Spanisches Leben :-)

Also, was haben wir denn so gemacht in den zwei Wochen bei/mit Juan? Er fuhr an den Wochentagen vormittags für drei Stunden zu seinem derzeitigen „Nebenjob“. Er bringt die handschriftlichen Ausführungen einer Frau, die das inzwischen 14. Buch über Religion im weiteren Sinne schreibt (keins ist bisher verlegt worden), in den Computer. Um 14 Uhr war er meistens wieder zurück, also gerade richtig für mich, Zwinkerndes Smiley musste dann aber erst einmal zu Mittag essen und noch ein wenig Siesta halten. Das war für uns aber okay so, es ist ja schließlich Sommer und abends noch ausreichend lange hell. Wir wollten gar nicht jeden Tag das volle Programm, ein netter kleiner Spaziergang gegen Spätnachmittag oder am frühen Abend war auch völlig in Ordnung. Und außerdem hatte Juan ja auch noch seinen Haushalt zu erledigen. Laut lachen

Juan in action

Am ersten Donnerstag fuhren wir dann aber bereits um 10 Uhr nach Palencia. Eine Stunde Fahrzeit durch wechselnde Landschaft. Kaum hatten wir das Gebirge hinter uns gelassen, wurde es sowohl waldreicher als auch sanfter mit großen Getreideanbauflächen. Aber auch ein wenig langweiliger. Juan hatte einen Arzttermin und setzte uns in der Innenstadt ab.

Palencia ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, einer von 9 Provinzen der autonomen Gemeinschaft „Kastilien und León“. Eine noch überschaubare mittelgroße Stadt mit ca. 80000 Einwohnern. Es war gerade Fiesta! In jeder spanischen Stadt ist irgendwann im Sommer Fiesta, manchmal nur ein paar Tage, manchmal auch gleich ein paar Wochen oder sogar Monate. Juan brachte uns zu der alten Markthalle, die es in fast jeder etwas größeren spanischen Stadt gibt und wir verabredeten, uns dort in einer guten Stunde wieder zu treffen.

Markthalle in PalenciaPalencia

Die Stunde reichte uns knapp aus, mal eben die Calle Mayor (Haupteinkaufsstraße) rauf und runter zu laufen, nur nach links, nach rechts schafften wir nicht mehr! Vor dem Rathaus war eine Bühne aufgebaut und es lief gerade ein Kinderbelustigungsprogramm. Deutsche Kinder können sicher bei solchen Veranstaltungen auch laut sein, aber in Spanien ist allein die Musikbeschallung dermaßen dominant, dass deutsche Ohren schnell „etwas“ überfordert sind. Verwirrtes Smiley

P für PalenciaPalenciaPalencia

Neben der Markthalle war ein großer Platz, auf dem eine Reihe von Verkaufsständen aufgebaut waren. Dort gab es Tapas und die wollten wir probieren. Da wir uns schon gedacht hatten, dass wir nicht so ganz früh etwas zu essen bekommen würden, hatten wir uns dieses Mal Käsebrote mitgenommen und die auch gleich nach Ankunft verspeist. Zum Glück! Juan kam pünktlich zurück, aber wir gingen nicht etwa gleich zu den Tapas, nein, es war ja erst kurz vor eins. Da isst ein Spanier noch nicht zu Mittag! Juan zeigte uns dieses und jenes, wir liefen durch die halbe Stadt zur Kathedrale und irgendwo sollte es auch einen Mittelaltermarkt geben. Der war aber so weit außerhalb, dass ich streikte. Dabei liebe ich Mittelaltermärkte! Die Kathedrale war groß und beeindruckend, aber geschlossen.

Palencia PalenciaPalenciaPalenciaPalenciaPalenciaPalenciaPalenciaPalenciaPalenciaPalencia

Es war nämlich inzwischen nach halb 2=Siesta in Spanien. Wieder zurück auf der Calle Mayor kamen wir an der ersten Tapas-Bar vorbei, die laut Juan gut war. Ein schmales, langes Ladenlokal mit Tresen. Ein wenig nach hinten versetzt hinter einer Glasscheibe stand die reichhaltige und für uns völlig unübersichtliche Auswahl der einzelnen Angebote. Gab es irgendetwas ohne Fleisch??? Ein paar Plakate gaben Auskunft, halfen uns aber auch nicht wirklich weiter. Juan erklärte uns die verschiedenen Varianten und als wir uns endlich für drei verschiedene Sachen entschieden hatten, hieß es, dass das zu viel sei, wir würden ja gleich noch woanders hingehen. Es sollte also quasi nur ein Appetitmacher sein. Muss man ja nur wissen! Enttäuschtes Smiley Wir bestellten frittierte, gekochte Eier, gefüllt mit Béchamelsoße. Eins für jeden! Hört sich seltsam an? War es auch. Noch viel seltsamer fanden wir aber, dass der Boden unter dem Tresen, an dem man auch gleich aß, mit Abfall übersät war. Das kannten wir zwar schon aus einfacheren spanischen Imbissstuben, wo rund um die einzelnen Tische ebenfalls der Müll auf dem Boden lag, aber dass es auch hier so selbstverständlich gehandhabt wurde, befremdete uns doch etwas. Andere Länder, andere Sitten!

Unser Hunger war nur unmerklich geringer geworden. Aber jetzt ging es ja endlich zum Platz mit den Tapas-Ständen. Wir klapperten sie alle ab, aber für uns gab es fast nichts. Uschi war der Appetit inzwischen schon vergangen und gegen ihren Hunger aß sie das süße Teilchen, das wir vorher in einer Bäckerei erstanden hatten. Ich entschied mich für eine Scheibe Weißbrot, belegt mit Paprika-/Zwiebelgemüse und garniert mit vier Sardellen. Die Entscheidung fiel mir leicht, weil es sonst nichts für mich gab und ich jetzt richtig Hunger hatte. Juan hatte natürlich keine Auswahlprobleme! Nein, stimmt nicht, für ihn gab es so viel verschiedenes, dass auch er eine Auswahl treffen musste, weil er gar nicht alles essen konnte. Zum Nachtisch gab es dann immerhin noch ein kleines Plastikschälchen mit einer leckeren Crème. Nein, wir haben es nach dem Verzehr nicht einfach fallengelassen! Der Platz war voll, viele zufriedene Spanier aßen um vier Uhr nachmittags zu Mittag!!! Dass es auch hier nicht gerade leise war, brauche ich sicher nicht extra zu erwähnen?

Wir waren etwas erschlagen und froh, die Stadt wieder verlassen zu können. Die Geschäfte hatten sowieso alle noch bis 17 Uhr zu. Juan zeigte uns, wo er geboren wurde und aufgewachsen ist. Und wir besuchten den Obstgarten, in dem sein Vater vor Jahrzehnten viele verschiedene Bäume gepflanzt hatte. Alle trugen üppige Mengen reifen Obstes. Wir aßen zum ersten Mal in unserem Leben frische Feigen direkt vom Baum, lecker!

Venta de BañosVenta de BañosVenta de BañosVenta de BañosVenta de Baños

Auf der Fahrt zurück gab es noch einen Abstecher zu der Burg, die wir auf der Hinfahrt schon von weitem gesehen hatten. Im spanischen Wortschatz gibt es keinen Unterschied zwischen Schloss und Burg, es heißt einfach nur castillo. Dieses ist das Castillo de Fuentes de Valdepero und gehörte im 13. Jahrhundert einer Familie Sarmiento, weswegen es auch als Castillo de los Sarmiento bekannt ist. Die Jahrhunderte und ihre wechselhafte Geschichte gingen nicht spurlos an ihm vorüber, sodass irgendwann nur noch ein paar Grundmauern übrig waren. Wer den Ehrgeiz hatte und Castillo de Fuentes de Valdeperodie benötigten Gelder aufgetrieben hat, entzieht sich meiner Kenntnis, aber das gesamte Gebäude wurde wiederaufgebaut, originalgetreu und unter Einbeziehung der alten Mauerreste. An einigen Stellen kann man das noch gut sehen. Für nur €1,50 (Rentnerrabattpreis!) konnte man fast überall herumlaufen, vor allem oben einmal ganz um den ehemaligen Burghof herum. Ein tolles Bauwerk und trotzdem muss ich sagen, dass es einen Unterschied ausmacht, ob ein Schloss oder eine Burg originalerhalten (egal in welchem Zustand) oder restauriert ist. Neue Mauern haben nicht dieselbe Ausstrahlung wie alte und können keine Geschichte erzählen.

Castillo de Fuentes de ValdeperoCastillo de Fuentes de ValdeperoCastillo de Fuentes de ValdeperoCastillo de Fuentes de ValdeperoCastillo de Fuentes de ValdeperoCastillo de Fuentes de ValdeperoCastillo de Fuentes de ValdeperoCastillo de Fuentes de ValdeperoCastillo de Fuentes de ValdeperoCastillo de Fuentes de ValdeperoCastillo de Fuentes de ValdeperoCastillo de Fuentes de ValdeperoCastillo de Fuentes de Valdepero

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

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