Diagonal durch Frankreich – 2. Teil

In Valence d‘Agen hat es uns richtig gut gefallen! Bis auf die erste Nacht stand kein anderes Mobil mehr hinter uns, sodass wir uns unbeobachtet in Boxi bewegen konnten. Die nächsten Nachbarn standen auf der anderen Seite des Zufahrtssträßchens ein Stück weiter, da uns gegenüber ja ein PKW abgestellt war. Also alles so, wie wir es mögen!

Bei unserem ersten Stadt-Erkundungsgang hatten wir den Eindruck, dass nicht allzu viel dort los ist. Aber wir fanden eine Boulangerie, in der wir diese sauleckeren französischen Rosinenschnecken kaufen konnten, die ich in meinen früheren Frankreichurlauben lieben gelernt hatte und wir fanden ein Straßencafé zum Café au lait trinken. Mehr wollten wir eigentlich gar nicht. Am Place Nationale stand unverkennbar eine offene Markthalle und auf Nachfrage in einer Boutique erfuhren wir, dass am nächsten Tag Markt sein würde, aber nur der „kleine“ mit Gemüse, Obst und Blumen.

Auf dem Rückweg zum Stellplatz fiel uns ein seltsames rundes Gebilde aus Dachziegeln auf. Ich holte schon mal mein iPhone raus und in dem Moment ertönte der unvergleichliche Sound einer Ente! Umdrehen, strahlen und auf den Auslöser drücken passierte fast gleichzeitig und dem älteren Fahrer zuwinken ging auch noch. Drei, vier Enten haben wir bisher in Frankreich gesehen, sie scheinen ziemlich ausgestorben zu sein oder stehen gewienert und gestriegelt in irgendwelchen Garagen für die Sonntagsausfahrt herum. R4 sieht man noch öfter, aber auch nicht wirklich viele. Bei meinen früheren Urlauben in Frankreich mit der jeweils aktuellen meiner 5 Enten habe ich als Deutsche schon immer ein paar Pluspunkte gesammelt, wenn ich jetzt damit angefahren käme, würden sie mich lieben! Smiley

ENTE!!! :-)

Das runde Gebäude entpuppte sich dann als antikes Waschhaus.

Valence d'Agen (Waschhaus)Valence d'Agen (Waschhaus)Valence d'Agen (Waschhaus)

Am nächsten Tag waren wir bereits um 10 Uhr (!!!) unterwegs zum Markt. Und diesmal brummte die Stadt vor Leben! Ein kleiner Markt nur, aber wir bekamen alles, was wir wollten. Und wo es danach noch einen Kaffee gibt, wussten wir ja auch schon!

Markt in Valence d'AgenMarkt in Valence d'Agen

Valence d'AgenInteressante Skulpturen gab es in der Stadt und teilweise schön restaurierte alte Häuser. Auf dem untersten Foto kann man gut den Unterschied zwischen alt und neu (gemacht) erkennen.

Valence d'AgenValence d'AgenValence d'Agen

Wir hätten es gut und gerne noch ein paar Tage dort ausgehalten, aber wir wollen ja nach Spanien!

So fuhren wir am Sonntag weiter Richtung spanische Grenze. Die nächsten Tage sollte es richtig heiß werden, über 30°C! Dann auf einem staubigen Stellplatz in der prallen Sonne stehen stellten wir uns nicht so prickelnd vor. Wie wäre es denn zur Abwechslung mal mit einem Campingplatz? Rasen als Untergrund wäre auch mal wieder schön, hohe Bäume, ein Fluss, ein See oder wenigstens ein Swimmingpool. 😉 Der ACSI-Campingführer sagte, dass er so etwas für uns habe, bei Aignan. Und so war es dann auch, alle Bedingungen erfüllt, allerdings “nur” ein Pool. Natürlich gibt es die ACSI-Vergünstigung von €17 jetzt nicht, es ist ja Hochsaison. Und dementsprechend bezahlten wir für zwei Nächte dann auch €59,10 incl. Strom. Ein Mobilfunknetz war nur zu erahnen, aber dafür gab es schnelles WLAN, das aber natürlich separat kostete. Der Platz wird von Holländern geführt, alle Beschilderungen sind dreisprachig, französisch, englisch, holländisch. Ein kleiner, liebevoll angelegter Familiencampingplatz mit nur 37 Touristen- und ein paar Dauercamperplätzen. Viele Holländer machen hier Urlaub, hier versteht man sie wenigstens! Wir waren auch froh, englisch statt französisch sprechen zu können. Zwinkerndes Smiley

Es wurde heiß! Aber irgendwo rund um unser quergestelltes Mobil gab es immer Schatten. Abends wollte Uschi outdoor kochen. Da die Schieflage unseres Platzes allerdings nicht ihren Ansprüchen von Pfanne “in der Waage” entsprach, musste ich mich mit einem Käsebrot begnügen. Enttäuschtes Smiley

AignanAignanAignanwer glaubt es?wer glaubt es?

AIGNAN; Campingplatz “Le Domaine du Castex”; am Rande des mittelalterlichen Örtchens Aignan im Grünen mit schöner Weitsicht auf Felder und Hügel; saubere, moderne Sanitäranlagen; kleines Restaurant, Kinderspielangebote, Schwimmbad; viel alter Baumbestand, Plätze mit Grasuntergrund; sehr freundliche Betreiber; vom 1. Sept. bis 20. Okt. und vom 20. März bis 15. Juli ACSI-Vergünstigung (€17); Mietunterkünfte

In der Nacht gab es ein Gewitter, das erste mit heftigem Donner, das wir dieses Jahr erlebt haben. Wir können uns nämlich echt nicht über das Wetter diesen Sommer beschweren, wir haben es, glaube ich, von allen Gegenden Deutschlands am besten getroffen. Sogar in Skandinavien und Nordspanien war es schlechter, wie wir aus einigen Reiseblogs erfuhren. Gut, dass ich die Fotos von unserem Stellplatz noch am Abend zuvor gemacht hatte, morgens war alles noch grau und bewölkt.

Wir fuhren also weiter. Das Gewitter hatte für eine sehr angenehme Abkühlung gesorgt! Tommie führte uns wieder ins Nirgendwo bzw. er versuchte es. Aber nicht mit uns!!! 😉 Uschi setzte sich durch und ich setzte lieber ihre Anweisungen um als Tommies. Unser Zwischen- oder eventuelles Tagesendziel war das Städtchen Arette. Aber erst einmal mussten wir einkaufen. In der nächsten größeren Stadt gab es einen Intermarché Super. Als wir dort ankamen, regnete es in Strömen! Nach erfolgreichem Einkauf stand der Parkplatz unter Wasser und wir mussten im Slalom zu Fix und Boxi zurücklaufen. Wir blieben gleich auf dem Parkplatz stehen und frühstückten. Nicht der schönste Frühstücksplatz, aber wir hatten Hunger! Gleichzeitig konnten wir beobachten, wie direkt gegenüber die kleine (4kg) und die große (8kg) Waschmaschine und der große Trockner (8kg) liefen, entleert und neu bestückt wurden. Wir hatten es schon mehrfach gelesen, dass es diese besonders für Wohnmobiltouristen hervorragende Einrichtung an allen (?) Intermarché-Supermärkten gibt. Und wir können eine weitere Info bestätigen, nämlich, dass man an den Tankstellen, die großen Supermärkten angeschlossen sind, am preiswertesten tanken kann. Die Spanne reicht von €1,169 bis €1,379 (an Normal-Tankstellen) für Diesel. Das ist eine Differenz von bis zu 21 Cent pro Liter!!!

Wir waren nur wenige Kilometer weitergefahren, als wir durch ein vielversprechend aussehendes Dörfchen kamen. Obwohl Tommie diesmal Recht hatte mit seiner Anweisung, bog ich nicht links ab, sondern nach rechts, Richtung Kirche. Die war aber dann gar nicht das Interessanteste, sondern ein großes “Herrenhaus”, das eindeutig bessere Zeiten gesehen hatte. Was für eine Schande, dass ein so tolles Gebäude einfach nur verfällt!

HerrenhausHerrenhausNebeneingang

Gegenüber wurden ausrangierte Telefonhäuschen aus der Vor-Smartphone-Zeit gesammelt, ein Telefonfriedhof sozusagen. Laut lachen

Telefonfriedhof

Hier hätten wir schöner frühstücken können, aber das konnten wir ja nicht ahnen. Das Wetter besserte sich, in Arette fanden wir den ausgewiesenen Wohnmobilstellplatz, aber er war voll (3 Plätze!) und die PKW-Plätze, auf denen auch noch Wohnmobile standen, waren ziemlich schräg. Es gefiel uns dort nicht wirklich und da es noch früh war, beschlossen wir, nur einen Rundgang durch den Ort zu machen, nach einem Kaffee Ausschau zu halten und dann noch weiterzufahren. Arette wurde als mittelalterliches Städtchen beschrieben, entpuppte sich aber nur als ein winziger Ort mit alten, nicht mitteralterlichen, Häusern. Vor der Kirche fiel uns ein Holznachbau des Kirchturms auf, der auf der Rückseite seltsam “verstümmelt” war. Wir konnten uns (noch) keinen Reim darauf machen. Einen Kaffee bekamen wir dann auch, die Verhältnisse waren fast so wie letzten Sommer in USA, immerhin gab es Porzellantassen! Zwinkerndes Smiley Auf dem Rückweg kamen wir an der Touristen-Information vorbei, sahen drinnen erstaunlich viele Menschen und gingen neugierig hinein. Und hier löste sich das Rätsel des deformierten Kirchturmes! Vom Datum her nur zwei Tage zuvor minus genau 50 Jahre hatte ein verheerendes Erdbeben den größten Teil des Dorfes zerstört.

AretteAretteKaffee nach amerikanischer ArtAretteAretteAretteAretteArette

Etwas betroffen machten wir uns auf die Weiterfahrt. Der Col de la Pierre Saint Martin war unser ausgewählter Weg zur spanischen Grenze. Dort oben, auf fast 1700m, sollte es die Möglichkeit geben, mit dem Wohnmobil übernachten zu können, in einem ausgewiesenen Bereich des Großparkplatzes des angrenzenden Skigebietes.

Les Pyrénées Atlantiqueszum Col de la Pierrezum Col de la Pierre

Schon bald hatten wir keine Zeit mehr, über das Erdbeben von 1967 nachzudenken. Je höher wir kamen, desto nebliger wurde es! Zunächst konnte man die Fahrbahnmarkierung noch gut erkennen, dann immer weniger und zum Schluss so gut wie gar nicht mehr! Wir fuhren nur noch im 1. Gang, versuchten angestrengt, rechts oder in der Mitte weiße Farbe auf dem Asphalt zu entdecken, Uschi sagte mir, was sie auf dem Navi-Bildschirm sah, ob die nächste Kurve nach rechts oder nach links führt. Plötzlich tauchte direkt vor uns eine Kuhherde mitten auf der Straße auf!!! Wir hatten sie eher gehört als gesehen, denn sie trugen dicke Glocken um den Hals. Gemächlich trotteten sie um uns herum. Ein weiteres Auto kam den Berg hinunter und konnte zum Glück unmittelbar vor der letzten Kuh halten. Aber auch der Fahrer hatte offenbar die Hinweisschilder am Straßenrand auf freilaufende Kühe gesehen!

Col de la PierreCol de la PierreCol de la PierreCol de la Pierre

Die letzten Serpentinen noch, jetzt Kühe UND Markierungen suchend, und dann hatten wir die Parkplätze erreicht. Einen Hinweis auf Wohnmobilstellplätze sahen wir, aber keine Wohnmobile. Sollten wir alleine hier oben sein? Wir fuhren langsam weiter, ohne zu wissen, wo wir landen würden. Ein paarmal ging es noch um Ecken, dann ging es nicht mehr weiter. Und siehe da, wir waren nicht allein! Um die 20 Mobile standen schön gleichmäßig verteilt auf dem Platz und wir sortierten uns mit je einem Platz Abstand nach rechts und nach links dazwischen ein. Es gab sogar ein Begrüßungskomitee! Wir wären aber auch ohne keinen Meter mehr weitergefahren!!!

Begrüßungskomitee

ARETTE; Aire de Camping-car „De la Pierre Saint-Martin“, separater, nur für Wohnmobile zugelassener Teil der Parkplätze am Skigebiet; Platz für 40 Mobile auf Asphalt; im Sommer kostenfrei incl. Strom, im Winter €10 incl. Strom; VE kostenfrei; kein Schatten; hervorragender Mobilfunkempfang

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

2 Gedanken zu “Diagonal durch Frankreich – 2. Teil

  1. Wie immer super schön zu Lesen! Sehr spannend und kurzweilig – man ist LIVE dabei!

    Die Bilder sind auch immer wieder ein „Augenschmaus“!

    In Frankreich wissen wir es nicht so genau – in Portugal gibt es aber auch InterMarché. An vielen, aber nicht an allen gibt es so eine „Self-Wasch-Laundry“ auch in Portugal (haben wir ja oft auch selbst genutzt!).
    Das vermissen wir hier in Spanien – da sollten sich die Supermärkte hier mal eine Scheibe von abschneiden!

    Danke für’s dabei sein!

    Liebe Grüsse belle

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