Hola España!!!

Am Tage unserer Abfahrt vom Col de la Pierre Saint-Martin hatten wir wieder herrlichsten Sonnenschein und einen Flugzeugblick auf die Wolken im Tal.

Ausblick von oben

Diesmal hatte Uschi das Vergnügen der Passfahrt und sie hatte eindeutig den besseren Part als ich bei der Hinfahrt. Oder auch nicht!? Immerhin konnte ich diesmal die Aussicht genießen und musste ihr nicht sagen, ob die Kurven nach rechts oder nach links gehen. Und die Aussicht war grandios!!! Über eine lange Strecke hatten wir das Gefühl, in Nordamerika unterwegs zu sein! Es fehlten nur die dort so zahlreich vertretenen Seen. Ich habe letzten Sommer mehrfach gesagt, dass wir (fast) alle diese tollen Landschaften in Europa auch haben und das bestätigt sich immer wieder. Auf dieser Strecke auf jeden Fall.

wie in Kanada!

Auf der Suche nach einem geeigneten Frühstücksplatz hatten wir Erfolg bei der Einfahrt in ein kleines Bergstädtchen. Es gab einen Picknickplatz unter Bäumen und zwei Bänke mit Ausblick auf die Stadt. Kurz vorher waren uns am Straßenrand drei ältere Spanierinnen entgegengekommen, die offensichtlich vor dem Mittagessen noch einen kleinen Spaziergang machten. Ich vermutete, dass sie bestimmt vorher auf einer der Bänke gesessen hatten. Wir waren fast fertig mit unserem Frühstück, als wir sie zurückkommen hörten. Das spanische Geschnatter hörte nicht auf und als wir Boxi verließen, saßen sie (wieder?) auf einer Bank. Nach einem freundlichen „buenos días“ unsererseits entspann sich sofort eine kleine Unterhaltung. Wo wir denn hin wollten? Zu einem Freund in der Nähe von Palencia. Valencia? Nein, Palencia. Ah, con pe! Laut lachen Als wir unseren Fahrradträger herunterließen, kam dann sehr erstaunt noch die Frage, ob wir denn keine Männer dabei hätten??? Für spanische Frauen, deutlich älter als wir, eine wohl schier unvorstellbare Konstellation, zwei auch nicht mehr ganz junge Frauen allein mit einem Wohnmobil in „der Fremde“ unterwegs. Zwinkerndes Smiley

Gesättigt und vergnügt ob dieser netten Begegnung fuhren wir die restliche Strecke bis nach Pamplona. Es ging durch die Sierra de Abodi, also in Serpentinen hinauf und wieder hinunter. Wir befanden uns auf dem Camino de Santiago bzw. auf einem davon. In Pamplona treffen nämlich drei der Hauptwege aufeinander und die Stadt ist eine wichtige Zwischenstation und voll mit Pilgern. Ständig überholten wir welche oder sahen sie an der Straße in einem Lokal sitzen. Ab und zu besagte ein Hinweisschild, dass es wieder einen Abzweig in den Wald gibt, aber über große Strecken mussten sie an der Straße entlang laufen. Das ist schon ein Projekt!!! Die Hardcore-Variante bedeutet, im Hochsommer mit Wanderrucksack, Isomatte und evtl. Zelt Hunderte von Kilometern zu laufen, entweder am Stück, was Wochen braucht oder über Jahre verteilt in Etappen. Zwar bekommt die Urkunde, die Compostela, wer mindestens die letzten 100km gelaufen oder 200km mit dem Fahrrad gefahren ist und dies mit Stempeln in seinem Pilgerausweis beweisen kann, aber den meisten wird das sicher nicht ausreichen. Obwohl ich 100km ja schon viel finde! Eine beliebte Wohnmobilvariante ist, einer läuft und einer fährt. Da hat man dann sein eigenes Bett dabei, braucht nur einen Tagesrucksack und muss sich nicht um die Verpflegung kümmern. Denn das stelle ich mir echt schwierig vor! Kochen geht nicht, viele Lebensmittel herumschleppen auch nicht, die Herbergen sind überfüllt und in Massenunterkünften mit zwar gleichgesinnten, aber dennoch fremden Menschen zu nächtigen ist ja auch nicht jedermanns Geschmack. Trotzdem vermittelt vermutlich nur dies inklusive 20kg-Rucksack das originale und gewünschte Pilgererlebnis. Eine Freundin von mir hat es vor Jahren gemacht, im Sommer, alleine, in knapp 5 Wochen von Aachen bis Santiago de Compostela!!! Sie hatte meine absolute Hochachtung!

Symbol des JakobswegesJakobswegpilgerer

Wir fuhren auf den Campingplatz „Ezcaba“, 7km von Pamplona entfernt. Es gibt zwar auch einen Wohnmobilstellplatz, aber auch der liegt außerhalb der Stadt und unbewacht wollten wir unser Zuhause nicht gerne stehen lassen. Von den Campingplätzen am Mittelmeer wissen wir, dass sie im Sommer gerne mal 60 Euro pro Nacht kosten. Hier, nahe einer beliebten Stadt, wollte man „nur“ €13/Person und €11,40/Wohnmobil. Dummerweise hatten wir die Frage nach Strom mit ja beantwortet, ohne nach dem Preis zu fragen. Der betrug nämlich satte 6 Euro pro Tag!!! Ich möchte nicht wissen, was der Campingplatz zu „San Fermin“ kostet, dem Fest, mit dem die Stadt gleichgesetzt wird. Der Schriftsteller Ernest Hemingway machte mit seinem ersten größeren Roman „Fiesta“ (ursprünglich „The Sun Also Rises“) 1926 diese spanische Tradition der Stierläufe und Stierkämpfe in aller Welt bekannt und der Erfolg des Romans machte ihn berühmt. Natürlich steht ein Denkmal vor der Stierkampfarena, eine Büste nur, nicht besonders schön, aber das ist die Arena auch nicht.

StierkampfarenaStierkampfarenaErnest Hemingway

Der Campingplatz ist groß mit über 500 Plätzen. Der eindeutig ältere Teil ist so, wie viele spanische Campingplätze der 60er/70er-Jahre des vorigen Jahrhunderts angelegt wurden. Niedrig und in die Breite wachsende Bäume (dringend benötigte Schattenspender im Sommer) und kleine bis sehr kleine Parzellen. Damals reiste man mit kleinem PKW und Zelt, allenfalls mit einem kleinen Wohnwagen. Die Ausmaße der Wohnmobile von heute sprengen diese Plätze. Schon die Anfahrt der Parzellen ist oft unmöglich. Wer als Campingplatzbetreiber das Geld und die räumlichen Möglichkeiten hat, erweitert seinen Platz und schafft großzügige Stellplätze. So auch hier. Wobei von großzügig nicht so wirklich die Rede sein konnte! Und es gab noch keinerlei schattenspendenden Bewuchs. Deswegen war der alte Platzteil VOLL und der neue LEER. Ein amerikanisches Riesen-Mobil stand dort und ein normales hamburgisches. Strom gab es auch erst vereinzelt und so entschieden wir uns auch für eine parcela im alten Bereich. Wir hatten Glück und nur an drei Seiten Nachbarn. Erstauntes Smiley Dafür aber einen wirklich schönen Ausblick.

Camping "Ezcaba"Camping "Ezcaba"Camping "Ezcaba"

Am Tag unserer Ankunft passierte das Attentat auf den Ramblas in Barcelona! Genau dort, wo wir schon so oft gelaufen sind. Wenn man mit dem Zug nach Barcelona reinfährt, steigt man am Plaça de Catalunya aus und beginnt seinen Stadtrundgang genau dort, wo der Terrorist seine Gräueltat verübt hat. Nur dort ist es möglich, mit einem Fahrzeug in erfolgversprechender Geschwindigkeit auf die Ramblas zu fahren. Wie ein Mensch es fertigbringt, in voller Absicht in eine Menge harmloser Touristen, Kinder inbegriffen, zu fahren, ihren Tod nicht nur in Kauf zu nehmen, sondern zu beabsichtigen, wird sich uns nie erschließen!!! Natürlich haben wir überlegt, ob wir wirklich, wie geplant, am nächsten Tag nach Pamplona reinfahren. Wir haben es dann gemacht, aber auch, wenn man sich von diesen schrecklichen Geschehnissen nicht beeinflussen lassen will, es bleibt das ungute Gefühl verlorener Unbeschwertheit.

Vom Campingplatz aus führt ein 1,5km langer Fußweg durch eine Parkanlage am Flüsschen entlang zur Bushaltestelle. Der Bus kam für spanische Verhältnisse fast pünktlich, mit nur zwölfminütiger Verspätung. Enttäuschtes Smiley Wir hatten einen Stadtplan und ich wollte nicht am ersten großen Platz in der Nähe der Altstadt aussteigen, sondern erst am zweiten, um der Zitadelle einen Besuch abzustatten. Der Platz kam aber irgendwie nicht! Eine Weile und einige Haltestellen später fuhren wir an der Zitadelle vorbei, der Bus bog nach links ab und langsam dämmerte uns, dass wir wohl immer weiter in die falsche Richtung fuhren! Also nichts wie raus, über die Straße und mit dem nächsten Bus der Linie 4 wieder zurück! Damit hatten wir die schönen preiswerten spanischen Bustarife natürlich für diesen Tag kaputt gemacht. Weinendes Smiley

Die Altstadt von Pamplona ist überschaubar groß und interessant mit vielen historischen Gebäuden. Endlich mal wieder eine typische spanische Stadt!

AltstadtAltstadtAltstadtAltstadtAltstadtAltstadt

Leider war vieles geschlossen, trotz Urlaubszeit. In der Kathedrale Santa Maria la Real hielten wir uns lange auf, ist ihr doch ein sehr gut gestaltetes Museum angeschlossen. Der Kreuzgang wurde leider gerade restauriert und war nur zum Teil begehbar.

Kathedrale Santa Maria la Realvor der Kathedrale Santa Maria la RealPlexiglasmodell der Kathedrale Santa Maria la RealFußboden in der Kathedrale Santa Maria la Realskizze der Kathedrale Santa Maria la RealFenster in der Kathedrale Santa Maria la RealKreuzgang der Kathedrale Santa Maria la RealKreuzgang der Kathedrale Santa Maria la RealKreuzgang der Kathedrale Santa Maria la RealKreuzgang der Kathedrale Santa Maria la Real

Interessant auch die Geschichte der bronzenen Turmglocken. „La Gabriela“ ist von 1519 und immer noch aktiv. Es gab sogar ein Extra-Haus für die Glöckner!

Glöcknerhausvor dem GlöcknerhausGlockenGlockeBlick auf die Stadt

Danach war spanische Mittagsessen- und Siestazeit! Die Geschäfte werden geschlossen, Rolläden aus Metall werden heruntergelassen und innerhalb von Minuten verwandelt sich eine bunte, belebte Einkaufsstraße in eine tote, hässliche, graffitiverschmierte, slumähnliche Gegend. Für uns immer wieder erstaunlich, denn Touristen sind ja den ganzen Tag in solchen Städten unterwegs und möchten sicher auch in der Zeit zwischen 14 und 17 Uhr einkaufen. Aber ihre Siesta ist den Spaniern heilig! Das war schon in unseren Wintern in Spanien immer unser Problem. Bis 14 Uhr schafften wir (ich!) nicht und um 18 Uhr ist es in Spanien dunkel! Natürlich kann man auch im Dunkeln bummeln und shoppen gehen, aber mit öffentlichen Verkehrsmitteln und/oder Fahrrad wieder zum Campingplatz zurück müssen ist die andere Nummer.

Hunger hatten wir inzwischen auch! Am alten Rathaus entdeckten wir ein kleines Bücher-Café und witzigerweise gab es dort Möhrenkuchen. Der ist in Spanien nicht sehr verbreitet. Der freundliche Wirt freute sich, seine drei Sätze in deutsch anwenden zu können und besonders freute er sich, dass uns sein „Karotte Kuchen“ so gut schmeckte. Verliebt Hier stand, neben dem Rathaus, ein Segment der Barrikaden, die bei den Stierläufen entlang der gesamten Strecke bis zur Stierkampfarena aufgestellt werden, zum Schutze der Zuschauer. Vor dem Café müssen die Stiere rechtwinklich abbiegen. Damit sie das auch tun und nicht geradeaus in die Schaulustigen laufen, sind die Barrieren hier in doppelter Linie vorhanden. Die Stiere kennen den Streckenverlauf nicht, sie rennen einfach und keiner von ihnen läuft die Strecke ein zweites Mal! Auf dem Pflaster der Straßen sind in Abständen Eisenplatten eingelassen, in deren Vertiefungen die langen Standbeine der Barrieren verankert werden. Wir waren nicht böse, dass das Fest bereits im Juli, wie jedes Jahr seit 1591, stattgefunden hatte. Die Stadt explodiert dann und obwohl die Stierläufe nur ein Teil der gesamten Zeremonien sind, wäre es für uns einfach viel zu voll und zu laut.

Stierlauf StierlaufStierlaufRathausBarrikaden für den StierlaufVerankerung der BarrikadenVerankerungen der BarrikadenVerankerungen der Barrikaden

Bis um 17 Uhr zu warten war uns zu lange. Zwar war der Bus um 15:26 schon weg, aber 19:42 war uns definitiv zu spät. Wir hatten schon vorher die Alternative in Betracht gezogen, per Taxi zurückzufahren. Den nächstgelegenen Taxistand fanden wir, aber es gab dort kein einziges Taxi! Eine wartende Frau erklärte uns, dass man anrufen müsse. Sie könne das aber gerne für uns tun und ein zweites Taxi bestellen. Als ihr Wagen kam, vergewisserte sie sich, dass ihre Bestellung für uns funktionieren würde und wir bedankten uns. Unser Taxi kam nach kurzer Zeit tatsächlich und für akzeptable €13 incl. Trinkgeld fuhren wir sehr komfortabel zum Campingplatz zurück.

Für den nächsten Tag hatten wir einen Ruhetag geplant, auch, weil es wieder sehr warm werden sollte. Als wir so gemütlich im Schatten hinter unserem Mobil saßen, fuhr auf den Platz vor uns ein Toyota-Pickup mit britischem Kennzeichen und einer Tischer-Kabine. Aber eine aus den Anfängen der Firma, von 1987! Freudiges Erstaunen auf beiden Seiten! Sofort waren die beiden Briten bei uns und hocherfreut, Boxi nicht nur von außen, sondern ausgiebig auch von innen anschauen zu können. Im Gegenzug durften wir dann auch bei ihnen reinschauen. Schon ein gewaltiger Unterschied! Sehr interessant, die Weiterentwicklung in der Technik und der Ausstattung der Wohnkabinen der Firma Tischer zu sehen. Am nächsten Morgen verabschiedeten sich die beiden von uns und meinten, sie seien sich sehr sicher, dass sie in Kreuzwertheim vorbeifahren und sich eine neue Kabine bestellen würden. Vielleicht können sie ihr altes Schätzchen dort in Zahlung geben, als Museumsstück. Smiley

Tischer-Kabine alt + neuTischer-Kabine alt + neuTischer-Kabine alt

EUSA/ORICAIN/PAMPLONA; Campingplatz „Ezcaba“ mit über 500 Parzellen auf Wiese, teilweise schattig unter niedrigen Bäumen, für größere Mobile nur Plätze ohne Schatten; Strom pro Nacht €6 (!); Pamplona in 9km Entfernung, zu erreichen per Bus oder über Radwege (Fahrradverleih am Platz); Restaurant, Schwimmbad, Kinderspielplatz, kleiner Einkaufsladen; mittlere Preiskategorie, ACSI-Vergünstigung vom 1. Sept. bis 30. Juni (€19); ganzjährig geöffnet; Mietunterkünfte

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Der Pass der freilaufenden Tiere

Trotz des Nebels entdeckten wir die Stromsäulen, die in ausreichender Zahl vorhanden waren. Vier Steckdosen gab es jeweils und an der Säule direkt hinter uns waren drei frei. Also steckten wir unser Kabel an, aber es tat sich nichts. Im Bordatlas stand, dass im Winter nachmittags zwischen 16 und 17 Uhr und morgens zwischen 8 und 9 Uhr jemand käme, um 4 Euro Gebühr einzukassieren und den Stromanschluss freizuschalten. Es war bereits nach 17 Uhr und wir nahmen an, dass der „Strombeauftragte“ schon durch war. Da wir ja nicht unbedingt Strom brauchen, war das nicht tragisch. Wir hofften nur, dass wir nicht am nächsten Morgen so früh geweckt werden würden. Wurden wir, allerdings nicht von jemandem, der Geld von uns wollte. Laut lachen Geweckt wurden wir von Kuhglockengebimmel direkt hinter unserem Heck. Viele Glocken, laute Glocken!!! An Schlaf war nicht mehr zu denken. Hinter unserem Mobil bis zur Felswand war ein Streifen von höchstens zwei Metern Schotter mit wenigen durchgewachsenen Grasbüscheln. Aber da mussten sie unbedingt durch!

Kühe hinter den MobilenKühe hinter den MobilenStellplatz am Col de la Pierre  Stellplatz am Col de la Pierre

Später dann ein Glockenalarm! Was ist jetzt los? Im wilden Galopp kam eine mit Glockenhalsbändern bestückte Ziegenherde den Berg herunter, lief quer über den Parkplatz und verschwand bergab, um sich auf den warmen Steinen niederzulassen. Die Schweine vom Abend zuvor fand Uschi gemächlich in der Sonne liegend vor einer Hütte oberhalb des Platzes wieder, außerdem gab es freilaufende Hühner, Schafe und ein Pferd. Dieses trug ebenfalls eine Kuhglocke (!!!). Die Schweine, die Schafe und die Hühner nicht. Smiley mit geöffnetem Mund Das Pferd durfte aber offensichtlich dann doch nicht frei herumlaufen, es wurde nach kurzer Zeit von einem Jeep abgeholt. Der Fahrer befahl ihm, hinter dem Auto herzulaufen und das Pferd gehorchte tatsächlich!

Kühe am Col de la PierreZiegen am Col de la PierreKuh und Schafe am Col de la PierreSchweine am Col de la PierrePferd am Col de la PierreZiegen am Col de la Pierre

Ein netter Ort! Hier gefiel es uns. Und außerdem schien die Sonne!!! Da wir so hoch waren, blieben die Temperaturen sehr angenehm. Wir beschlossen, ein wenig die Gegend zu erkunden. Eine grandiose Fernsicht bot sich uns, die besonders interessant war, weil vom Tal her schon wieder Nebel aufzog.

Col de la Pierre bei NebelCol de la Pierre bei NebelCol de la Pierre bei NebelCol de la Pierre bei NebelCol de la Pierre bei NebelCol de la Pierre bei Nebel

Auf einem der Hügel war ein Bauwerk zu sehen, das wie ein Fort aussah. Als wir hochgekraxelt waren, entpuppte es sich aber nur als Wasserspeicher.

Wasserspeicher am Col de la Pierrewasserspeicher am Col de la Pierre

Von dort oben konnte man jetzt auch gut die Ausmaße des Skigebietes erkennen. Einen Schlepplift (nicht in Betrieb Zwinkerndes Smiley ) und zwei Sessellifte (in Betrieb) gab es, einige Schneekanonen standen herum, an den Hängen konnte man die Schneisen für die verschiedenen Skipisten erkennen. Mehrere größere Hotels und ein ganzes Bungalowdorf waren für den Besucheransturm des Winters gerüstet.

Blick auf das SkizentrumSkizentrumSki"pistole"SkizentrumSkizentrumStellplatz von obenBungalowdorfBungalowdorf

Schön war es hier oben!

Col de la PierreCol de la PierreCol de la Pierre

Der Ort allerdings bot nicht viel. Kein Vergleich zu deutschen Skigebieten, in denen auch im Sommer etwas los ist. Keine Wanderer. Keine Geschäfte. Ein Supermarkt, eine Menge geschlossener Restaurants und Bars, ein Hüpfkissen, ein Mountainbikeverleih und eine Sommerrodelbahn. Außer den Wohnmobilbesatzungen war hier oben kaum jemand. Mit Glück fanden wir ein offenes Restaurant und bekamen unseren Nachmittagskaffee samt Kuchen. Zu Skigebietspreisen! Die Sonne war inzwischen weg. Wir schafften es gerade noch, vor dem Nebel wieder zu Fix und Boxi zurückzukehren. Sehr dekorativ stand am Ende des Stellplatzes eine weiße Kuh.

Kuh am Col de la PierreKuh am Col de la Pierre

Ich ging extra hin, um sie zu fotografieren. Auf dem Rückweg wunderte ich mich darüber, dass von den Wohnmobilen auf der Talseite des Platzes Stromkabel bis auf unsere Seite gezogen waren, quer über den Fahrbereich. Auch unsere Nachbarn hatten Strom angesteckt. Seltsam! Ja, sie hätten Strom, hieß es. Nein, er koste nichts. Wir probierten es erneut, kein Strom! Der französische Nachbar nahm sein Kabel und probierte alle drei freien Steckdosen an unserer Säule aus. Kein Strom! Er zog das Kabel des anderen Nachbarn ab, steckte seins hinein, Strom! An seiner Säule waren alle Steckdosen belegt und bis zur übernächsten reichte sein Kabel nicht. Aber unseres. Also probierte es Uschi mit unserem Kabel. Erste Steckdose, kein Strom! Zweite Steckdose, kein Strom! Dritte Steckdose, STROM!!! Deswegen wurden also die Kabel über die Straße gezogen! An jeder Säule funktionierte nur ein Teil der Steckdosen. Wie hoch die Absicherung ist, stand nämlich nirgendwo und vermutlich waren an allen nicht funktionierenden einfach nur die Sicherungen rausgeflogen, weil Geräte mit zuviel Watt angeschlossen wurden. Und da im Sommer offensichtlich niemand zum Abkassieren kommt und der Strom nicht freigeschaltet werden muss, kümmert sich auch niemand um defekte Sicherungen. Der Platz ist also im Sommer kostenfrei und Strom gibt es noch gratis obendrauf! Im Winter kostet es laut Plakat allerdings nicht nur 4, sondern 10 Euro (incl. Strom). Direkt hinter uns an der Stromsäule war auch ein unmissverständlicher Hinweis darauf, dass dies ein Stellplatz ausschließlich für Wohnmobile sei und parkende PKW kostenpflichtig entfernt werden würden.

Hinweisschild am Col de la Pierre

So ein Schild würden wir uns für alle Wohnmobilstellplätze wünschen, egal ob in Frankreich oder in Deutschland! Wir schalteten unseren Kühlschrank auf Strom um und genossen den Abend im Nebel mit wechselndem Kuh- und Ziegenglockengeläute. Verwirrtes Smiley

Nebel am Col de la PierreSchafe am Col de la Pierre

nach Spanien über den Col de la Pierre Unsere Frankreich-Diagonal-Tour fand hier ihr Ende. Über den Pass verläuft die Grenze zu Spanien.

Karte Frankreich diagonal

written by Ingrid
photos taken with iPhone and Mobistel Cyrus F9

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (ist repariert!) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Diagonal durch Frankreich – 2. Teil

In Valence d‘Agen hat es uns richtig gut gefallen! Bis auf die erste Nacht stand kein anderes Mobil mehr hinter uns, sodass wir uns unbeobachtet in Boxi bewegen konnten. Die nächsten Nachbarn standen auf der anderen Seite des Zufahrtssträßchens ein Stück weiter, da uns gegenüber ja ein PKW abgestellt war. Also alles so, wie wir es mögen!

Bei unserem ersten Stadt-Erkundungsgang hatten wir den Eindruck, dass nicht allzu viel dort los ist. Aber wir fanden eine Boulangerie, in der wir diese sauleckeren französischen Rosinenschnecken kaufen konnten, die ich in meinen früheren Frankreichurlauben lieben gelernt hatte und wir fanden ein Straßencafé zum Café au lait trinken. Mehr wollten wir eigentlich gar nicht. Am Place Nationale stand unverkennbar eine offene Markthalle und auf Nachfrage in einer Boutique erfuhren wir, dass am nächsten Tag Markt sein würde, aber nur der „kleine“ mit Gemüse, Obst und Blumen.

Auf dem Rückweg zum Stellplatz fiel uns ein seltsames rundes Gebilde aus Dachziegeln auf. Ich holte schon mal mein iPhone raus und in dem Moment ertönte der unvergleichliche Sound einer Ente! Umdrehen, strahlen und auf den Auslöser drücken passierte fast gleichzeitig und dem älteren Fahrer zuwinken ging auch noch. Drei, vier Enten haben wir bisher in Frankreich gesehen, sie scheinen ziemlich ausgestorben zu sein oder stehen gewienert und gestriegelt in irgendwelchen Garagen für die Sonntagsausfahrt herum. R4 sieht man noch öfter, aber auch nicht wirklich viele. Bei meinen früheren Urlauben in Frankreich mit der jeweils aktuellen meiner 5 Enten habe ich als Deutsche schon immer ein paar Pluspunkte gesammelt, wenn ich jetzt damit angefahren käme, würden sie mich lieben! Smiley

ENTE!!! :-)

Das runde Gebäude entpuppte sich dann als antikes Waschhaus.

Valence d'Agen (Waschhaus)Valence d'Agen (Waschhaus)Valence d'Agen (Waschhaus)

Am nächsten Tag waren wir bereits um 10 Uhr (!!!) unterwegs zum Markt. Und diesmal brummte die Stadt vor Leben! Ein kleiner Markt nur, aber wir bekamen alles, was wir wollten. Und wo es danach noch einen Kaffee gibt, wussten wir ja auch schon!

Markt in Valence d'AgenMarkt in Valence d'Agen

Valence d'AgenInteressante Skulpturen gab es in der Stadt und teilweise schön restaurierte alte Häuser. Auf dem untersten Foto kann man gut den Unterschied zwischen alt und neu (gemacht) erkennen.

Valence d'AgenValence d'AgenValence d'Agen

Wir hätten es gut und gerne noch ein paar Tage dort ausgehalten, aber wir wollen ja nach Spanien!

So fuhren wir am Sonntag weiter Richtung spanische Grenze. Die nächsten Tage sollte es richtig heiß werden, über 30°C! Dann auf einem staubigen Stellplatz in der prallen Sonne stehen stellten wir uns nicht so prickelnd vor. Wie wäre es denn zur Abwechslung mal mit einem Campingplatz? Rasen als Untergrund wäre auch mal wieder schön, hohe Bäume, ein Fluss, ein See oder wenigstens ein Swimmingpool. 😉 Der ACSI-Campingführer sagte, dass er so etwas für uns habe, bei Aignan. Und so war es dann auch, alle Bedingungen erfüllt, allerdings “nur” ein Pool. Natürlich gibt es die ACSI-Vergünstigung von €17 jetzt nicht, es ist ja Hochsaison. Und dementsprechend bezahlten wir für zwei Nächte dann auch €59,10 incl. Strom. Ein Mobilfunknetz war nur zu erahnen, aber dafür gab es schnelles WLAN, das aber natürlich separat kostete. Der Platz wird von Holländern geführt, alle Beschilderungen sind dreisprachig, französisch, englisch, holländisch. Ein kleiner, liebevoll angelegter Familiencampingplatz mit nur 37 Touristen- und ein paar Dauercamperplätzen. Viele Holländer machen hier Urlaub, hier versteht man sie wenigstens! Wir waren auch froh, englisch statt französisch sprechen zu können. Zwinkerndes Smiley

Es wurde heiß! Aber irgendwo rund um unser quergestelltes Mobil gab es immer Schatten. Abends wollte Uschi outdoor kochen. Da die Schieflage unseres Platzes allerdings nicht ihren Ansprüchen von Pfanne “in der Waage” entsprach, musste ich mich mit einem Käsebrot begnügen. Enttäuschtes Smiley

AignanAignanAignanwer glaubt es?wer glaubt es?

AIGNAN; Campingplatz “Le Domaine du Castex”; am Rande des mittelalterlichen Örtchens Aignan im Grünen mit schöner Weitsicht auf Felder und Hügel; saubere, moderne Sanitäranlagen; kleines Restaurant, Kinderspielangebote, Schwimmbad; viel alter Baumbestand, Plätze mit Grasuntergrund; sehr freundliche Betreiber; vom 1. Sept. bis 20. Okt. und vom 20. März bis 15. Juli ACSI-Vergünstigung (€17); Mietunterkünfte

In der Nacht gab es ein Gewitter, das erste mit heftigem Donner, das wir dieses Jahr erlebt haben. Wir können uns nämlich echt nicht über das Wetter diesen Sommer beschweren, wir haben es, glaube ich, von allen Gegenden Deutschlands am besten getroffen. Sogar in Skandinavien und Nordspanien war es schlechter, wie wir aus einigen Reiseblogs erfuhren. Gut, dass ich die Fotos von unserem Stellplatz noch am Abend zuvor gemacht hatte, morgens war alles noch grau und bewölkt.

Wir fuhren also weiter. Das Gewitter hatte für eine sehr angenehme Abkühlung gesorgt! Tommie führte uns wieder ins Nirgendwo bzw. er versuchte es. Aber nicht mit uns!!! 😉 Uschi setzte sich durch und ich setzte lieber ihre Anweisungen um als Tommies. Unser Zwischen- oder eventuelles Tagesendziel war das Städtchen Arette. Aber erst einmal mussten wir einkaufen. In der nächsten größeren Stadt gab es einen Intermarché Super. Als wir dort ankamen, regnete es in Strömen! Nach erfolgreichem Einkauf stand der Parkplatz unter Wasser und wir mussten im Slalom zu Fix und Boxi zurücklaufen. Wir blieben gleich auf dem Parkplatz stehen und frühstückten. Nicht der schönste Frühstücksplatz, aber wir hatten Hunger! Gleichzeitig konnten wir beobachten, wie direkt gegenüber die kleine (4kg) und die große (8kg) Waschmaschine und der große Trockner (8kg) liefen, entleert und neu bestückt wurden. Wir hatten es schon mehrfach gelesen, dass es diese besonders für Wohnmobiltouristen hervorragende Einrichtung an allen (?) Intermarché-Supermärkten gibt. Und wir können eine weitere Info bestätigen, nämlich, dass man an den Tankstellen, die großen Supermärkten angeschlossen sind, am preiswertesten tanken kann. Die Spanne reicht von €1,169 bis €1,379 (an Normal-Tankstellen) für Diesel. Das ist eine Differenz von bis zu 21 Cent pro Liter!!!

Wir waren nur wenige Kilometer weitergefahren, als wir durch ein vielversprechend aussehendes Dörfchen kamen. Obwohl Tommie diesmal Recht hatte mit seiner Anweisung, bog ich nicht links ab, sondern nach rechts, Richtung Kirche. Die war aber dann gar nicht das Interessanteste, sondern ein großes “Herrenhaus”, das eindeutig bessere Zeiten gesehen hatte. Was für eine Schande, dass ein so tolles Gebäude einfach nur verfällt!

HerrenhausHerrenhausNebeneingang

Gegenüber wurden ausrangierte Telefonhäuschen aus der Vor-Smartphone-Zeit gesammelt, ein Telefonfriedhof sozusagen. Laut lachen

Telefonfriedhof

Hier hätten wir schöner frühstücken können, aber das konnten wir ja nicht ahnen. Das Wetter besserte sich, in Arette fanden wir den ausgewiesenen Wohnmobilstellplatz, aber er war voll (3 Plätze!) und die PKW-Plätze, auf denen auch noch Wohnmobile standen, waren ziemlich schräg. Es gefiel uns dort nicht wirklich und da es noch früh war, beschlossen wir, nur einen Rundgang durch den Ort zu machen, nach einem Kaffee Ausschau zu halten und dann noch weiterzufahren. Arette wurde als mittelalterliches Städtchen beschrieben, entpuppte sich aber nur als ein winziger Ort mit alten, nicht mitteralterlichen, Häusern. Vor der Kirche fiel uns ein Holznachbau des Kirchturms auf, der auf der Rückseite seltsam “verstümmelt” war. Wir konnten uns (noch) keinen Reim darauf machen. Einen Kaffee bekamen wir dann auch, die Verhältnisse waren fast so wie letzten Sommer in USA, immerhin gab es Porzellantassen! Zwinkerndes Smiley Auf dem Rückweg kamen wir an der Touristen-Information vorbei, sahen drinnen erstaunlich viele Menschen und gingen neugierig hinein. Und hier löste sich das Rätsel des deformierten Kirchturmes! Vom Datum her nur zwei Tage zuvor minus genau 50 Jahre hatte ein verheerendes Erdbeben den größten Teil des Dorfes zerstört.

AretteAretteKaffee nach amerikanischer ArtAretteAretteAretteAretteArette

Etwas betroffen machten wir uns auf die Weiterfahrt. Der Col de la Pierre Saint Martin war unser ausgewählter Weg zur spanischen Grenze. Dort oben, auf fast 1700m, sollte es die Möglichkeit geben, mit dem Wohnmobil übernachten zu können, in einem ausgewiesenen Bereich des Großparkplatzes des angrenzenden Skigebietes.

Les Pyrénées Atlantiqueszum Col de la Pierrezum Col de la Pierre

Schon bald hatten wir keine Zeit mehr, über das Erdbeben von 1967 nachzudenken. Je höher wir kamen, desto nebliger wurde es! Zunächst konnte man die Fahrbahnmarkierung noch gut erkennen, dann immer weniger und zum Schluss so gut wie gar nicht mehr! Wir fuhren nur noch im 1. Gang, versuchten angestrengt, rechts oder in der Mitte weiße Farbe auf dem Asphalt zu entdecken, Uschi sagte mir, was sie auf dem Navi-Bildschirm sah, ob die nächste Kurve nach rechts oder nach links führt. Plötzlich tauchte direkt vor uns eine Kuhherde mitten auf der Straße auf!!! Wir hatten sie eher gehört als gesehen, denn sie trugen dicke Glocken um den Hals. Gemächlich trotteten sie um uns herum. Ein weiteres Auto kam den Berg hinunter und konnte zum Glück unmittelbar vor der letzten Kuh halten. Aber auch der Fahrer hatte offenbar die Hinweisschilder am Straßenrand auf freilaufende Kühe gesehen!

Col de la PierreCol de la PierreCol de la PierreCol de la Pierre

Die letzten Serpentinen noch, jetzt Kühe UND Markierungen suchend, und dann hatten wir die Parkplätze erreicht. Einen Hinweis auf Wohnmobilstellplätze sahen wir, aber keine Wohnmobile. Sollten wir alleine hier oben sein? Wir fuhren langsam weiter, ohne zu wissen, wo wir landen würden. Ein paarmal ging es noch um Ecken, dann ging es nicht mehr weiter. Und siehe da, wir waren nicht allein! Um die 20 Mobile standen schön gleichmäßig verteilt auf dem Platz und wir sortierten uns mit je einem Platz Abstand nach rechts und nach links dazwischen ein. Es gab sogar ein Begrüßungskomitee! Wir wären aber auch ohne keinen Meter mehr weitergefahren!!!

Begrüßungskomitee

ARETTE; Aire de Camping-car „De la Pierre Saint-Martin“, separater, nur für Wohnmobile zugelassener Teil der Parkplätze am Skigebiet; Platz für 40 Mobile auf Asphalt; im Sommer kostenfrei incl. Strom, im Winter €10 incl. Strom; VE kostenfrei; kein Schatten; hervorragender Mobilfunkempfang

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.