Der Pass der freilaufenden Tiere

Trotz des Nebels entdeckten wir die Stromsäulen, die in ausreichender Zahl vorhanden waren. Vier Steckdosen gab es jeweils und an der Säule direkt hinter uns waren drei frei. Also steckten wir unser Kabel an, aber es tat sich nichts. Im Bordatlas stand, dass im Winter nachmittags zwischen 16 und 17 Uhr und morgens zwischen 8 und 9 Uhr jemand käme, um 4 Euro Gebühr einzukassieren und den Stromanschluss freizuschalten. Es war bereits nach 17 Uhr und wir nahmen an, dass der „Strombeauftragte“ schon durch war. Da wir ja nicht unbedingt Strom brauchen, war das nicht tragisch. Wir hofften nur, dass wir nicht am nächsten Morgen so früh geweckt werden würden. Wurden wir, allerdings nicht von jemandem, der Geld von uns wollte. Laut lachen Geweckt wurden wir von Kuhglockengebimmel direkt hinter unserem Heck. Viele Glocken, laute Glocken!!! An Schlaf war nicht mehr zu denken. Hinter unserem Mobil bis zur Felswand war ein Streifen von höchstens zwei Metern Schotter mit wenigen durchgewachsenen Grasbüscheln. Aber da mussten sie unbedingt durch!

Kühe hinter den MobilenKühe hinter den MobilenStellplatz am Col de la Pierre  Stellplatz am Col de la Pierre

Später dann ein Glockenalarm! Was ist jetzt los? Im wilden Galopp kam eine mit Glockenhalsbändern bestückte Ziegenherde den Berg herunter, lief quer über den Parkplatz und verschwand bergab, um sich auf den warmen Steinen niederzulassen. Die Schweine vom Abend zuvor fand Uschi gemächlich in der Sonne liegend vor einer Hütte oberhalb des Platzes wieder, außerdem gab es freilaufende Hühner, Schafe und ein Pferd. Dieses trug ebenfalls eine Kuhglocke (!!!). Die Schweine, die Schafe und die Hühner nicht. Smiley mit geöffnetem Mund Das Pferd durfte aber offensichtlich dann doch nicht frei herumlaufen, es wurde nach kurzer Zeit von einem Jeep abgeholt. Der Fahrer befahl ihm, hinter dem Auto herzulaufen und das Pferd gehorchte tatsächlich!

Kühe am Col de la PierreZiegen am Col de la PierreKuh und Schafe am Col de la PierreSchweine am Col de la PierrePferd am Col de la PierreZiegen am Col de la Pierre

Ein netter Ort! Hier gefiel es uns. Und außerdem schien die Sonne!!! Da wir so hoch waren, blieben die Temperaturen sehr angenehm. Wir beschlossen, ein wenig die Gegend zu erkunden. Eine grandiose Fernsicht bot sich uns, die besonders interessant war, weil vom Tal her schon wieder Nebel aufzog.

Col de la Pierre bei NebelCol de la Pierre bei NebelCol de la Pierre bei NebelCol de la Pierre bei NebelCol de la Pierre bei NebelCol de la Pierre bei Nebel

Auf einem der Hügel war ein Bauwerk zu sehen, das wie ein Fort aussah. Als wir hochgekraxelt waren, entpuppte es sich aber nur als Wasserspeicher.

Wasserspeicher am Col de la Pierrewasserspeicher am Col de la Pierre

Von dort oben konnte man jetzt auch gut die Ausmaße des Skigebietes erkennen. Einen Schlepplift (nicht in Betrieb Zwinkerndes Smiley ) und zwei Sessellifte (in Betrieb) gab es, einige Schneekanonen standen herum, an den Hängen konnte man die Schneisen für die verschiedenen Skipisten erkennen. Mehrere größere Hotels und ein ganzes Bungalowdorf waren für den Besucheransturm des Winters gerüstet.

Blick auf das SkizentrumSkizentrumSki"pistole"SkizentrumSkizentrumStellplatz von obenBungalowdorfBungalowdorf

Schön war es hier oben!

Col de la PierreCol de la PierreCol de la Pierre

Der Ort allerdings bot nicht viel. Kein Vergleich zu deutschen Skigebieten, in denen auch im Sommer etwas los ist. Keine Wanderer. Keine Geschäfte. Ein Supermarkt, eine Menge geschlossener Restaurants und Bars, ein Hüpfkissen, ein Mountainbikeverleih und eine Sommerrodelbahn. Außer den Wohnmobilbesatzungen war hier oben kaum jemand. Mit Glück fanden wir ein offenes Restaurant und bekamen unseren Nachmittagskaffee samt Kuchen. Zu Skigebietspreisen! Die Sonne war inzwischen weg. Wir schafften es gerade noch, vor dem Nebel wieder zu Fix und Boxi zurückzukehren. Sehr dekorativ stand am Ende des Stellplatzes eine weiße Kuh.

Kuh am Col de la PierreKuh am Col de la Pierre

Ich ging extra hin, um sie zu fotografieren. Auf dem Rückweg wunderte ich mich darüber, dass von den Wohnmobilen auf der Talseite des Platzes Stromkabel bis auf unsere Seite gezogen waren, quer über den Fahrbereich. Auch unsere Nachbarn hatten Strom angesteckt. Seltsam! Ja, sie hätten Strom, hieß es. Nein, er koste nichts. Wir probierten es erneut, kein Strom! Der französische Nachbar nahm sein Kabel und probierte alle drei freien Steckdosen an unserer Säule aus. Kein Strom! Er zog das Kabel des anderen Nachbarn ab, steckte seins hinein, Strom! An seiner Säule waren alle Steckdosen belegt und bis zur übernächsten reichte sein Kabel nicht. Aber unseres. Also probierte es Uschi mit unserem Kabel. Erste Steckdose, kein Strom! Zweite Steckdose, kein Strom! Dritte Steckdose, STROM!!! Deswegen wurden also die Kabel über die Straße gezogen! An jeder Säule funktionierte nur ein Teil der Steckdosen. Wie hoch die Absicherung ist, stand nämlich nirgendwo und vermutlich waren an allen nicht funktionierenden einfach nur die Sicherungen rausgeflogen, weil Geräte mit zuviel Watt angeschlossen wurden. Und da im Sommer offensichtlich niemand zum Abkassieren kommt und der Strom nicht freigeschaltet werden muss, kümmert sich auch niemand um defekte Sicherungen. Der Platz ist also im Sommer kostenfrei und Strom gibt es noch gratis obendrauf! Im Winter kostet es laut Plakat allerdings nicht nur 4, sondern 10 Euro (incl. Strom). Direkt hinter uns an der Stromsäule war auch ein unmissverständlicher Hinweis darauf, dass dies ein Stellplatz ausschließlich für Wohnmobile sei und parkende PKW kostenpflichtig entfernt werden würden.

Hinweisschild am Col de la Pierre

So ein Schild würden wir uns für alle Wohnmobilstellplätze wünschen, egal ob in Frankreich oder in Deutschland! Wir schalteten unseren Kühlschrank auf Strom um und genossen den Abend im Nebel mit wechselndem Kuh- und Ziegenglockengeläute. Verwirrtes Smiley

Nebel am Col de la PierreSchafe am Col de la Pierre

nach Spanien über den Col de la Pierre Unsere Frankreich-Diagonal-Tour fand hier ihr Ende. Über den Pass verläuft die Grenze zu Spanien.

Karte Frankreich diagonal

written by Ingrid
photos taken with iPhone and Mobistel Cyrus F9

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (ist repariert!) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

3 Gedanken zu “Der Pass der freilaufenden Tiere

  1. SO ein Schild wünschen wir uns doch alle – oder? Immer wieder sieht man PKW‘, die auf ausgewiesenen Camper-Stellplätzen parken!

    Wir sind im Moment in 37336 Huerta – aber morgen müssen wir weiter ‚gen Osten. Es steht einiges auf dem Plan und wir MÜSSEN los!

    Wie immer – toll zu Lesen und tolle Bilder ♥

    Liebe Grüsse belle

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      • Das stimmt ja leider auch – es gibt immer mehr Menschen, denen alles völlig egal ist und die sich auch von so einem Schild nicht abhalten lassen!

        Dankeschön meine Liebe für Eure lieben Wünsche ♥
        Ganz liebe Grüsse zurück an Euch ♥

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