Diagonal durch Frankreich – 1. Teil

Wo wollen wir denn nun eigentlich hin und warum??? Smiley mit geöffnetem Mund

Wir haben eine Einladung von unserem Freund Juan, der über mehrere Jahre an der Rezeption unseres „Heimat“-Campingplatzes „Torre la Sal 2“ gearbeitet hat und unser spanischer Sprachlehrer war, zu sich nach Hause. Das letzte Mal gesehen haben wir uns Anfang 2013 und als wir im nächsten Winter wieder da waren, arbeitete Juan schon nicht mehr dort. Schon lange möchte er, dass wir ihn in seiner Heimat im Norden Spaniens besuchen, aber bisher hat das nicht geklappt, vorrangig, weil wir die letzten drei Winter ja nicht in Spanien waren.

Wir haben uns vorgenommen, endlich auch einmal ausschließlich über Landstraßen durch Frankreich zu fahren. Mit Fix und Boxi geht das ja! Und Zeit genug haben wir auch, zumal wir ja eine Woche eher losgefahren sind als geplant. Bisher ist unser Plan aufgegangen, kleine und kleinste Straßen, was bedeutet, ein Kreisverkehr nach dem anderen, aber auch hübsche kleine, typisch französische Städtchen und Dörfer, über und über mit Blumen geschmückt. Die Landschaftsgärtnereibetriebe in Frankreich müssen gute Geschäfte machen, jedes noch so kleine Dorf hat vom Ortseingang bis zum Ortsausgang alle paar Meter einen Mast mit ein oder sogar zwei Blumenampeln stehen (stellt euch auf dem Foto unten anstelle der Lampen Blumenampeln vor, dann bekommt ihr einen Eindruck), alle Brückengeländer sind mit Blumen behängt und alle Kreisverkehre sind phantasievoll bestückt. Es fahren Stadtbedienstete mit Wassertankwagen durch die Straßen, aus denen heraus die Blumen bewässert werden! Auch eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme!

Blumenschmuck statt LampeBlumenschmuck

Unsere erste Etappe war etwas länger, geplante 312km und obwohl wir bereits um kurz nach 10 gestartet waren, brachen wir um 18 Uhr (Frühstücks- und Kaffeepause inclusive), 70km vor unserem Ziel, entnervt ab. Kreisverkehre, Umleitungen, die „französisch“ ausgeschildert waren, über 30°C. Als wir auf den Stellplatz zufuhren, wussten wir, dass wir dort schon mal gewesen waren. Und dann war auch sofort klar, dass wir dort vor Jahren Wulwi kennengelernt haben, einen deutschen Alleinfahrer aussem Pott. Zwinkerndes Smiley

Nach so vielen Stunden sitzen musste ein Spaziergang am Hafen entlang noch sein.

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SEURRE, Aire de Camping-car, Stellplatz für 7 Mobile am Yachthafen, kostenfrei, Strom per Automat (Kreditkarte), VE vorhanden

Am nächsten Tag war unsere Strecke kürzer und ein Gewitter hatte für Abkühlung gesorgt. Wir fuhren nur 120km bis Digoin. Die Zufahrt zum Stellplatz ist nur in einer Richtung erlaubt, also mussten wir erst einmal dran vorbeifahren, wenden und an der oberen Einfahrt ebenfalls vorbeifahren, weil sie aus unerfindlichen Gründen mit Steinen versperrt war. Wahrscheinlich sind zu viele Mobilisten dort trotz Durchfahrtsverbotsschild auch wieder hinausgefahren, was nicht ungefährlich ist, weil sie direkt hinter einer Kurve liegt. (Beim Verlassen des Platzes am nächsten Tag durfte man dann auch nur nach rechts abbiegen und musste auf dem nächsten Betriebsgelände drehen!)

Der Stellplatz liegt sehr schön etwas erhöht direkt an der Loire. Vorgelagert ist allerdings eine große Spiel- und Freizeitanlage, die tagsüber durch Kinder sowie abends und frühmorgens (6 Uhr!!!) durch Jugendliche einen ständigen Lärmpegel darstellt. Den Rest macht dann die wirklich sehr befahrene und laute Straße! So schön die Aussicht ist, ruhesuchend darf man dort nicht sein. Aber da die Stadt sehr überschaubar ist, braucht man nicht länger als eine Nacht dort zu sein.

DigoinDigoinDigoinDigoin

Sehr interessant war der Pont Canal, ein Brückenkanal über die Loire! Erbaut schon 1834 bis 1838, 243m lang mit 11 Brückenbögen. Man konnte auf Fußwegen und über die kleine Schleuse einmal rundherum laufen, was wir natürlich taten. Sogar ein Schiffchen passierte in der Zeit.

Pont CanalPont CanalPont CanalPont CanalPont CanalPont CanalPont CanalPont CanalPont CanalPont CanalPont Canal

Dominierend in der Stadt ist die große Kirche, die allerdings von außen schöner ist als von innen, von den interessanten Fenstern mal abgesehen.

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DIGOIN, Aire de Camping-car „Haute Place de la Grève“, Großparkplatz am Ortseingang an der Loire, Platz für 30 Mobile auf Asphalt, kostenfrei, Strom per Automat (nur französische Kreditkarte), VE vorhanden

Und weiter ging es! Das Wetter verschlechterte sich im Laufe des Tages etwas, aber da wir wieder eine etwas größere Etappe mit 255km zu bewältigen hatten, wollten wir nach unserer Ankunft in Drugeac sowieso nicht mehr viel. Wir haben ja immer Sorgen, keinen Stellplatz mehr zu bekommen, immerhin sind wir zur Hoch-Urlaubssaison unterwegs. Und bei kleinen Plätzen mit nur bis zu 10 Stellplätzen könnte es ja schon eng werden. Eng wurde es auch, aber nur, weil drei PKWs neben uns geparkt wurden und sich ein später ankommendes Wohnmobil noch dazwischen quetschte, mit höchstens einem Meter Abstand zu uns! Gut, dass wir eine Hecktür haben! Franzosen haben keine Probleme, ihre Autos auf ausgewiesenen Wohnmobilstellplätzen zu parken, das haben wir nun schon gemerkt und es scheint sich auch niemand darüber aufzuregen. Es regt sich aber auch niemand darüber auf, wenn es etwas enger wird. Und der Kuschelnachbar machte keine Anstalten, sein Mobil noch einmal etwas weiter von uns wegzubewegen, nachdem die PKWs wieder fuhren. So konnten wir schön beobachten, was es bei den Nachbarn zu essen gab. Smiley Später machten sie dann allerdings ihre Rollos hoch, etwas Privatsphäre muss dann wohl doch sein.

Die PKWs waren übrigens dort abgestellt, weil man vom gegenüberliegenden alten Bahnhof mit Draisinen drei verschieden lange Touren fahren konnte, von 7km bis 21km, hin und zurück. Leider regnete es auch am nächsten Morgen, sodass wir weder von den Draisinen noch vom Stellplatz Fotos gemacht haben.

DRUGEAC, Aire de Camping-car „Place de la Gare“, Stellplatz für 8 Mobile auf Asphalt unter Bäumen, kostenfrei, Strom per Automat (Kreditkarte), VE vorhanden

Wir wechseln uns mit dem Fahren ab. Die bessere Variante ist, wenn ich fahre und Uschi mit der Karte auf dem Schoß neben mir sitzt. Unser Tommie ist nämlich absolut überfordert, um es mal nett auszudrücken! Ja, er ist frisch upgedated!!! Bisher hat er Glück gehabt, noch nicht zum Fenster hinaus geworfen worden zu sein! Er behauptet mit überzeugender Sicherheit und voller Autorität, dass wir HIER rechts abbiegen und im nächsten Kreisverkehr die dritte Abfahrt nehmen sollen. Wenn wir dem nicht folgen, weil es laut Karte völlig absurd ist, berechnet er nicht etwa zeitnah die Route neu, sondern nervt über Kilometer damit, dass wir rechts abbiegen sollen, wo es gar keine Straße gibt oder dass wir den nächsten Kreisverkehr 360 Grad umfahren und wieder dahin zurückfahren sollen, wo wir hergekommen sind. Gern leitet er uns auch mal von der Hauptstraße ab, sodass wir plötzlich vor einer Unterführung mit gerade noch 3,30m stehen, um uns dann im Bogen wieder auf selbige Hauptstraße zurück zu führen. Oder er meint, dass einspurige Landsträßchen richtig sind. Wir waren bisher mehr als einmal froh, nicht mit Oscarlotta unterwegs zu sein. Nicht nur, dass wir dann einige Nerven mehr lassen würden, sondern auch, weil ganz viele Ortsdurchfahrten für Fahrzeuge über 3,5t gesperrt sind. Aber auch die Navigation per Straßenkarte gestaltet sich nicht ganz einfach. Die Verantwortlichen für die Nummerierung der diversen Straßen scheinen Abwechslung zu mögen. In überwiegender Zahl haben wir es mit vier (4!!!) verschiedenen Nummern zu tun, eine auf der Karte (neu), eine auf dem Display von Tommie (upgedated) und eine, die die nette, aber sehr autoritäre Sprachausgabe (verpeilt) verkündet. Die vierte steht auf den Schildern am Straßenrand. Wenn wir viel Glück haben, stimmt diese mit dem überein, was Tommie uns erzählt. Dass alle vier übereinstimmen, hatten wir noch NIE!!!

So auch auf der bisher letzten Etappe bis Valence d‘Agen, 284km. Der Vorteil dieser Fahrerei ist, dass wir durch wunderschöne Landschaften kommen, die nicht nur neben der Autobahn an uns vorbeirauschen, sondern die wir wirklich „er“fahren.

Unterwegs

Es ist anstrengender und zeitraubender, aber es lohnt sich. Unser Tageslohn war dann auch der bisher schönste Stellplatz, allerdings kostet er auch etwas, aber nur 5 Euro/Nacht. Angeschlossen ist er an ein ehemaliges Schlachthaus, ein sehr schönes altes Gebäude. Die alten Transportschienen mit den Haken für die geschlachteten Tiere, die noch an der Decke angebracht sind, sind zwar etwas gewöhnungsbedürftig (vor allem für Vegetarier!), aber da schöne Sanitärräume und Koch-, Spül- sowie Aufenthaltsräume eingerichtet worden sind, kann man mit etwas Wohlwollen darüber hinwegsehen. An der VE-Station stand ein Hinweisschild, das wir so interpretierten, dass in den am Automaten bezahlten 5 Euro zwei Stunden Strom und 15 Minuten Wasserentnahme enthalten sind. Wir lösten also ein Ticket und verschoben Strom auf abends und Wasser auf den nächsten Tag. Am Spätnachmittag tauchte dann allerdings ein freundlicher Franzose auf und kassierte von jeder Wohnmobilbesatzung die Stellplatzgebühr ein. Mit Händen und Füßen, meinen zusammengekratzten Französischkenntnissen und Google Translator wurde langsam klar, dass unsere bezahlten 5 Euro NUR für zwei Stunden Strom und 15 Minuten Wasserentnahme gegolten hätten – und zwar ab Bezahlung! Der nette Franzose erließ uns dann aber eine weitere Bezahlung und meinte nur, dass wir am nächsten Tag bezahlen müssten, falls wir dann noch da seien. Très bien! Merci beaucoup!!! 🙂 Wir wollten sowieso mal einen Ruhetag einlegen und hier sind die Bedingungen ideal. Wir stehen auf einem Randstreifen, sodass nur hinter uns noch ein weiteres Wohnmobil Platz hat (war nur die erste Nacht der Fall), es ist wunderbar ruhig, das Städtchen ist in 5 Minuten zu Fuß erreichbar und ganz nett. Der Stellplatz liegt zwischen der Garonne und einem ihrer Seitenkanäle mit Radwegen. Die Tagesradler stellen auch hier ihre Autos ab, eins steht jetzt schon seit gestern Abend und versperrt den Platz für ein Wohnmobil. Aber der Platz ist nie voll, obwohl er nur für 10 Mobile Stellflächen hat. Auf der anderen Kanalseite findet das jährliche Sommerfestival statt, jeden Abend gibt es eine andere Open-Air-Veranstaltung, mit und ohne Gesang, heute Abend eine Tanzvorführung. Wir stehen weit genug weg, um uns nicht gestört zu fühlen und nah genug, um die Musikdarbietungen genießen zu können. Also wurden aus dem einen geplanten Ruhetag gleich zwei! Noch haben wir Zeit…

Valence d'AgenValence d'AgenValence d'AgenValence d'AgenValence d'AgenValence d'AgenKanalfestivalKanalfestival

VALENCE D‘AGEN, Aire de Camping-car „L‘Abattoir“, Stellplatz für 10 Mobile auf Feinschotter, 5 Euro incl. warmer Duschen, Toiletten (getrennt nach Geschlechtern), Spülküche, Mikrowelle, Aufenthaltsraum, Strom per Automat (Kreditkarte), VE vorhanden, täglich mobiler Bäcker

unsere Route, DIAGONAL!

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

2 Gedanken zu “Diagonal durch Frankreich – 1. Teil

  1. Hahahahaaaaaaaaaaaaaaaa – das kenne ich von unserer Navi-Dame auch! Ich hätte das nicht besser beschreiben können – passt einfach ALLES!

    Unsere Navi-Dame ist nicht UptoDate – jedes Mal, wenn ich ein UpDate machen will, wird mir gesagt, dass Navi-Dame UptoDate ist 😮

    Weiterhin eine schöne Tour für Euch und ganz liebe Grüsse
    belle

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