogenannten “Last Time”-Platz reserviert und der war nach hinten ja frei. Wir hätten vermutlich auch noch länger bleiben können, aber mit umgerechnet €43,63 war das ein nicht ganz preiswertes Vergnügen. Außerdem gingen wir davon aus, mit zwei Besuchen der Stadt und einem Ruhetag dazwischen auszukommen. Der Shuttlebus kostete noch einmal €14/Person hin und zurück. Er fuhr an drei Terminen vormittags in die Stadt und um 16 und 18 Uhr zum Campingplatz zurück. Es bestand auch die Möglichkeit, mit unserem Auto bis zur Fähre über den hier immerhin noch 800m breiten St. Lorenz-Strom zu fahren und es dort auf dem Parkplatz stehenzulassen, aber wir entschieden uns für die zwar teurere, dafür aber bequemere Variante Shuttlebus. Nachdem wir auf der ersten Fahrt den Verkehr erlebt hatten und von der Stadtseite aus auf den gegenüberliegenden vollen Fährparkplatz sehen konnten, waren wir uns ganz sicher, dass dies die bessere Entscheidung war.

Ja, wie ist denn nun Québec, hat es uns dort (endlich mal) gefallen??? Cooles Smiley Die Antwort ist JA! Nicht nur die Altstadt ist sehenswert, auch die Neu-und Vorstadt hat uns gut gefallen. Da der Shuttlebus kein KOA-eigener war, sondern auch diverse Hotels anfuhr, sind wir viermal auf verschiedenen Routen durch die Umgebung gefahren und konnten uns dadurch eine Stadtrundfahrt mit den roten Doppeldeckern sparen. Die hielten zwar an 12 verschiedenen Haltestellen in der Stadt und man konnte beliebig aus- und wieder einsteigen, aber die Intervalle betrugen 20 Minuten und es konnten von der langen Warteschlange immer nur so viele wieder zusteigen, wie vorher ausgestiegen waren. Darauf hatten wir keine Lust und zumindest am Sonntag war es so heiß, dass das Warten in der prallen Sonne kein Vergnügen gewesen wäre.

Québec

Wir erforschten am ersten Tag die Ober- und die Unterstadt zu Fuß. Québec ist die einzige Stadt auf dem amerikanischen Kontinent nördlich von Mexiko mit einer erhaltenen Stadtmauer. Dementsprechend klein und überschaubar ist der Altstadtbereich. Und da es Hauptreisezeit ist und nicht nur wir Québec sehen wollten, war es, wie überall an den Touristen-Hotspots vor allem eins: VOLL!!! Québec Durch die schmalen Straßen schieben sich Sightseeingbusse, Shuttlebusse, Busse des öffentlichen Nahverkehrs, PKWs und Pferdekutschen. Alles ohne Hektik, ohne erkennbaren Stress, ohne Gehupe, ohne Zwischenfälle und ohne Polizeipräsenz. Wenn man beim Anblick der vielen Straßenrestaurants und des üppigen Blumenschmucks und der ausschließlich französischen Sprache (abgesehen von den vielen Asiaten) durchaus annehmen konnte, man sei in Frankreich, diese Gelassenheit im Straßenverkehr erinnerte sofort wieder daran, dass man in Nordamerika ist. Québec liegt an einem Steilufer, somit gibt es eine Ober- und eine Unterstadt. Die Haute-Ville war einst der Oberschicht vorbehalten, Adligen, Priestern, Regierungsbeamten, die zur Unterschicht gerechneten Handwerker, Händler, Seeleute, Tagelöhner lebten unten am Fluss in der engen Basse-Ville. Hier herrschte von Anfang an Platzmangel, mehrfach musste Neuland aufgeschüttet werden. Ihren Namen hat die Stadt von den indianischen Ureinwohnern, die den Ort “kebec” nannten, “wo der Fluss enger wird”. Samuel de Champlain erkannte den strategischen Wert dieser Lage sofort und ließ 1608 zu Füßen des hohen Felsens Cap Diamant ein hölzernes Fort errichten. Im Verlauf des 17. Jahrhunderts entwickelte sich die kleine Siedlung zum Zentrum Neufrankreichs und Umschlagplatz des größten Pelzhandelsimperiums des nördlichen Kontinents. Québec, die Wiege der französischen Kultur in Nordamerika, wurde lange und erfolglos in den damals überall im Osten Nordamerikas üblichen Auseinandersetzungen von den Engländern belagert, bis zu der entscheidenden Schlacht am 13. September 1759. Mit 5000 Soldaten gelang es dem englischen General Wolfe in einer nur 15-minütigen offenen Feldschlacht die Stadt einzunehmen. Es kostete beide Generäle und vermutlich Tausende von Soldaten das Leben und hinterließ eine Wunde im Bewusstsein der Québécois, die bis heute nicht verheilt ist. “Je me souviens” – “Ich erinnere mich” steht auf jedem Nummernschild. Erst 1812 hörte das territoriale Gezerre in Nordamerika auf. 1985 wurde die Altstadt, Vieux-Québec, von der UNESCO als erste Stadt Nordamerikas zum Weltkulturerbe erklärt.

Ich kann und will nicht alles aufzählen, was es in Vieux-Québec zu sehen und zu besichtigen gibt. Wir haben uns treiben lassen, sind auf der Terrasse Dufferin, einer breiten und 671m langen Holzpromenade, flaniert, die tolle Ausblicke über die Unterstadt und den Strom gewährt, haben das legendäre und meistfotografierte Château FrontenacHotel der Welt, das Château Frontenac, bewundert, sind mit dem Schrägaufzug, dem Funiculaire, in die Unterstadt gefahren und über die Escalier Casse-Cou (Genickbruchtreppe) wieder hinauf gestiegen. Am Sonntag war es so heiß und noch voller in der Stadt, dass wir uns auf die 2,5km lange Promenade Samuel de Champlain hoch oben am Steilufer unterhalb der Zitadelle retteten. Zwar mussten weit über 100 Stufen hinauf und auch wieder hinab überwunden werden, aber dafür wurden wir mit einem von Bäumen beschatteten Holzbohlenweg und einem grandiosen Blick belohnt. Nur einen Kaffee (wie am Freitag) und ein Eis (wie am Freitag) bekamen wir nicht mehr, die Warteschlangen waren überall einfach zu lang.

Québec

Wer mehr sehen möchte von dieser wirklich sehenswerten und interessanten Stadt, kann entweder selbst hinfahren oder sich “hier” unser Fotoalbum anschauen (jedes Foto kann durch anklicken vergrößert werden).

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

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