Der “Goldene Arm”-See (Bras d’Or Lake)

Wir fuhren auf den Lakefront Campground in Baddeck. Der Platz liegt oberhalb des Sees und ist terrassenförmig angelegt. Das bedeutete für uns allerdings, dass wir nicht ganz unten in Seenähe stehen konnten, weil das bei Regen wieder gefährlich für unseren Transformator geworden wäre. Für die nächste Nordamerikareise muss da eine andere Lösung her! Uns schwebt ein zu öffnender und belüftbarer, wasserdichter Kasten vor, der an der Heckleiter eingehängt werden kann. Von dem ersten ebenen Platz sahen wir an den Nachbarn vorbei auf einen kleinen Teil dieses riesigen (doppelt so groß wie der Bodensee!) Binnengewässers, das den Mittelteil von Cape Breton Island bildet. Bei der Namensgebung muss es sich um Weißgold handeln, denn meistens glitzert der See silbern.

Lakefront CampingBras d'OrBras d'OrBras d'Or Bras d'OrBras d'OrBras d'OrBras d'Or

Wir beschlossen, auf dem Lakefront Campground stehenzubleiben und von hier aus bei schönem Wetter Tagestouren um den See zu fahren. Dass wir die Umrundung nicht am Stück machen konnten, war bei diesen Ausmessungen klar. Der Bras d’Or hat an zwei Stellen schmale Zugänge zum Atlantik und damit leichte Gezeitenwechsel, im Süden bei St. Peter’s wurde sogar ein Kanal gebaut, da es bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts kommerziellen Schiffsverkehr gab und auch die Versorgung der Bevölkerung nur per Schiff möglich war. Der See teilt sich in einen großen, zusammenhängenden Südteil und einen in drei Arme aufgeteilten Nordteil, verbunden durch einen nur 1km breiten Durchfluss, der heute von einer Straßenbrücke und einer stillgelegten Eisenbahnbrücke überspannt wird. Entstanden ist er in der letzten Eiszeit vor etwa 10000 Jahren und er war bis vor 4500 Jahren ein vom Meer abgetrennter Süßwassersee. Der schnellste Zugang für uns war über eine kleine Fähre nach Little Narrows.

Cape Breton Island (Karte)Bras d'Or (Karte)FähranlegerFähreEisenbahnbrücke

Der Bras d’Or hatte große kulturelle Bedeutung für das Volk der Mi’kmaq und viele leben immer noch hier in Reservaten. Man erkennt beim Durchfahren sofort, wo Akadier (nicht nur an den Sternen), wo schottisch/irischstämmige Kanadier und wo First Nations leben. Bei den Akadiern ist es eindeutig am aufgeräumtesten und am stilvollsten, die “Bretonen” haben Golfrasen und bei den Mi’kmaq liegt das gesamte Besitztum, heil oder kaputt, rund um das Haus verteilt. Sie nannten den See Pitu’pok (ungefähre Übersetzung „Salzwasser“).

Bras d'Or Lake

Die Umgebung des Sees besteht aus Wäldern, Hügeln und niedrigen Bergen. Wenn man den Anspruch hat, den gesamten See zu umrunden, fährt man streckenweise nur noch auf gravel roads mit dicht gestreuten Schlaglöchern. Wenn man den Wunsch nach einem halbwegs sauberen Fahrzeug hat, sollte man hier nicht fahren, wenn es am Tag zuvor geregnet hat! Wer einen Eindruck von den Straßenverhältnissen bekommen möchte, kann sich das Video anschauen!

mud car


 
Die Wälder haben den Nachteil, dass man oft zwar direkt am See fährt, ihn aber nicht sieht. Dafür sahen wir aber den ersten sich verfärbenden Baum und unseren ersten Weißkopfseeadler und einen Bieber, der direkt vor uns die Straße überquerte!!! Ein Foto gibt es leider nur von Ersterem. 

Vorbote des Indian Summers

Dreimal fuhren wir an einem hübschen Holzhaus vorbei, das zum Verkauf stand. Ideale Größe, ideale Lage mit Blick auf den See, Nachbarn vorhanden, aber weit genug weg. Wollten wir ein Haus und das auch noch in Kanada, das wäre es gewesen! Dagegen sprach allerdings in erster Linie, dass es sich um das ehemalige Schulhaus handelte und wenn sich herumgesprochen hätte, dass zwei pensionierte Lehrerinnen aus Germany dort eingezogen sind, hätten uns die Nachbarn sicher aus Bequemlichkeitsgründen jeden Tag ihre schulpflichtigen Kinder vorbeigeschickt! Zwinkerndes Smiley

Schulhaus

Wir unternahmen drei Tagestouren mit 328km, 156km und 301km!!!

Jetzt gibt es keinen weiteren Text mehr, die nachfolgenden Fotos erzählen mehr als ich es vermag.

Bras d'Or Lakeeiner der Durchgänge zum AtlantikFrühstücksplatzBras d'Or LakeBras d'Or LakeBrücke über den nördlichen Zugang zum AtlantikBras d'Or LakeBras d'Or Lake Bras d'Or LakeBras d'Or LakeBras d'Or LakeBras d'Or LakeBras d'Or LakeBras d'Or LakeBras d'Or Lake

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

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Red Sands Shore

Nun fehlte uns noch die südliche Küste des Central Coastal Drives. Warum sie Red Sands Shore heißt, wird bald klar.

Red Sands ShoreRed Sands Shore

Natürlich suchten und fanden wir auch wieder einen Leuchtturm! Smiley Einen hübschen sogar und er stand an einen traumhaften Platz oberhalb der Steilküste. Er schien nicht mehr in Betrieb zu sein und zusammen mit der Lage und dem angrenzenden Wohnhäuschen hätte man durchaus auf die Idee kommen können, ihn zu erwerben, zu restaurieren und ein deutsches Sommercafé dort zu betreiben. Mit richtigem Kuchen!!! Und Tassen und Tellern aus Porzellan! Kuss senden

Blockhouse Point LighthouseRed Sands ShoreRed Sands ShoreRed Sands ShoreRed Sands ShoreRed Sands ShoreRed Sands Shore

Weiter geht es die Küste entlang Richtung Westen. Wunderschöne leuchtend gelb blühende Rapsfelder begleiten uns!

Red Sands ShoreRed Sands ShoreRed Sands Shore

Der Zufall führt uns durch Victoria oder, um ehrlich zu sein, auf der Karte waren zwei Leuchtturmsymbole vermerkt. Zwinkerndes Smiley Aber nicht nur das Victoria Lighthouse ist hübsch, sondern der ganze Ort mit ca. 100 Einwohnern überrascht uns mit einigen kunstgewerblichen Geschäften, einem netten kleinen Hafen und sonntäglichem Flair.

VictoriaVictoriaVictoriaVictoriaVictoriaVictoria Lighthouse

Uns gefällt die Insel immer besser, je mehr wir von ihr kennenlernen. Es ist diese Vielfalt, die uns begeistert. Rote Steilküsten, rote Äcker, rote Sandwege, manchmal ist sogar der Asphalt rot. Bei Regen ist das sicher nicht mehr so lustig und man sieht vorwiegend hochbeinige Pickup Trucks auf den Straßen. Bauernland mit Wiesen, Hecken, Zäunen und Wald. Dann wieder fast weiße Sandstrände, mal breiter, mal schmaler und Dünen wie in Dänemark oder Holland. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Überwiegend sieht man sehr gepflegte Anwesen mit hübschen Holzhäusern, von Ferienhausgröße bis zu richtigen Villen. Die akadische Flagge weht auch hier noch des öfteren, die Umgangssprache ist aber wieder englisch. In Victoria trafen wir in einem Laden eine deutsche Frau aus Pforzheim, die schon vor mehr als 30 Jahren mit ihrem Mann nach Kanada ausgewandert ist, 25 Jahre auf Prince Edward Island ein deutsches Restaurant betrieb und dann zu ihrer Tochter nach Québec gezogen ist. Jetzt werden sie auf die Insel zurückkehren und suchen ein geeignetes Haus oder Grundstück. Nein, nicht in Victoria, dort würden im Winter nur noch 30 Leute leben. Sie möchte in die Nähe einer größeren Stadt, wo es samstags den obligatorischen Farmers Market mit frischen Lebensmitteln und den neuesten Nachrichten aus der Region gibt. Ob sie es jemals bereut hätte, nach Kanada gegangen zu sein, fragten wir sie. Nein, niemals, es sei einfach ein anderes Lebensgefühl hier, sagte sie und dass Kanada einen so sein und machen lässt, wie man will.

Red Sands ShoreRed Sands ShoreRed Sands Shore

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Auf der Kartoffelinsel

Karte Seit letztem Donnerstag sind wir auf Prince-Edward-Island, im allgemeinen Sprachgebrauch nur P.E.I genannt – oder – weil es die Acadians ja hier auch noch gibt: I.P.E. (Île-du-Prince-Édouard). Hier herrscht Landwirtschaft vor, an erster Stelle der Anbau von Kartoffeln. 250 Kartoffelanbaubetriebe, alle familiär, erzeugen 25% der Kartoffelertrages ganz Kanadas! Das begünstigte Klima ist begründet durch die abgeschirmte Lage der Insel am südlichen Rand des St.-Lorenz-Golfes. Hier leben nur 145000 Menschen auf einer Fläche von 5660 km², die Gesamtlänge der Insel beträgt 224km. P.E.I. ist eine Provinz, die kleinste Kanadas, aber eine bedeutende. Hier wurde Geschichte geschrieben und hart verhandelt. Im September 1864 fand die Charlottetown-Konferenz statt, an der erstmals über den möglichen Zusammenschluss verschiedener britischer Kolonien zur Kanadischen Konföderation beraten wurde. Prince Edward Island war mit dem Verhandlungsergebnis nicht zufrieden und trat 1867 dem neuen Staat vorerst nicht bei. 1871 begannen auf der Insel die Bauarbeiten für ein Eisenbahnnetz, außerdem fanden Verhandlungen über einen möglichen Beitritt zu den Vereinigten Staaten statt. Der kanadische Premierminister John Macdonald wollte die amerikanische Expansion verhindern und führte daher ebenfalls Verhandlungen. Die kanadische Bundesregierung verpflichtete sich, die Kosten für den Bau der Prince Edward Island Railway zu übernehmen, woraufhin die Kolonie sich am 1. Juli 1873 der Konföderation anschloss. (Quelle: Wikipedia)

Auf die Insel gelangt man auf drei verschiedene Arten, by air, by ship und über die Confederation Bridge. Diese hält mit 12,9km den weltweiten Rekord als eine Brücke, die über ein zufrierendes Gewässer führt. Außerdem ist sie die längste Brücke Kanadas. Der lohnenswerte Link für Brückenliebhaber und Technikinteressierte: https://de.wikipedia.org/wiki/Confederation_Bridge

Brücke vom Festland ausBrücke vom Festland ausBrücke vom Festland aus   Brücke von der Insel aus

Faszinierend hier auf der Insel sind die ockerfarbenen, terrakottafarbenen, sattroten Böden, je nach Lage und Lichteinfall. Ein findiger Mensch entwickelte daraus eine Geschäftsidee, das P.E.I. Dirt Shirt oder Mud Shirt (mud=Schlamm, Matsch). Wahrscheinlich sahen mindestens die Kinder so aus, wenn sie im Watt gespielt hatten (siehe Video).

rote Erde alter Treckeralter Trecker

P.E.I. ist ein begehrtes Urlaubsziel mit 1 Million Touristen pro Jahr. Inseln sind ja immer beliebt und hier im schon recht rauen Teil Kanadas kurz vor Neufundland ist das erst recht kein Wunder. Im Süden der Insel zur Northumberland Strait überwiegen Steilküsten aus rotem Sandstein, im Norden zum offenen Atlantik hin weite Sandstrände. Wir blieben die ersten zwei Nächte auf einem eher unspektakulären Campground in der Mitte der Insel an einer großen Bucht. Das Wetter lud nicht dazu ein, etwas zu erkunden und wir verbrachten zwei Höhlentage mit heftigem Sturm. Immerhin standen wir mit Meerblick! Und gut geschützt neben einem riesigen Fifthwheeler, dessen ununterbrochen laufende Klimaanlage durch die lauten Windgeräusche für uns etwas erträglicher wurde. In Nordamerika ist ja alle Technik LAUT, ob Air Condition oder Heizung, die Automatik für die Hubstützen oder Slide Outs und die Motoren! Und dann gibt es noch eine ganz blöde Einrichtung: Wenn man seinen PKW per Fernbedienung abschließt, hupt er! Besonders angenehm, wenn die Nachbarn erst spät in der Nacht nach Hause kommen!

Lower New AnnanLower New Annan  Lower New Annan

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Pays de la Saguine

Bouctouche Auf unserer Weiterfahrt machten wir Station in Bouctouche. Dort gibt es ein kleines nachgebautes Akadier-Dorf. 1971 schrieb die akadische Schriftstellerin Antonine Maillet ein Theaterstück, für das sie später ausgezeichnet wurde, über Sagouine Sagouine, eine Putzfrau vom Lande (an Acadian cleaning lady from rural New Brunswick), die aus ihrem ereignisreichen Leben plaudert. Maillet wollte die akadische Kultur bekannter machen und verhindern, dass die alten Traditionen in Vergessenheit geraten. Das Stück besteht überwiegend aus Monologen in Acadian French und wurde später ins Englische übersetzt.

Auf einer kleinen (Floh-) Insel (Flea Island / Île-aux-Puces) wurde ein nettes Ensemble von bunten Häusern im alten Holzschindel-Stil errichtet und ein schöner, gewundener Holzsteg führt dorthin.

Pays de la SaguinePays de la SaguinePays de la Saguine

Der Zöllner, der auf dem Foto so entspannt in einem Buch liest, empfing und begrüßte uns und fragte, ob wir zollpflichtige Waren dabei hätten. Wir konnten reinen Gewissens verneinen! Gekreuzte Finger

Pays de la SaguinePays de la Saguine 

Pays de la Saguine Einen kleinen Leuchtturm gibt es natürlich auch! Die große Veranstaltungshalle stört ein wenig das Gesamtbild, aber sie wird gebraucht, um Teile des Theaterstücks aufzuführen sowie für Musikveranstaltungen. Wir hatten das Glück, eine super-klasse-tolle Band zu erleben, die mitreißende rhythmische akadische Musik im Fiddler-Style machte. Neben uns hielt es einen älteren Herrn nicht mehr auf seinem Stuhl und er begann, auf kleinstem Raum besondere, uns unbekannte, Tanzschritte zu vollführen. Es dauerte nicht lange, dann tanzten seine Frau und ein weiteres recht betagtes Paar, nebeneinander aufgereiht, mit ihm mit, offensichtlich mit großem Vergnügen und unter der schmunzelnden Akzeptanz der übrigen Zuschauer.

Wir liefen überall herum, sehr weitläufig war das Gelände nicht und das Angebot ebenfalls überschaubar. Nur in drei der Gebäuden waren alte Einrichtungsgegenstände zu besichtigen, der Rest bestand aus Ess- und Trinklokalen.

Pays de la SaguinePays de la SaguinePays de la SaguinePays de la SaguinePays de la Saguine  Pays de la SaguinePays de la SaguinePays de la SaguinePays de la SaguinePays de la SaguinePays de la SaguinePays de la Saguine

Ein besonderes Highlight war der alte Friseursalon!

Pays de la SaguinePays de la SaguinePays de la SaguinePays de la Saguine   

Einen Teil der Sagouine-Aufführung sahen wir uns auch noch an, aber da verstanden wir kein einziges Wort mehr! Enttäuschtes Smiley

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15 Août: Celebrating National Acadian Day/la Fête nationale de l’Acadie on New Brunswick’s Acadian Peninsula

Nichtsahnend gerieten wir vor drei Tagen in eine weitere Festivität hinein, mit Sicherheit in der Region, in der wir uns gerade aufhalten, die wichtigste! Ihr wundert euch, wie wir so schnell von Pointe Lebel an der Côte Nord über den Sankt-Lorenz-Strom und die Gaspé-Halbinsel nach New Brunswick auf die Acadian-Peninsula gekommen sind? Sind wir nicht, nicht schnell zumindest. Aber von diesem Event wollten wir gerne aktuell berichten, die fehlenden Artikel dazwischen liefern wir schnellstmöglich nach. Strebersmiley

Pointe-Lebel zu Shippagan

Kurz vor Bathurst fuhren wir in Beresfort auf den Campground und wunderten uns über die üppigen Dekorationen. Schon während der Fahrt waren uns blau-weiß-rot gestreifte Telefonmasten aufgefallen und was auch immer geeignet erschien, war in den französischen Farben bemalt. Außerdem hingen Fähnchen, Wimpel, Flaggen überall, jeder Dauercamperplatz war geschmückt. Der gravierende Unterschied zur französischen Flagge ist der gelbe Stern im blauen Bereich. Dieser Stern fiel uns ja schon ganz am Anfang unserer Reise auf, wir haben die Bedeutung “hier” erläutert.

National Acadian Day National Acadian Day National Acadian Day National Acadian Day National Acadian Day National Acadian Day

Auf dem Infoblatt des Campingplatzes fanden wir des Rätsels Lösung: Shippagan (1) siehe Überschrift! Von Dalhousie im äußersten Norden von New Brunswick bis Sackville im Südosten verläuft der Acadian Costal Drive (den wir noch ganz abfahren werden) und hier ist New Brunswick fest in französischer Hand!!! Zwar gibt es, im Gegensatz zur Region Québec, die Verordnung, dass alles konsequent und gleichberechtigt zweisprachig sein muss (alle Straßenschilder und sogar die Speisekarten bzw. Anschläge an den weit verbreiteten Imbissbuden), aber gesprochen wird ausschließlich FRANZÖSISCH.

Für die Historienliebhaber unter unseren Lesern gibt es diesen Link, dort steht die Geschichte der Akadier etwas ausführlicher (in englisch). Und was der National Acadian Day wirklich bedeutet und wie er entstanden ist, weiß Wikipedia (auch in englisch oder wahlweise in französisch).

Auf dem Campingplatz ging es laut und bunt und lustig zu. Leider hatte man uns nicht informiert, dass es auch noch ein Feuerwerk geben würde! Ein Motto des Nationalfeiertages der Akadier lautet: Es gibt kein ZU VIEL! Also versuchen sich alle Camper und alle Hausbesitzer und alle Dörfer gegenseitig zu überbieten, mit Deko und mit Paraden und mit Firework.

National Acadian Day National Acadian Day  

Durch die Akadier-Hauptstadt kamen wir am Tag nach den Feierlichkeiten, die in Caraquet eine ganze Woche angedauert hatten.

National Acadian Day

Auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel überfiel uns der “kleine Hunger” und wir entschieden uns für ein richtig gesundes Frühstück! Cooles Smiley

Auf der Fahrt nach ShippaganPommes rot-weiß

Auch hier war noch alles geschmückt! Es gab einen netten kleinen Strand, gut besucht, was bei den idealen Bedingungen nicht weiter verwundert: großer Parkplatz, Sandstrand, Imbissbude und Toiletten.

Auf der Fahrt nach ShippaganAuf der Fahrt nach ShippaganAuf der Fahrt nach Shippagan   Auf der Fahrt nach ShippaganAuf der Fahrt nach Shippagan 

Sogar die Leuchttürme passen sich farblich an!!!

Auf der Fahrt nach ShippaganShippagan11.jpg

Wir fanden unseren aktuellen Campingplatz in Haut-Shippagan wieder, wie fast immer, über die “Allstays”-App. Dort wurde zwar nichts über die Verfügbarkeit von Wifi gesagt, aber der Platz schien direkt am Wasser zu liegen, an der Chaleur-Bucht. Wir fuhren auf Verdacht mal hin und fragten optimistisch nach einem freien Stellplatz für ein paar Tage. Und siehe da: Wir konnten zwischen 9 Plätzen auswählen, die 1. alle Ocean View und 2. WLAN-Verfügbarkeit hatten!!! Und preiswert war er noch dazu, mit umgerechnet €21,78 (wenn man eine Woche bleibt, gibt es 10% Rabatt). Wir beschlossen, dass wir eine Woche Urlaub brauchen! Wenn ihr euch die Fotos anschaut, werdet ihr unsere Entscheidung sicher verstehen! Verliebt

Camping ShippaganCamping ShippaganCamping ShippaganCamping ShippaganCamping ShippaganCamping ShippaganCamping Shippagan Camping ShippaganCamping Shippagan Camping Shippagan

Und abends sieht es dann bei uns so aus:

Fire PitFire PitFire Pit      rundherum Lagerleben

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Ein Fjord in Kanada

Geplant war von Québec aus die Weiterfahrt den Sankt-Lorenz-Strom entlang Richtung Mündungsdelta zum Atlantik, und zwar auf der Québecer Seite. Die ist nicht so touristisch ausgeprägt wie die andere Seite des Flusses. Wir wollten später irgendeine der Fähren über den Strom nehmen.

Der Campingplatz am Ende der ersten Tagesetappe entpuppte sich auch wieder als rappelvoll und wieder bekamen wir nur noch mit Mühe einen Platz. Und hier sprach man an der Rezeption nur noch ein paar Brocken englisch. Wir wurden von zwei älteren Damen empfangen, unser Anliegen konnte ich auf französisch vortragen, die Frage, die uns daraufhin gestellt wurde, verstanden wir allerdings nicht mehr. Die Rezeptionistin nahm einen Zettel und schrieb darauf “15 ampère?”. Das sollte bedeuten, ob wir strommäßig damit auskommen würden. Oui, oui! Wir durften auf die Zeltwiese fahren, dort war noch genau ein Platz frei. Dummerweise lag er genau neben dem Pool und der Hüpfburg. Poolgeräusche sind ja üblicherweise schon heftig, aber das dumpfe Geräusch der springenden und Salto schlagenden Kinder und Jugendlichen übertrifft alles! Glücklicherweise wurde um 21 Uhr die Luft abgelassen, der Pool geschlossen und ab da war himmlische Ruhe!

Am nächsten Tag frühstückten wir, wie immer auf der Fahrt, an einem hübschen Rastplatz mit Blick auf den Sankt-Lorenz-Strom. Dort waren mehrere Infotafeln angebracht, die uns neugierig machten. Wenige Kilometer weiter zweigte eine Straße ab und führte in die Berge auf den Rivière Saguenay zu. Das ist ein Fjord aus der letzten Eiszeit, der bei Tadoussac in den Fleuve Saint-Laurent mündet. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, ihn zu überqueren, unten bei Tadoussac per Fähre oder, nach 165km, bei Saguenay über eine Brücke. Wir hatten eigentlich die Fähre nehmen wollen, aber die Infotafeln verleiteten uns zu der zweiten Variante. Außerdem hofften wir, dass der Touristentrubel dort oben in den Bergen weniger sein würde.

Rivière SaguenayRivière Saguenay Frühstücksplatz am St. Lorenz-StromFrühstücksplatz am St. Lorenz-Strom 

Die Entscheidung erwies sich schon nach wenigen Kilometern als richtig! Mischwälder wie in den White Mountains, aber die Berge nicht ausschließlich grün, sondern mit schroffen Felskanten. Und immer wieder die hübschesten Bergseen, die man sich nur vorstellen kann! Von winzig bis riesig, oft stand nur ein einziges Haus am Ufer. Kanada, so wie man es aus den Touristikkatalogen oder den Dokumentarsendungen im Fernsehen kennt.

Lac GothLac Goth Lac Goth   Rivière SaguenayRivière Saguenay Rivière Saguenay

In Saguenay fuhren wir den Campingplatz “Au jardin de mon père” an. Ein netter Name, im Garten meines Vaters muss man sich ja wohlfühlen. In der Rezeption zwei junge Frauen, französischsprachig! Rudimentäre Englischkenntnisse waren zwar vorhanden, aber sie entschuldigten sich gleich, dass ihr Englisch nicht so gut sei. Wir sagten, dass unser Französisch auch nicht so gut sei und unterhielten uns erfolgreich zweisprachig. Die eine sprintete los, um nachzuschauen, ob ein bestimmter Platz noch oder schon frei war und wir bekamen den letzten Platz auf der Zeltwiese! Rundherum glückliche kanadische Familien mit Kindern, aber zum Glück weder Pool noch Hüpfburg! Interessant ist, dass wir seit Québec nicht mehr von den Nachbarn angesprochen werden. Gegrüßt wird noch, aber auch schon sehr viel verhaltener, aber dann geht man offenbar davon aus, dass wir sicher kein französisch sprechen und auf englisch kann oder will man sich nicht unterhalten. Genauso wie in Frankreich! Dass es so ausgeprägt sein würde, hätten wir nicht gedacht und dass nicht alle jungen Menschen automatisch zweisprachig aufwachsen, finden wir absolut erstaunlich und auch unverständlich. Man muss es sich einmal vorstellen, da leben Menschen in einem überwiegend englischsprachigen Land und nur, weil ihre Vorfahren vor 400 Jahren einmal dort ansässig wurden und verständlicherweise ihre Sprache und ihre Kultur bewahren wollten, sprechen sie auch heute immer noch nach Möglichkeit nur französisch. Und offenbar gibt es gerade unter den Älteren viele, die nicht nur kein englisch sprechen wollen, sondern es effektiv nicht können. Gut, die kämpferischen Auseinandersetzungen mit den Engländern um territoriale Ansprüche und die Vertreibung der Akadier tun sicher ihr übriges dazu, aber etwas befremdlich wirkt es auf uns schon, zumal das Staatsoberhaupt von Kanada ja immer noch Königin Elizabeth II ist.

Wir blieben zwei Nächte, wollten eigentlich noch eine Tagesfahrt zum noch weiter im Landesinneren liegenden Lac Saint-Jean machen, aber es wurde noch einmal so heiß, dass wir nur die Füße in den benachbarten River steckten und uns ansonsten im Schatten rumdrückten und den Nachbarkindern beim Spielen zusahen.

Am nächsten Tag fuhren wir in Saguenay über die Brücke und auf der Ostseite des Fjordes wieder nach Tadoussac zurück. Wieder ging es durch Wälder, die ständig von Seen durchsetzt waren. Sehr schön!

Die Brücke bei SaguenayRivière SaguenayAm Rivière SaguenayRivière Saguenay

written by Ingrid
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