Cadillac und Wohnmobil

Ich war, wie schon erwähnt, seit Jahrzehnten im Sommer weder in Spanien noch in Frankreich. Unbedingt wollte ich jetzt ein Stück der französischen Atlantikküste abfahren. In meiner Vorstellung waren hübsche kleine Küstenörtchen mit hübschen Geschäften, hübschen Häusern, hübschen Blumen, hübschen Cafés. Hmmm…    Ja, ich weiß, dass sich Erinnerungen im Laufe der Zeit verfälschen und meist sind sie hübscher, farbiger, positiver als es damals wirklich war. Vielleicht ist das ja auch eine hilfreiche Sache des Gehirns, dass es die negativen Dinge, Erfahrungen, Erlebnisse eher ausblendet. Kurzum, die hübschen Städtchen aus meiner Erinnerung haben wir nicht gefunden. Die ursprünglichen Ortskerne sind unbedeutend, das (touristische) Leben findet am Strand statt. Dort sieht es überall gleich aus. Eine oder mehrere Straßen mit Restaurants, Geschäften mit Kram und Krempel, Eisbuden, Straßencafés und, und, und. Hat man eins gesehen, hat man alle gesehen. Nein, ich war nicht frustriert, eher ein wenig erstaunt und schnell war klar, dass ich das auch nicht (mehr?) brauche. So war es in Moliets-Plage und in Mimizan-Plage, nur Contis-Plage machte eine kleine Ausnahme. Was evtl. daran lag, dass es dort nur eine Straße mit Attraktionen gab und schon einiges geschlossen hatte, weil nichts mehr los war. Und wir dort seit langem mal wieder richtig leckere Pommes frites bekamen. Smiley Warum heißen die eigentlich so? Im Französischen sind pommes ja Äpfel. Aber Pommes frites sind ja keine frittierten Äpfel! Kartoffel heißt auf französisch pomme de terre, also Erdapfel. In Frankreich sagt man aber weder pommes de terre frites noch pommes frites, sondern schlicht und ergreifend frites. Das könnte nun wiederum alles mögliche sein. Laut lachen

MimizanContis-PlageMimizan-PlageContis-PlageContis-PlageContis-Plage

Die Strände sind natürlich eine Offenbarung! Kilometerlang, goldgelb, feinsandig, breit. Jetzt im Spätsommer auch nicht mehr überlaufen.

Contis-Plage

Der Wohnmobilstellplatz in Contis-Plage gefiel uns auch ausnehmend gut. Er ist nicht so riesig und etwas unpersönlich wie der in Capbreton, sondern naturbelassener. Man hat die Wahl (wenn man die Wahl hat) zwischen Schotter und Sandboden, Sonne oder Schatten unter Pinien. Zum Strand ist es allerdings ein klein wenig weiter als in Capbreton, wo man ja nur über die Düne muss.

Contis-PlageContis-PlageContis-PlageContis-PlageContis-Plage

Cadillac Dann verließen wir die Küste auf der Höhe von Bordeaux. Uschi hatte als Zwischenziel einen kleinen Stellplatz in einem kleinen Städtchen mit einem netten Namen ausgesucht, Cadillac. Der Bordatlas sprach von historischem Stadtkern und wir waren etwas enttäuscht, dass außer einem alten Stadttor und einem Rest Stadtmauer es sonst nichts bemerkenswertes gab. Alt waren die Gebäude schon, aber nicht besonders schön. Die gesamte Stadt wirkte so, als ob sie schon bessere Zeiten gesehen hätte. Dabei gibt es sogar ein Schloss, das im Laufe seiner Geschichte zum Frauengefängnis umfunktioniert wurde und jetzt ein Museum ist. Und die Kirche war, obwohl von außen relativ unscheinbar, von innen überraschend schön.

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Der Wohnmobilstellplatz ist ausgewiesen für 10 Mobile. Unser dusseliger Tommie führte uns durch ein Stadttor hindurch direkt in das Stadtinnere. Das war sicher der kürzeste Weg, aber sicherlich nicht der sinnvollste. Ich denke ja immer in Oscarlotta-Kategorien und nicht nur einmal auf dieser Tour ist klar geworden, dass ich mit Oscarlotta DIESEM TomTom nicht vertrauen sollte. Wir sind z. Z. dabei, verschiedene Navigationsapps zu testen. Trauriges Smiley

Cadillac 10 Mobilplätze ist ja nicht so arg viel, aber es stellte sich heraus, dass für uns noch Platz war. Drei französische Mobile standen bereits an der rechten Seite des Platzes, auf der linken standen PKWs. Es waren mehrere deutlich sichtbare Hinweisschilder aufgehängt, die darauf hinwiesen, dass hier nur Wohnmobile die Berechtigung zum Parken haben, aber es gibt ja Menschen, die das nicht interessiert. Bitte, liebe Nicht-Wohnmobil-Fahrer unter unseren Lesern, parkt euren PKW NIEMALS auf einem für Wohnmobile reservierten Platz. Wir haben in Städten keine andere Möglichkeit, unsere Mobile zu parken, die größeren schon gar nicht. Und da, wo man vielleicht noch parken könnte, darf oder möchte man dann nicht übernachten. In Frankreich ist es jetzt sogar schon so, dass viele Supermarktparkplätze mit Höhenbegrenzungen versehen sind, sodass man mit einem Wohnmobil dort gar nicht mehr hineinfahren kann.

Sogar vor dem Tor zum angrenzenden Grundstück war ein PKW abgestellt, direkt vor dem dort befestigten Schild! Als der Grundstückseigner kam, lief er zu einem Gebäude und kam mit der Fahrerin des Wagens wieder zurück. Er kannte das wohl schon.

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Auf dem Grundstück steht ein Gebäude, in dem sich offenbar Gymnastikräume befinden, denn nach einiger Zeit kamen viele Frauen mit Sporttaschen heraus, gingen zu ihren Autos und fuhren davon.

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Am nächsten Morgen wurde es dann noch interessanter! Wir wurden wach von Türen schlagen und als wir aufstanden, waren wir umringt von geparkten PKWs. Eine Kursteilnehmerin war wohl ein wenig zu spät dran, quetschte ihr Auto zwischen uns und den Nachbarn und war weg, ehe Uschi rausspringen und protestieren konnte.

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Das war nun wirklich eine Unverfrorenheit! Außer dem Nachbarn und uns waren nur noch PKWs auf dem Platz. Der angrenzende PKW-Parkplatz war zugegebenermaßen auch voll, es war also offensichtlich Bedarf da, aber muss man sich deswegen über sämtliche Verbotsschilder hinwegsetzen und sogar auf der Ent- und Versorgungsstation parken??? Nur 50m weiter die Straße entlang gab es einen weiteren PKW-Parkplatz und noch einen weiteren in 50 Metern. Aber wenn man zum Sport geht, kann man ja unmöglich vorher noch SO weit laufen!

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Es dauerte keine 5 Minuten, da kamen zwei französische Wohnmobile auf den Platz gefahren. Der (französische) Nachbar ging zu ihnen und klärte sie über die besonderen Bedingungen auf. Daraufhin fuhren sie nicht etwa wieder, weil der Platz ja voll war, sondern stellten sich mitten auf den Platz und warteten. Keiner von den widerrechtlich geparkten PKWs konnte jetzt den Platz verlassen. Irgendwann kamen die ersten Frauen von ihrem Kurs und waren offensichtlich nicht nur überrascht, sondern auch überfordert mit der sich ihnen bietenden Situation. Zumal die Wohnmobilfahrer keine Anstalten machten, ihr Mobil zu bewegen. Die, die noch auf dem PKW-Parkplatz geparkt hatten, machten sich vom Acker. Die nächsten versuchten mühsam, ihr Auto unter mehrfachem Vor- und Zurückfahren zu wenden, einige machten den Eindruck, dass sie unangenehm berührt, weil schuldbewusst, waren, andere waren nur wütend. Die, die gar nicht rauskamen, mussten jetzt die Wohnmobilbesatzungen bitten, Platz zu machen. Ein Fahrer kam den Bitten nach und fluchtartig verließen die Damen den Platz. Der andere blieb zunächst stehen, was zur Folge hatte, dass seine Frau, die draußen stand, von einer PKW-Fahrerin wüst beschimpft wurde. Dann ging diese auf die Fahrerseite und diskutierte mit dem am Steuer sitzenden Mann. Was der ihr sagte, konnten wir weder hören noch hätten wir es verstanden, aber letztendlich fuhr er sein Mobil aufreizend langsam erst ein kleines Stück nach vorne und dann wieder zurück. Wie die Ratten das sinkende Schiff verließen alle noch verbliebenen PKWs den Platz! Ob wohl eine der Damen etwas daraus gelernt hat???

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CONTIS-PLAGE; Aire de Camping-car du Phare, Stellplatz für 71 Mobile auf Schotter und Sand; 13,00 Euro Juni-Sept., 9,00 Euro März, Apr., Mai, Okt., Nov., kostenfrei Jan., Febr. (zahlbar bei Einfahrt am Automaten per Kreditkarte) incl. Strom, Wasser, Entsorgung; kleines Sanitärgebäude; auch für große Mobile geeignet; teilweise schattig; max. Aufenthaltsdauer 72 Stunden; Strandzugang und kleiner Ort mit Einkaufsmöglichkeit (?) ca. 500m

CADILLAC; Aire de Camping-car du Parc, Stellplatz für 10 Mobile auf Asphalt; kostenlos; Strom per Automat nicht mehr verfügbar (zugeklebt); kein Schatten; Stadtkern in unmittelbarer Nähe; max. Aufenthaltsdauer 72 Stunden; VE vorhanden

written by Ingrid
photos taken with iPhone and Mobistel Cyrus F9

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

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4 Gedanken zu “Cadillac und Wohnmobil

  1. Wulwi schreibt:

    Da haben wir uns am Atlantik knapp verpasst. Wir sind von Bordeaux südlich bis St-Jean-de-Luz. Euer Eindruck über die Küste entspricht auch meinem. Denn ich war vor 20 Jahren zuletzt dort. Die Parksituation ist inzwischen normal auf Stellplätzen,aber kaum zu verhindern. Wir sind nun in Orleans. Der Herbst kommt!
    Alles Liebe
    Wulwi

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