Cadillac und Wohnmobil

Ich war, wie schon erwähnt, seit Jahrzehnten im Sommer weder in Spanien noch in Frankreich. Unbedingt wollte ich jetzt ein Stück der französischen Atlantikküste abfahren. In meiner Vorstellung waren hübsche kleine Küstenörtchen mit hübschen Geschäften, hübschen Häusern, hübschen Blumen, hübschen Cafés. Hmmm…    Ja, ich weiß, dass sich Erinnerungen im Laufe der Zeit verfälschen und meist sind sie hübscher, farbiger, positiver als es damals wirklich war. Vielleicht ist das ja auch eine hilfreiche Sache des Gehirns, dass es die negativen Dinge, Erfahrungen, Erlebnisse eher ausblendet. Kurzum, die hübschen Städtchen aus meiner Erinnerung haben wir nicht gefunden. Die ursprünglichen Ortskerne sind unbedeutend, das (touristische) Leben findet am Strand statt. Dort sieht es überall gleich aus. Eine oder mehrere Straßen mit Restaurants, Geschäften mit Kram und Krempel, Eisbuden, Straßencafés und, und, und. Hat man eins gesehen, hat man alle gesehen. Nein, ich war nicht frustriert, eher ein wenig erstaunt und schnell war klar, dass ich das auch nicht (mehr?) brauche. So war es in Moliets-Plage und in Mimizan-Plage, nur Contis-Plage machte eine kleine Ausnahme. Was evtl. daran lag, dass es dort nur eine Straße mit Attraktionen gab und schon einiges geschlossen hatte, weil nichts mehr los war. Und wir dort seit langem mal wieder richtig leckere Pommes frites bekamen. Smiley Warum heißen die eigentlich so? Im Französischen sind pommes ja Äpfel. Aber Pommes frites sind ja keine frittierten Äpfel! Kartoffel heißt auf französisch pomme de terre, also Erdapfel. In Frankreich sagt man aber weder pommes de terre frites noch pommes frites, sondern schlicht und ergreifend frites. Das könnte nun wiederum alles mögliche sein. Laut lachen

MimizanContis-PlageMimizan-PlageContis-PlageContis-PlageContis-Plage

Die Strände sind natürlich eine Offenbarung! Kilometerlang, goldgelb, feinsandig, breit. Jetzt im Spätsommer auch nicht mehr überlaufen.

Contis-Plage

Der Wohnmobilstellplatz in Contis-Plage gefiel uns auch ausnehmend gut. Er ist nicht so riesig und etwas unpersönlich wie der in Capbreton, sondern naturbelassener. Man hat die Wahl (wenn man die Wahl hat) zwischen Schotter und Sandboden, Sonne oder Schatten unter Pinien. Zum Strand ist es allerdings ein klein wenig weiter als in Capbreton, wo man ja nur über die Düne muss.

Contis-PlageContis-PlageContis-PlageContis-PlageContis-Plage

Cadillac Dann verließen wir die Küste auf der Höhe von Bordeaux. Uschi hatte als Zwischenziel einen kleinen Stellplatz in einem kleinen Städtchen mit einem netten Namen ausgesucht, Cadillac. Der Bordatlas sprach von historischem Stadtkern und wir waren etwas enttäuscht, dass außer einem alten Stadttor und einem Rest Stadtmauer es sonst nichts bemerkenswertes gab. Alt waren die Gebäude schon, aber nicht besonders schön. Die gesamte Stadt wirkte so, als ob sie schon bessere Zeiten gesehen hätte. Dabei gibt es sogar ein Schloss, das im Laufe seiner Geschichte zum Frauengefängnis umfunktioniert wurde und jetzt ein Museum ist. Und die Kirche war, obwohl von außen relativ unscheinbar, von innen überraschend schön.

CadillacCadillacCadillacCadillacCadillacCadillacCadillacCadillacCadillacCadillacCadillacCadillacCadillacCadillacCadillacCadillacCadillac

Der Wohnmobilstellplatz ist ausgewiesen für 10 Mobile. Unser dusseliger Tommie führte uns durch ein Stadttor hindurch direkt in das Stadtinnere. Das war sicher der kürzeste Weg, aber sicherlich nicht der sinnvollste. Ich denke ja immer in Oscarlotta-Kategorien und nicht nur einmal auf dieser Tour ist klar geworden, dass ich mit Oscarlotta DIESEM TomTom nicht vertrauen sollte. Wir sind z. Z. dabei, verschiedene Navigationsapps zu testen. Trauriges Smiley

Cadillac 10 Mobilplätze ist ja nicht so arg viel, aber es stellte sich heraus, dass für uns noch Platz war. Drei französische Mobile standen bereits an der rechten Seite des Platzes, auf der linken standen PKWs. Es waren mehrere deutlich sichtbare Hinweisschilder aufgehängt, die darauf hinwiesen, dass hier nur Wohnmobile die Berechtigung zum Parken haben, aber es gibt ja Menschen, die das nicht interessiert. Bitte, liebe Nicht-Wohnmobil-Fahrer unter unseren Lesern, parkt euren PKW NIEMALS auf einem für Wohnmobile reservierten Platz. Wir haben in Städten keine andere Möglichkeit, unsere Mobile zu parken, die größeren schon gar nicht. Und da, wo man vielleicht noch parken könnte, darf oder möchte man dann nicht übernachten. In Frankreich ist es jetzt sogar schon so, dass viele Supermarktparkplätze mit Höhenbegrenzungen versehen sind, sodass man mit einem Wohnmobil dort gar nicht mehr hineinfahren kann.

Sogar vor dem Tor zum angrenzenden Grundstück war ein PKW abgestellt, direkt vor dem dort befestigten Schild! Als der Grundstückseigner kam, lief er zu einem Gebäude und kam mit der Fahrerin des Wagens wieder zurück. Er kannte das wohl schon.

CadillacCadillac

Auf dem Grundstück steht ein Gebäude, in dem sich offenbar Gymnastikräume befinden, denn nach einiger Zeit kamen viele Frauen mit Sporttaschen heraus, gingen zu ihren Autos und fuhren davon.

CadillacCadillacCadillac

Am nächsten Morgen wurde es dann noch interessanter! Wir wurden wach von Türen schlagen und als wir aufstanden, waren wir umringt von geparkten PKWs. Eine Kursteilnehmerin war wohl ein wenig zu spät dran, quetschte ihr Auto zwischen uns und den Nachbarn und war weg, ehe Uschi rausspringen und protestieren konnte.

CadillacCadillacCadillac

Das war nun wirklich eine Unverfrorenheit! Außer dem Nachbarn und uns waren nur noch PKWs auf dem Platz. Der angrenzende PKW-Parkplatz war zugegebenermaßen auch voll, es war also offensichtlich Bedarf da, aber muss man sich deswegen über sämtliche Verbotsschilder hinwegsetzen und sogar auf der Ent- und Versorgungsstation parken??? Nur 50m weiter die Straße entlang gab es einen weiteren PKW-Parkplatz und noch einen weiteren in 50 Metern. Aber wenn man zum Sport geht, kann man ja unmöglich vorher noch SO weit laufen!

CadillacCadillac

Es dauerte keine 5 Minuten, da kamen zwei französische Wohnmobile auf den Platz gefahren. Der (französische) Nachbar ging zu ihnen und klärte sie über die besonderen Bedingungen auf. Daraufhin fuhren sie nicht etwa wieder, weil der Platz ja voll war, sondern stellten sich mitten auf den Platz und warteten. Keiner von den widerrechtlich geparkten PKWs konnte jetzt den Platz verlassen. Irgendwann kamen die ersten Frauen von ihrem Kurs und waren offensichtlich nicht nur überrascht, sondern auch überfordert mit der sich ihnen bietenden Situation. Zumal die Wohnmobilfahrer keine Anstalten machten, ihr Mobil zu bewegen. Die, die noch auf dem PKW-Parkplatz geparkt hatten, machten sich vom Acker. Die nächsten versuchten mühsam, ihr Auto unter mehrfachem Vor- und Zurückfahren zu wenden, einige machten den Eindruck, dass sie unangenehm berührt, weil schuldbewusst, waren, andere waren nur wütend. Die, die gar nicht rauskamen, mussten jetzt die Wohnmobilbesatzungen bitten, Platz zu machen. Ein Fahrer kam den Bitten nach und fluchtartig verließen die Damen den Platz. Der andere blieb zunächst stehen, was zur Folge hatte, dass seine Frau, die draußen stand, von einer PKW-Fahrerin wüst beschimpft wurde. Dann ging diese auf die Fahrerseite und diskutierte mit dem am Steuer sitzenden Mann. Was der ihr sagte, konnten wir weder hören noch hätten wir es verstanden, aber letztendlich fuhr er sein Mobil aufreizend langsam erst ein kleines Stück nach vorne und dann wieder zurück. Wie die Ratten das sinkende Schiff verließen alle noch verbliebenen PKWs den Platz! Ob wohl eine der Damen etwas daraus gelernt hat???

CadillacCadillacCadillacCadillacCadillacCadillacCadillac

CONTIS-PLAGE; Aire de Camping-car du Phare, Stellplatz für 71 Mobile auf Schotter und Sand; 13,00 Euro Juni-Sept., 9,00 Euro März, Apr., Mai, Okt., Nov., kostenfrei Jan., Febr. (zahlbar bei Einfahrt am Automaten per Kreditkarte) incl. Strom, Wasser, Entsorgung; kleines Sanitärgebäude; auch für große Mobile geeignet; teilweise schattig; max. Aufenthaltsdauer 72 Stunden; Strandzugang und kleiner Ort mit Einkaufsmöglichkeit (?) ca. 500m

CADILLAC; Aire de Camping-car du Parc, Stellplatz für 10 Mobile auf Asphalt; kostenlos; Strom per Automat nicht mehr verfügbar (zugeklebt); kein Schatten; Stadtkern in unmittelbarer Nähe; max. Aufenthaltsdauer 72 Stunden; VE vorhanden

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

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Cape Breton oder Capbreton

Da die Wetter-Apps weiterhin regnerisches Wetter vorhersagten, für die französische Atlantikküste aber sogar Sonnenschein, beschlossen wir, Spanien Lebewohl zu sagen. Am nächsten Tag hatte uns Frankreich wieder! Wieder war Sonntag und die Franzosen sind offenbar genauso flanierfreudig wie die Spanier. Alle Küstenorte waren zugeparkt, keine Chance auf einen Café au lait. Wir kamen an einem Wohnmobilstellplatz vorbei, an dem schon ein Wohnmobil in der Zufahrt stand und wohl darauf wartete, dass noch ein Platz frei werden würde. Ich glaube, das war in Biarritz. Zum Glück wollten wir dort nicht hin! Es ist ja schon Nachsaison, die Schulen haben wieder begonnen, aber offenbar werden die französischen Familienurlauber nahtlos abgelöst von den französischen Rentnern. Und Scharen von Niederländern sind unterwegs! Ein wenig beschlich uns die Sorge, dass der von uns angesteuerte Platz auch voll sein könnte. Allerdings wies der Bordatlas 135 Stellplätze aus, die würden doch wohl nicht alle belegt sein?!?! Enttäuschtes Smiley Der erste Blick auf den Platz ließ uns aufatmen, es war genug frei. Es handelt sich um einen großen Asphaltplatz mit Stellplätzen rundherum am Rand und zweireihig in der Mitte. Wir entschieden uns für den Rand an einer Sanddüne und ließen rechts und links je einen Platz frei. Das war doch schon mal nicht schlecht!

CapbretonCapbretonCapbreton

Gegen 17 Uhr kam eine Bedienstete der Gemeinde oder der Gesellschaft, die den Platz verwaltet, und kassierte €13,50 (incl. Strom und VE). Wir bezahlten gleich für zwei Nächte, denn wir wollten noch einmal Strand und Meer. Ist auch nicht mehr ganz preiswert!

Uschi düste mit dem Roller los und landete aber offenbar schon im Nachbarort mit Yachthafen und den üblichen touristischen Saisonlokalen, -geschäften, -kiosken. Den eigentlichen Kern Capbretons entdeckten wir erst am übernächsten Tag bei unserer Weiterfahrt. Hier sah es so aus, als ob das ganze Jahr über Betrieb sein würde.

Am zweiten Tag ging es an den Strand! Das Wetter war wirklich so schön wie vorhergesagt und wir konnten noch einmal barfuß durch die Wellen laufen.

CapbretonCapbreton

Bereits nach kurzer Zeit lagen die ersten Bunkerreste im Sand. Diese Überbleibsel des Atlantikwalls hatten wir vor zwei Jahren in Dänemark ja schon gesehen, hier waren sie allerdings schon erheblich näher an die Meereskante gerutscht. Dass solche tonnenschweren Gebilde sich überhaupt von ihrem ursprünglichen Platz wegbewegen können, erscheint ganz unmöglich. Von Algen überwuchert und Graffiti-Künstlern verschönert, sahen sie nicht mehr ganz so bedrückend aus. Es bleibt trotzdem zu hoffen, dass so etwas nie wieder gebraucht wird!!!

CapbretonCapbretonCapbretonCapbretonCapbretonCapbretonCapbretonCapbretonCapbretonCapbretonCapbretonCapbreton

Capbreton Am Ende dieses breiten, langen, feinsandigen Strandes fing eine Promenade an mit geöffneten Lokalen, Geschäften und einer Eisdiele. Es gab also erst den Café au lait und dann für den Rückweg ein Eis auf die Faust! Die Eispreise, in Frankreich ja immer schon “etwas” höher, liegen aktuell bei €2,50 für eine, allerdings sehr große, Kugel. Je mehr Kugeln, desto preiswerter im Verhältnis. Aber mehr als eine Kugel braucht man (wir) wirklich nicht, so große Waffeltüten gibt es auch gar nicht. Und Eis aus dem Pappbecher macht keinen Spaß! Cooles Smiley

Auf dem Rückweg bezog sich der Himmel und es sah so aus, als ob wir nicht trocken nach Hause kommen würden. Aber der aufgekommene Wind vertrieb die Regenwolken. Ein einzelner Kite-Surfer versuchte sein Glück und obwohl man erkennen konnte, dass er seinen Schirm beherrschte, hatte er keine Chance. Mühsam musste er erst diesen über einige Meter von der Wasseroberfläche an Land ziehen und dann zu seinem in den ziemlich hohen Wellen treibenden Board schwimmen, um es zu retten. Nicht nur wir beobachteten sein nicht ungefährliches Treiben und verließen den Strand erst, als er wieder an Land war.

CapbretonCapbretonCapbretonCapbretonCapbreton

Letztes Jahr um fast die gleiche Zeit, mit nur wenigen Tagen Unterschied, waren wir auf der anderen Seite des Atlantiks auf Cape Breton, der östlichen Halbinsel von Nova Scotia. Woher die ihren Namen hat, war uns hier, in Capbreton, dann sonnenklar. Smiley

CAPBRETON; Aire de Camping-car „Place des Océanides“, Stellplatz für 135 Mobile auf Asphalt; 13,50 Euro (wird kassiert) incl. Strom, Wasser, Entsorgung; auch für große Mobile geeignet; kein Schatten; das kostenfreie WLAN war (zumindest von unserem Platz aus) nicht verwendbar; max. Aufenthaltsdauer 48 Stunden; Preisstaffelung je nach Monat, Dez.-März kostenfrei (?); direkter Strandzugang, Ort mit Einkaufsmöglichkeit in fußläufiger Entfernung

written by Ingrid
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Erst hin :-) … jetzt zurück :-(

Nach unserem Besuch der römischen Villa machten wir noch einen Abstecher nach Saldaña. Hier war natürlich auch gerade Fiesta! Und es war Sonntag. Die kleine Stadt war voll mit fein herausgeputzten Spaniern, besonders die kleinen Mädchen hatten ihre schönsten Kleider an. Man wartete darauf, dass es Mittagessenszeit wurde. Wir liefen einmal um die Kirche herum und tranken auf dem großen Platz einen Kaffee. Die Tische rundherum waren schon gut gefüllt, es war inzwischen halb drei, man plauderte bei einem Getränk, aber laut Juan hatte noch niemand gegessen. Laut lachen

SaldañaSaldañaSaldañaSaldañaSaldañaSaldañaSaldaña

Ein paar geruhsame Tage blieben wir noch auf unserem Privatstellplatz stehen. Für das Wochenende war Juans Haus wieder vermietet, er selbst hatte auch etwas vor und so verabschiedeten wir uns nach 14 Tagen schweren Herzens von ihm und seiner wunderschönen Heimat. Danke, Juan, für deine Gastfreundschaft und die Zeit und Mühe, die du für uns aufgewendet hast!!! Wir würden gerne noch einmal wiederkommen. Verliebt

Da wir nicht wieder die serpentinenreiche Strecke über Potes zurück ans Meer fahren wollten, die zudem auch länger gewesen wäre, entschieden wir, ausnahmsweise Autobahn zu fahren, Richtung Santander. Dort wären wir gerne noch geblieben und hätten uns diese sicher sehenswerte Stadt angeschaut, aber es gibt dort keinen Stellplatz. Wir fuhren auf der Autobahn weiter um Bilbao herum, bogen dann auf die Küstenstraße ab und versuchten unser Glück noch einmal auf dem Campingplatz in Zarautz. Dort waren wir auf der Hinfahrt ja abgewiesen worden wegen Überfüllung des Platzes. Diesmal gab es tatsächlich noch ein paar (wenige!) freie Plätze. Eine junge Campingplatzmitarbeiterin kurvte sehr schnittig mit einem Motorroller über den Platz und zeigte die freien Plätze. So auch uns. Der Preis für eine Nacht betrug, mit Strom, knapp unter €30. Dafür wollten wir gerne einen Platz mit Blick aufs Meer. Die waren natürlich alle belegt! Aber genau in dem Moment, als wir auf dem Abschnitt waren, wo nur noch VW-Busse und andere Kleinstwohnmobile standen (damit die Parzellen möglichst klein gehalten werden können und man mehr Plätze mit Meerblick anbieten kann), fuhr ein Bulli weg. Ja, Meerblick hätten wir gehabt, aber der Platz war winzig, schief und matschig. Dafür 30 Euro bezahlen? Wir bedankten uns und fuhren wieder. Zum zweiten Mal mussten wir erfolglos den Berg wieder hinunterfahren.

Zarrautz

Die Alternative war San Sebastián. Dort gibt es einen Wohnmobilstellplatz direkt an der Stadt für 44 Mobile. Der war nicht nur sehr eng (Zufahrt und Parzellen), sondern auch sehr voll. Mit anderen Worten, er war total belegt. (Wer sich ein Bild machen möchte, in den Kommentaren ist ein Link zu einem Beitrag mit Foto.) Aber dort hätte es uns auch nicht gefallen, wir wollten uns ja die Stadt anschauen und nicht nur eine Nacht bleiben. Uschi hatte aber noch einen Trumpf im Ärmel, nämlich den ACSI-Campingplatz „Igueldo“, 7km außerhalb auf dem Berg in ca. 300m Höhe. Der Vorteil war, dass die Zeit der ACSI-Vergünstigung schon am 1. September begonnen hatte und dass außerdem direkt vom Campingplatz aus ein halbstündig verkehrender Bus nach San Sebastián reinfuhr (und natürlich auch wieder zurück). Wir bekamen den letzten verfügbaren Platz!!! Außerhalb des Campingplatzes gibt es zwar eine große Freifläche, auf der sich im Laufe des Tages auch noch ein paar Wohnmobile ausbreiteten, aber der fungiert nur als „Überlaufplatz“. Auch dieser spanische Campingplatz hat die üblichen kleinen Parzellen. Wir schauten uns um, ob es Plätze geben würde, die auch für Oscarlotta in Frage kämen und fanden drei oder vier. Die meisten waren schon gar nicht anfahrbar! Auch die Straße von San Sebastián hoch ist ein Wagnis. Ja, der Bus schafft es auch, aber an einigen Stellen sollte nicht gerade jemand entgegenkommen! Davon dürfte auch „Konrad on tour“ ein Lied singen können, den Uschi ganz zufällig am Campingplatz hat vorbeifahren sehen, als sie kurz an der Rezeption war. Smiley

Camping IgueldoCamping Igueldo

Leider hatten wir kein Glück mit dem Wetter! Kalt war es geworden und für die nächsten Tage war Regen und viel Wind vorhergesagt. Wir wagten es trotzdem! Die Busfahrt war interessant mit Blick auf das bewegte Meer und mauserte sich zu einer halben Stadtrundfahrt. Dauer eine halbe Stunde, Kosten pro Person und Fahrt €1,70! Wir stiegen mitten in der Neustadt aus, die Geschäfte machten gerade wieder auf und wir gingen bummeln. San Sebastián ist, ähnlich wie Barcelona, eine alternde Diva, der man ihre Glanzzeiten noch an den Fassaden der Häuser und Villen ansieht, auch wenn der Putz teilweise schon sehr bröckelt. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs entwickelte sich San Sebastián zu einem kosmopolitischen Zentrum Europas. Im damals weltberühmten Casino der Stadt verkehrten Persönlichkeiten wie Mata Hari, Leo Trotzki und Maurice Ravel. (Quelle: Wikipedia)

San Sebastián ist die Hauptstadt der Provinz Gipuzkoa (span. Guipúzcoa) in der spanischen Autonomen Gemeinschaft Baskenland. Die baskischen Unabhängigkeitsbemühungen sind ja ausreichend sowohl bekannt als auch gefürchtet und die Staatszugehörigkeit wechselte über die Jahrhunderte zwischen Frankreich und Spanien. Unbeeinflusst davon blieb die gemeinsame Sprache, baskisch, die auch heutzutage noch sehr verbreitet ist, in der Provinz Gipuzkoa z. B mit 44%! Alle Bezeichnungen sind konsequent zweisprachig und so verwirrte uns zunächst die Bezeichnung „Donostia“ auf der Karte und den Straßenschildern. Verwirrtes Smiley

Der baskische Stadtname Donostia ist ebenso wie der spanische Name San Sebastián aus dem Namen des heiligen Sebastian entstanden. Done, entstanden aus lateinisch domine (Herr), wird im Baskischen den Namen von Heiligen vorangestellt und entspricht damit dem spanischen San. Done Sebastian entwickelte sich über Donebastia zu Donostia. (Quelle: Wikipedia)

Die baskische Sprache hat null Ähnlichkeit mit der spanischen oder mit irgendeiner anderen Sprache! Und das patriotische Gefühl und seine Handhabung befremden umso mehr, je mehr man über die Definitionen weiß. Siehe „hier“.

Es regnete! Und wir hatten erst einmal genug gesehen. An der Concha-Bucht war eine der Bushaltestellen unserer Linie. Die Promenade wollten wir sowieso noch sehen und einen Blick auf diese wunderbare, riesige, muschelförmige Bucht werfen. Im Hintergrund sahen wir die Altstadt von San Sebastián, am Fuß des Berges Urgull. Dort müssen wir ein anderes Mal hin. Ein Grund mehr, wiederzukommen!

Altstadt San Sebastián

SAN SEBASTIÁN/DONOSTIA; Campingplatz „Igueldo/Igeldo“ mit 236 Parzellen auf Wiese, Rasengittersteinen, Erdboden, teilweise schattig unter niedrigen Bäumen, für größere Mobile nur wenige Plätze verfüg- bzw. anfahrbar; Preisunterschied mit oder ohne Strom pro Nacht €5,40-€5,80 (nach Saison); San Sebastián in 7km Entfernung, zu erreichen per Bus ab dem Campingplatz; Restaurant, Schwimmbad, Kinderspielplatz, kleiner Einkaufsladen; obere Preiskategorie, ACSI-Vergünstigung (€17) vom 1. Sept. bis 30. Juni; ganzjährig geöffnet; Mietunterkünfte

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Ganz alte Steine!!! :-)

Es geschah am 5. Juli 1968. Der spanische Bauer Javier Cortes arbeitete auf einem seiner Äcker. Was genau er machte, entzieht sich unserer Kenntnis. Vielleicht wollte er eine neue Tränke für sein Vieh bauen. Oder einen neuen Brunnen graben. Auf jeden Fall ist er ca. 30-40cm tief ins Erdreich eingedrungen und stieß auf Mauerreste. Archäologische Untersuchungen ergaben, dass es sich um die Überbleibsel einer römischen Siedlung handeln musste. Javier Cortes stellte sein Land zur Verfügung (hoffen wir mal für ihn, dass er das nicht kostenlos tat) und die professionellen Ausgrabungen begannen im großen Stil. 1984 wurde ein erstes funktionelles Gebäude errichtet, das über die Jahre im Zuge der Freilegungen ständig erweitert wurde bis zum heutigen Stand. Ein Museum mit dem Namen „Villa Romana La Olmeda“. Auch hier zahlten wir wieder nur den Rentnerpreis von lächerlichen €3 und bekamen ganz viel dafür geboten!

Teilmodell der Villa Romana La OlmedaModell der Villa Romana La OlmedaVilla Romana La Olmeda (Grundriss)

Villa bedeutet im Spanischen sowohl Villa als auch kleine Stadt und ein Zwischending war dieser Ort wohl. Bestehend aus einem großen Haupt- und einem kleineren Nebenhaus. Allein das Haupthaus hatte eine Größe von ungefähr 3000qm (!), es war quadratisch und hatte in der Mitte einen von Galerien umgebenen Garten. An den Nord- und Südfassaden befand sich je ein Portal, das von Türmen flankiert wurde, achteckig an der Süd- und quadratisch an der Nordfassade. Der Hauptzugang zum Wohnhaus erfolgte durch das Südportal und direkt vor dem Haus sind noch die Fundamente zweier Säulen erhalten. Es handelte sich um ein prächtiges Gebäude, bestehend aus zwei unabhängigen Teilen, die durch einen Gang verbunden sind. Es diente den Besitzern als Wohnung und zusätzlich gab es noch Räume für Bedienstete und Siedler sowie Lagerräume, Ställe, Arbeitsräume. Insgesamt 31 Räume sind erhalten und bei zweien gibt es Reste einer Treppe in ein weiteres Stockwerk.

EingangsportalEingangshalleVorratsraumWirtschafts- und VorratsräumeSpeiseräumeWirtschafts- und VorratsräumeEssräumeBodendetailReste einer Treppe in die 2. EtageReste einer Treppe in die 2. Etage

Westlich des Hauses befanden sich die Bäder mit einer Gesamtgröße von über 900qm, aufgeteilt in 10 Räume. Das waren Umkleideräume, Toiletten, Kaltwasserzonen, Warm- und Heißwasserbereiche. Der größte Raum hatte 170qm!

BäderBäderBäderBäderBäderToilettenKlobürste (echt alt?)

Hier und in anderen Räumen des Hauses kann man sehr gut sehen, wie ausgeklügelt die Beheizung der einzelnen Räume war mit unterirdischen Warmluftkanälen (Hypokaustum). „Hypokaustum“ ist von dem griechischen Wort hypocauston abgeleitet und bedeutet „von unten beheizt“ (hypo = von unten, kaustum = brennen) und meint eine schon 2000 Jahre vor Chr. (!!!) im griechisch-hellenistischen Raum eingeführte und durch die Römer weiterentwickelte Warmluftbeheizung. Hier ist eigentlich der Ausdruck „Warmluftheizung“ nicht richtig, weil in den Räumen keine warme Luft zirkuliert, sondern die Strahlungswärme des Fußbodens und der Wände genutzt wurde. Auf einem Estrich standen in regelmäßigen Abständen aus Ziegeln gemauerte kleine Pfeiler, die den eigentlichen Fußboden trugen. Dieser bestand aus mehreren Schichten Estrich auf Ziegelplatten. Meist wurde dieser Boden mit Mosaiken prächtig ausgestattet. Um Wärme zu gewinnen, gab es, meistens im Freien, Brennöfen, in denen Holz verbrannt wurde. Die Wärme wurde von den Öfen durch kanalartige Röhren unter den Fußboden geleitet. Der störende Rauch zog durch kaminartige Schächte aus Hohlziegeln durch die Wände ins Freie. Der Holzverbrauch muss enorm gewesen sein!

HypokaustumHypokaustumHypokaustumHypokaustum

Die Zeitepoche dieses Anwesens geht in den Anfängen auf das Ende des ersten, Anfang des zweiten Jahrhunderts zurück und Mitte des 4. Jahrhunderts muss es dann den jetzigen Stand gehabt haben. Die römische Kultur war wirklich beeindruckend!

Noch nie haben wir so viele gut erhaltene Mosaike gesehen! In jedem der freigelegten Räume war ein anderes Muster verlegt worden.

MosaikbodenMosaikbodenMosaikbodenMosaikbodenMosaikbodenMosaikbodenMosaikbodenMosaikbodenMosaikbodenMosaikbodenMosaikbodenMosaikbodenMosaikbodenMosaikbodenMosaikboden

Der Hauptsaal der Wohnstätte war 175qm groß und mit einem Mosaikboden versehen, der einem Perserteppich ähnelte. Drei verschiedenen Darstellungen waren hier verarbeitet worden, eine bewegte Jagdszene, ein mythologisches Thema und als Einfassung eine Reihe von ovalen Medaillons, die von den Flügelspitzen entenartiger Vögel hängen, deren Schwänze sich in einen Delphin verwandeln. Auf den Medaillons befindet sich abwechselnd ein männliches und ein weibliches Gesicht, es wird vermutet, dass es sich um die Familiengalerie der Besitzer des Hauses handelt.

"Perserteppich""Perserteppich""Perserteppich"JagdszeneJagdszeneJagdszene Jagdszene

Die einzelnen Mosaiksteinchen haben übrigens eine Größe von ca. 1 Kubikzentimeter!!! Erstauntes Smiley

MosaiksteinchenMosaiksteinchenMosaiksteinchenMosaiksteinchenMosaiksteinchen

Insgesamt sind über 1400qm Mosaikboden erhalten und damit zählt die Mosaiksammlung von La Olmeda zu den grössten, die in öffentlichen Gebäuden zu finden sind. Ihre Bedeutung liegt aber nicht nur in der Menge, sondern in der Qualität ihrer Ausführung sowohl in der geometrischen als auch in der bildhaften Form. Man kann sich so richtig vorstellen, von welchem Begeisterungstaumel in den nächsten die Archäologen bei jedem weiteren Fund geraten sein müssen, vor allem, als ihnen immer klarer wurde, was für eine großartige und in ihrem Wert unschätzbare Entdeckung Javier Cortes da gemacht hatte. Natürlich existiert von ihm auch ein nachgestelltes Foto!

Javier Cortes

Wir waren schwer beeindruckt! Ich liebe ja Mosaike in jeglicher Form. In der näheren Umgebung unseres bevorzugten Campingplatzes in Spanien, in Oropesa del Mar, gibt es eine Vielzahl von Mosaikbänken, Mosaikmauern und anderen Mosaikbauwerken. Während unserer Winteraufenthalte dort hatte ich es mir zur Aufgabe gemacht, sie alle zu fotografieren. Es sind „nur“ 469 Smiley mit geöffnetem Mund Fotos geworden. Eine kleine Auswahl habe ich damals zu einem Fotoalbum zusammengestellt. Es ist auf unserem Oscarlotta-Blog zu finden, in der Menüleiste unter „Fotoalben“.

Am Ende dieses wirklich äußerst interessanten lebenden Museums gab es dann noch eine „Spielecke“, die aber sicher nicht nur Kindern Spaß macht!

PlaymobilrömerPlaymobilrömerPlaymobilrömerPlaymobilrömerPlaymobilrömerPlaymobilrömerPlaymobilrömerPlaymobilrömerPlaymobilrömerPlaymobilrömerPlaymobilrömerPlaymobilrömerPlaymobilrömer

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Alte Steine

Einer unserer Leser, der selbst auch ein Blog betreibt, schrieb kürzlich, dass er keine alten Steine in Kirchenform mehr sehen mag. Es habe schon mehr als genug davon gegeben in seinem Leben. Wir mögen alte Steine immer noch, ob in Kirchen- oder in sonstiger Form. Bei den Kirchen geht es uns am wenigsten um das Religiöse, eher schon um das Spirituelle, aber in erster Linie um die Architektur und die Ausschmückung. Die Kirchen in den Montañas Palentino sind alle nach demselben Schema gebaut. Die großen, die Iglesias, sehen meistens so aus, wie man sich eine „richtige“ Kirche vorstellt. So, wie diese in Barrio de Santa María, dem Nachbardorf von Barrio de San Pedro.

Barrio de Santa MaríaBarrio de Santa MaríaBarrio de Santa MaríaBarrio de Santa MaríaBarrio de Santa MaríaBarrio de Santa María

Die kleinen, die Ermitas, haben keinen GlockenTURM, sondern nur eine GlockenWAND. Aber gerade das macht ihren ganz besonderen Charme aus! Wir haben uns jedenfalls regelrecht in sie verliebt und uns über jede gefreut, die Juan mit uns besucht hat oder die wir im Vorbeifahren gesehen haben.

Ermita de Santa EulaliaErmita de Santa EulaliaErmita de ?Ermita de ?

Auch in seinem Dorf steht so eine in groß, die Iglesia de San Andrés.

Barrio de San PedroBarrio de San PedroBarrio de San PedroBarrio de San Pedro

Außer ihren Glockentürmenwänden haben sie dem aufmerksamen und geneigten Betrachter noch vielerlei sehenswerte Details zu bieten.

aufmerksam undgeneigt :-)Ermita de Santa EulaliaErmita de Santa EulaliaErmita de Santa CeciliaErmita de Santa CeciliaErmita de Santa EulaliaErmita de Santa EulaliaErmita de Santa CeciliaErmita de Santa CeciliaErmita de ?Ermita de ?Ermita de ?Ermita de ?Ermita de ?

Es gibt auch Kirchen, die in Felswände hineingebaut worden sind. Was für eine unsägliche Arbeit muss das gewesen sein! Leider war die Iglesia de Santos Justo y Pastor geschlossen, sodass wir nur Fotos von außen haben. Wir waren aber vor Jahren schon einmal in solch einer Felsenkirche, auf einer Bustour vom Campingplatz „Torre la Sal“ aus und wir denken, dass sich die Innenräume nicht sehr unterscheiden werden. Damals waren wir beeindruckt von der Unzahl an Dankeszetteln, die noch an dem letzten Fleckchen Felswand befestigt waren, weil die Gebete zu Maria erhört worden waren.

Iglesia de Santos Justo y PastorIglesia de Santos Justo y PastorIglesia de Santos Justo y PastorIglesia de Santos Justo y PastorIglesia de Santos Justo y Pastor

Neben der Kirche war eine Höhle im Fels, davor aus dem Stein gehauene Vertiefungen. Juan erklärte uns, dass das Grabstellen gewesen seien. Ja – wie? Wurden die Toten da einfach nur reingelegt??? Den Wölfen zum Fraß? Auf einer unserer Ausflugstouren hatten wir solch eine Höhle im Fels ohne Kirche gesehen. Wir dachten, dass dort früher Menschen gelebt haben. Oder war auch das eine Bestattungsstelle?

Iglesia de Santos Justo y PastorIglesia de Santos Justo y PastorHöhleHöhleHöhle

Aber natürlich haben wir uns nicht nur alte Kirchen angeschaut. Sondern auch alte Steine in Brückenform (z. B. über den Fluss Pisuerga), alte Steine im Gebirge und alte Steine in Häuserform mit alten Türen aus Holz. Laut lachen

alte Brücke über den Fluss PisuergaBrücke1 ganze und 3 halbe GänseJuan in alten Steinenalte Steine im Valle de Covalaguaalte Steine im Valle de Covalaguaalze Steine im Valle de CovalaguaVillaescusa de las TorresVillaescusa de las TorresVillaescusa de las TorresVillaescusa de las Torresalte Steine in Mauerformalte Steine in MauerformVillaescusa de las Torresalte Steine und neuer Sandalte Dachziegelalte Steine, die mal ein Haus warenVillaescusa de las TorresVillaescusa de las TorresVillaescusa de las TorresVillaescusa de las TorresVillaescusa de las Torres

Wir waren an einem Mirador und haben weit hinunter ins Tal geschaut,

Mirador de ValcabadoMirador de ValcabadoMirador de ValcabadoMirador de Valcabado

Mirador de ValcabadoMirador de Valcabado

wir waren an der Tropfsteinhöhle “Cueva de los Franceses” und sind weit hinunter unter die Erdoberfläche gestiegen. Diese riesigen Unterhöhlungen sind immer wieder faszinierend! Die Führung war natürlich auf spanisch. Der junge Mann sprach dermaßen RASEND schnell, dass wir absolut keine Chance hatten, auch nur ansatzweise irgendetwas zu verstehen! Da half auch nicht, dass er nach jedem zweieinhalbten Satz „Vale?“ fragte, was soviel wie „Verstanden?“ heißt. Er hätte genauso gut chinesisch reden können! Enttäuschtes Smiley

Cueva de los FrancesesCueva de los FrancesesCueva de los FrancesesCueva de los FrancesesCueva de los FrancesesCueva de los Franceses

Wir waren im Naturschutzgebiet “Espacio Natural de Las Tuerces”, ein 250 Millionen altes Gebirgsmassiv, als Wandergebiet gut erschlossen. Nein, wir sind an dem Tag dort nicht mehr hochgestiegen, aber es würde sich sicher lohnen. Der Link oben zeigt ein wenig davon und auch ein Video ist enthalten.

Espacio Natural de Las TuercesEspacio Natural de Las TuercesEspacio Natural de Las TuercesEspacio Natural de Las TuercesEspacio Natural de Las TuercesEspacio Natural de Las Tuerces

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Spanisches Leben :-)

Also, was haben wir denn so gemacht in den zwei Wochen bei/mit Juan? Er fuhr an den Wochentagen vormittags für drei Stunden zu seinem derzeitigen „Nebenjob“. Er bringt die handschriftlichen Ausführungen einer Frau, die das inzwischen 14. Buch über Religion im weiteren Sinne schreibt (keins ist bisher verlegt worden), in den Computer. Um 14 Uhr war er meistens wieder zurück, also gerade richtig für mich, Zwinkerndes Smiley musste dann aber erst einmal zu Mittag essen und noch ein wenig Siesta halten. Das war für uns aber okay so, es ist ja schließlich Sommer und abends noch ausreichend lange hell. Wir wollten gar nicht jeden Tag das volle Programm, ein netter kleiner Spaziergang gegen Spätnachmittag oder am frühen Abend war auch völlig in Ordnung. Und außerdem hatte Juan ja auch noch seinen Haushalt zu erledigen. Laut lachen

Juan in action

Am ersten Donnerstag fuhren wir dann aber bereits um 10 Uhr nach Palencia. Eine Stunde Fahrzeit durch wechselnde Landschaft. Kaum hatten wir das Gebirge hinter uns gelassen, wurde es sowohl waldreicher als auch sanfter mit großen Getreideanbauflächen. Aber auch ein wenig langweiliger. Juan hatte einen Arzttermin und setzte uns in der Innenstadt ab.

Palencia ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, einer von 9 Provinzen der autonomen Gemeinschaft „Kastilien und León“. Eine noch überschaubare mittelgroße Stadt mit ca. 80000 Einwohnern. Es war gerade Fiesta! In jeder spanischen Stadt ist irgendwann im Sommer Fiesta, manchmal nur ein paar Tage, manchmal auch gleich ein paar Wochen oder sogar Monate. Juan brachte uns zu der alten Markthalle, die es in fast jeder etwas größeren spanischen Stadt gibt und wir verabredeten, uns dort in einer guten Stunde wieder zu treffen.

Markthalle in PalenciaPalencia

Die Stunde reichte uns knapp aus, mal eben die Calle Mayor (Haupteinkaufsstraße) rauf und runter zu laufen, nur nach links, nach rechts schafften wir nicht mehr! Vor dem Rathaus war eine Bühne aufgebaut und es lief gerade ein Kinderbelustigungsprogramm. Deutsche Kinder können sicher bei solchen Veranstaltungen auch laut sein, aber in Spanien ist allein die Musikbeschallung dermaßen dominant, dass deutsche Ohren schnell „etwas“ überfordert sind. Verwirrtes Smiley

P für PalenciaPalenciaPalencia

Neben der Markthalle war ein großer Platz, auf dem eine Reihe von Verkaufsständen aufgebaut waren. Dort gab es Tapas und die wollten wir probieren. Da wir uns schon gedacht hatten, dass wir nicht so ganz früh etwas zu essen bekommen würden, hatten wir uns dieses Mal Käsebrote mitgenommen und die auch gleich nach Ankunft verspeist. Zum Glück! Juan kam pünktlich zurück, aber wir gingen nicht etwa gleich zu den Tapas, nein, es war ja erst kurz vor eins. Da isst ein Spanier noch nicht zu Mittag! Juan zeigte uns dieses und jenes, wir liefen durch die halbe Stadt zur Kathedrale und irgendwo sollte es auch einen Mittelaltermarkt geben. Der war aber so weit außerhalb, dass ich streikte. Dabei liebe ich Mittelaltermärkte! Die Kathedrale war groß und beeindruckend, aber geschlossen.

Palencia PalenciaPalenciaPalenciaPalenciaPalenciaPalenciaPalenciaPalenciaPalenciaPalencia

Es war nämlich inzwischen nach halb 2=Siesta in Spanien. Wieder zurück auf der Calle Mayor kamen wir an der ersten Tapas-Bar vorbei, die laut Juan gut war. Ein schmales, langes Ladenlokal mit Tresen. Ein wenig nach hinten versetzt hinter einer Glasscheibe stand die reichhaltige und für uns völlig unübersichtliche Auswahl der einzelnen Angebote. Gab es irgendetwas ohne Fleisch??? Ein paar Plakate gaben Auskunft, halfen uns aber auch nicht wirklich weiter. Juan erklärte uns die verschiedenen Varianten und als wir uns endlich für drei verschiedene Sachen entschieden hatten, hieß es, dass das zu viel sei, wir würden ja gleich noch woanders hingehen. Es sollte also quasi nur ein Appetitmacher sein. Muss man ja nur wissen! Enttäuschtes Smiley Wir bestellten frittierte, gekochte Eier, gefüllt mit Béchamelsoße. Eins für jeden! Hört sich seltsam an? War es auch. Noch viel seltsamer fanden wir aber, dass der Boden unter dem Tresen, an dem man auch gleich aß, mit Abfall übersät war. Das kannten wir zwar schon aus einfacheren spanischen Imbissstuben, wo rund um die einzelnen Tische ebenfalls der Müll auf dem Boden lag, aber dass es auch hier so selbstverständlich gehandhabt wurde, befremdete uns doch etwas. Andere Länder, andere Sitten!

Unser Hunger war nur unmerklich geringer geworden. Aber jetzt ging es ja endlich zum Platz mit den Tapas-Ständen. Wir klapperten sie alle ab, aber für uns gab es fast nichts. Uschi war der Appetit inzwischen schon vergangen und gegen ihren Hunger aß sie das süße Teilchen, das wir vorher in einer Bäckerei erstanden hatten. Ich entschied mich für eine Scheibe Weißbrot, belegt mit Paprika-/Zwiebelgemüse und garniert mit vier Sardellen. Die Entscheidung fiel mir leicht, weil es sonst nichts für mich gab und ich jetzt richtig Hunger hatte. Juan hatte natürlich keine Auswahlprobleme! Nein, stimmt nicht, für ihn gab es so viel verschiedenes, dass auch er eine Auswahl treffen musste, weil er gar nicht alles essen konnte. Zum Nachtisch gab es dann immerhin noch ein kleines Plastikschälchen mit einer leckeren Crème. Nein, wir haben es nach dem Verzehr nicht einfach fallengelassen! Der Platz war voll, viele zufriedene Spanier aßen um vier Uhr nachmittags zu Mittag!!! Dass es auch hier nicht gerade leise war, brauche ich sicher nicht extra zu erwähnen?

Wir waren etwas erschlagen und froh, die Stadt wieder verlassen zu können. Die Geschäfte hatten sowieso alle noch bis 17 Uhr zu. Juan zeigte uns, wo er geboren wurde und aufgewachsen ist. Und wir besuchten den Obstgarten, in dem sein Vater vor Jahrzehnten viele verschiedene Bäume gepflanzt hatte. Alle trugen üppige Mengen reifen Obstes. Wir aßen zum ersten Mal in unserem Leben frische Feigen direkt vom Baum, lecker!

Venta de BañosVenta de BañosVenta de BañosVenta de BañosVenta de Baños

Auf der Fahrt zurück gab es noch einen Abstecher zu der Burg, die wir auf der Hinfahrt schon von weitem gesehen hatten. Im spanischen Wortschatz gibt es keinen Unterschied zwischen Schloss und Burg, es heißt einfach nur castillo. Dieses ist das Castillo de Fuentes de Valdepero und gehörte im 13. Jahrhundert einer Familie Sarmiento, weswegen es auch als Castillo de los Sarmiento bekannt ist. Die Jahrhunderte und ihre wechselhafte Geschichte gingen nicht spurlos an ihm vorüber, sodass irgendwann nur noch ein paar Grundmauern übrig waren. Wer den Ehrgeiz hatte und Castillo de Fuentes de Valdeperodie benötigten Gelder aufgetrieben hat, entzieht sich meiner Kenntnis, aber das gesamte Gebäude wurde wiederaufgebaut, originalgetreu und unter Einbeziehung der alten Mauerreste. An einigen Stellen kann man das noch gut sehen. Für nur €1,50 (Rentnerrabattpreis!) konnte man fast überall herumlaufen, vor allem oben einmal ganz um den ehemaligen Burghof herum. Ein tolles Bauwerk und trotzdem muss ich sagen, dass es einen Unterschied ausmacht, ob ein Schloss oder eine Burg originalerhalten (egal in welchem Zustand) oder restauriert ist. Neue Mauern haben nicht dieselbe Ausstrahlung wie alte und können keine Geschichte erzählen.

Castillo de Fuentes de ValdeperoCastillo de Fuentes de ValdeperoCastillo de Fuentes de ValdeperoCastillo de Fuentes de ValdeperoCastillo de Fuentes de ValdeperoCastillo de Fuentes de ValdeperoCastillo de Fuentes de ValdeperoCastillo de Fuentes de ValdeperoCastillo de Fuentes de ValdeperoCastillo de Fuentes de ValdeperoCastillo de Fuentes de ValdeperoCastillo de Fuentes de ValdeperoCastillo de Fuentes de Valdepero

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Casa „El Gorrión Palentino“

Als Juans Urlaubsgäste abgereist waren, reisten wir an. Es waren nur wenige Kilometer vom Campingplatz aus und wir waren noch immer am Stausee, der immer noch nicht da war. Nur ganz in der Ferne war ein winziges blaues Fleckchen zu erkennen. Barrio de San Pedro ist ein Dorf von um die 25 Häuser, einige ganzjährig bewohnt, einige dienen lediglich als Feriendomizile ihrer Besitzer für die Wochenenden und die Sommermonate. Im Winter wird es dann noch etwas leerer und ruhiger als jetzt schon. Aber gerade diese Ruhe war es, die uns die nächsten Tage begeisterte! Selten habe ich ein so wunderschönes Fleckchen Erde erlebt mit solchem Weitblick und solch friedlicher, entspannter Stimmung. Wir hatten natürlich auch einen optimalen Stellplatz! In Juans „Vorgarten“ direkt vor dem alten, leerstehenden Schul- und Lehrerhaus. Wirklich passend für uns. Zwinkerndes Smiley Wir bekamen eine Stromleitung gelegt, hatten Zugang zu einem Frischwasserhahn in Juans Garten und außerhalb des Grundstückes eine einfach zugängliche Entsorgungsmöglichkeit. Dusche, Waschmaschine und WLAN waren ebenfalls kostenfrei verfügbar! Smiley

vor der SchuleLehrerhausFrühstück mit AussichtFrühstück mit Aussichtunser Vorgartenunser Vorgartenunser Vorgartenunser Vorgarten

Direkt hinter dem Haus führt ein Weg an den letzten Häusern entlang aus dem Dorf heraus in die Berge. Wenn man sich von den reifen Brombeeren losreißen kann, hat man die Wahl, nach rechts unter einem gewaltigen Felsen hindurch bis zu einer Aussichtsplattform zu laufen oder nach links immer weiter den Berg hinauf bis zu einer riesigen Hochebene.

Weg in die BergeBarrio de San PedroKirchturm von Barrio de San PedroBarrio de San Pedro von obenBarrio de San Pedro von noch weiter obenBarrio de San Pedro von ganz obenunser Ziel von weitemunser Ziel von weitem (gezoomt)unser Ziel von nahemnoch einmal, weil er so hübsch ist :-)BienenhausBienenhausBienenhaus und Bergnur BergAusblick von obenund noch einmalAusblick mit SeeAusblick im DetailBerg im DetailBerg im Abendlicht Berge im AbendlichtBerge im Abendlicht

(Mit den folgenden Fotos, die aus einem der letzten Jahre stammen, kann man sich einen Eindruck verschaffen, wie die Landschaft MIT Stausee aussieht.)

Embalse de Aguilar (voll)Embalse de Aguilar (voll)Embalse de Aguilar (voll)Embalse de Aguilar (voll)Embalse de Aguilar (voll)

Oder man überquert die Landstraße und begibt sich Richtung nicht vorhandenem Stausee. Auf dem Seeboden kann man einige Kilometer bis zu einer ganz besonderen Besonderheit laufen, die nur sichtbar wird, wenn der Stausee es eben nicht ist. Eine erstaunlich gut erhaltene mittelalterliche Steinbrücke, die den Fluss Pisuerga überquert, der den Embalse de Aguilar durchfließt. Bauzeit bzw. Fertigstellung zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert. Juan sagte, dass er sie seit 10 Jahren nicht mehr gesehen habe! Mit dem Auto kommt man dort nicht hin und für mich war der Weg zu weit. Ich musste mich also, genau wie ihr, mit den Fotos, die Uschi gemacht hat, begnügen.

auf dem Weg zur alten Steinbrückeauf dem Seeboden zur alten Steinbrückeauf dem Seeboden zur alten Steinbrückeauf dem Weg zur alten Steinbrückeauf dem Weg zur alten Steinbrückeauf dem Seeboden zur alten Steinbrückeauf dem Seeboden zur alten Steinbrückeauf dem Weg zur alten SteinbrückeJuan sieht sie schonalte Steinbrückealte Steinbrückealte Steinbrückealte Steinbrückealte Steinbrücke

Barrio de San Pedro liegt in dem Gebirgszug „Montaña Palentina“ auf 900m Höhe. Das merkten wir an den angenehmen Temperaturen. Während es in Palencia, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, 30°C und mehr hatte, war es „bei uns“ manchmal im Schatten sogar zu kühl, sodass wir unsere Sitzplätze halbstündig wechselten. Aber immer darauf achtend, den Ausblick ins Tal nicht zu verlieren! Wenn der See dagewesen wäre, hätte man ihn von unserem Stellplatz aus sehen können! Unsere Gesellschaft bestand aus Juan und einem Mini-“Gecko“, einer lagartija (Mauereidechse). Sie genoss die wärmenden Sonnenstrahlen so wie wir!

Ausblick ohne SeeAusblick mit SeeGesellschaft von Juanund der Eidechse

In den folgenden Tagen zeigte uns Juan ganz viel Sehenswertes in der näheren und weiteren Umgebung. Ich kam mit dem Sichten, Sortieren, Bearbeiten der vielen Fotos bald nicht mehr nach! Ein paar Besonderheiten werde ich im nachfolgenden Blogeintrag noch vorstellen. Soviel kann ich aber jetzt schon sagen, diese Region Spaniens ist ein Juwel! Monate-, wenn nicht jahrelang, könnte man hier immer wieder Neues entdecken.

Mirador de ValcabadoEspacio Natural de Las TuercesValle de CovalaguaMontaña Palentina

Wer interessiert ist und kein Wohnmobil hat, kann Juans Haus mieten (unser Privatstellplatz ist nur für Freunde zugänglich!). Es bietet Platz für insgesamt 7 Personen in vier Schlafzimmern mit zwei separaten Bädern in der 1. Etage. Im Erdgeschoss gibt es ein weiteres Bad und einen großen offenen Wohn-, Küchen-, Essbereich, natürlich mit allem Komfort, der benötigt oder erwünscht wird/ist. Es gibt, neben einem offenen Kamin, auch Heizkörper im ganzen Haus, was für spanische Häuser nicht unbedingt selbstverständlich ist. Das Haus liegt innerhalb einer den kleinen Garten begrenzenden umlaufenden Mauer. Ein mobiler Bäcker kommt zweimal die Woche ins Dorf, ansonsten muss man zum Einkaufen die knapp 12km nach Aguilar de Campóo fahren. Dort gibt es ebenfalls einiges zu sehen, aber vor allem einen Imbiss mit der leckersten Pizza seit ewigen Zeiten!!! Smiley mit geöffnetem Mund

Aguilar de CampóoAguilar de CampóoAguilar de CampóoAguilar de CampóoAguilar de CampóoAguilar de CampóoAguilar de Campóo

Da die vielen Einzelfotos von Juans „Casa El Gorrión Palentino“ den Rahmen dieses Blogeintrags sprengen würden, habe ich ein Extra-Fotoalbum erstellt (mit hauptsächlich Juans Fotos), das ihr über den folgenden Link aufrufen könnt (jedes Foto kann noch vergrößert werden).

Casa „El Gorrión Palentino“ (Link bitte anklicken)

Buchungsanfragen und weitere Informationen gibt es „hier“.

written by Ingrid
photos taken with iPhone and Mobistel Cyrus F9 and by Juan

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.