Wie hoch? Wie viel?

Ein außergewöhnliches Schauspiel bietet die Natur zweimal täglich in der Bay of Fundy, der großen, verzweigten Meeresbucht zwischen Maine (USA) und den Provinzen New Brunswick und Nova Scotia in Kanada. Hier misst man bis zu 16 Meter Pegelunterschied zwischen Ebbe und Flut, das entspricht in etwa der Höhe eines Fahnenmastes. Damit ist der Tidenhub in der Bay of Fundy der größte auf der Erde. Die Wasserstände der Nordsee variieren mit den Gezeiten dagegen nur um die 2 bis 3 Meter.

Täglich fließen zweimal (etwa 12,5 Stunden) über 100 Billionen Tonnen Wasser in die Bay of Fundy und wieder hinaus. Das ist genug Wasser, um 40 Millionen Schwimmbecken im Olympiaformat zu füllen oder um einen noch drastischeren Vergleich anzuführen: Es dauert ein Jahr, acht Monate und vier Tage, bis über die Niagara Fälle so viel Wasser geflossen ist! Erstauntes Smiley 

Five Islands Es gibt Menschen, die finden Ebbe und Flut doof und andere finden gerade die Gezeiten spannend und lieben die Verwandlung der Landschaft. Wir gehören eindeutig der zweiten Fraktion an, wir fanden z. B. unsere Tage direkt an der Oste bei Luise immer spannend. Deshalb war uns schon bald nach Ankunft auf dem “Five Islands” Campground bei Parrsboro klar, dass wir hier nicht nur eine Nacht bleiben würden. Es wurde eine Woche! Zwinkerndes Smiley Bei unserer Ankunft am Nachmittag sah es hier so aus:

Niedrigwasser

Und im Laufe des darauffolgenden Tages entwickelte es sich hierzu:

Höchster Wasserstand

Nach einem sehr kurzen Kriegsrat marschierte ich zur Rezeption

Campground

und verlängerte. Wir fanden, dass wir mal eine Woche “Urlaub” verdient hätten! Wir bekamen alle Wetterarten, die Nova Scotia im späten Frühjahr zu bieten hat. Es fing an mit Nebel.

five islands five islands five islands five islands

Es folgten strahlend schöne Stunden mit oder ohne Wind und ohne oder mit stechenden/beißenden Plagegeistern.

five islands five islands five islands

Besonders warm war es die ganze Woche nicht, Ingrid war es recht, mir egal.

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GrößenvergleichBesonders beeindruckend für uns war ein Spaziergang auf dem Meeresboden. Etwa zwei Stunden nach “Hochwasser” liefen wir direkt vor unserer Haustür an den Strand und um das bis zu 3m hohe “Riff”. Es bot uns unzählige An- und Einsichten.

Spaziergang auf dem Meeresboden Spaziergang auf dem Meeresboden Spaziergang auf dem Meeresboden Spaziergang auf dem Meeresboden  Spaziergang auf dem Meeresboden Spaziergang auf dem Meeresboden Spaziergang auf dem Meeresboden Spaziergang auf dem Meeresboden

Am Ende dieser Fotosession wollten wir eigentlich noch ein Stück barfuß durch das hier rotfarbene Watt laufen. Doch schon nach zwei vorsichtigen Schritten quoll der Schmodder zwischen unseren Zehen durch und wir rutschten wie auf Schmierseife hin und her. So gaben wir unser Vorhaben sofort wieder auf und suchten Halt auf dem steinigen Strand. Das Risiko mit Fotoausrüstung zu stürzen war einfach zu groß (und einsauen wollten wir uns auch nicht wirklich). Der Spaziergang endete dann mit Fuß- und Crocswäsche!

Waschen am WasserfallWaschen am Wasserfall

Aus Spaß bauten wir am Strand direkt unterhalb unseres Platzes noch ein Steinmännchen. Wir wollten sehen wie weit das Wasser wirklich ansteigt.

Steinmännchen Steinmännchen Steinmännchen Steinmännchen Steinmännchen Steinmännchen Steinmännchen Steinmännchen Steinmnnchen-9.jpg

Natürlich haben wir noch einige Fotos mehr gemacht Zwinkerndes Smiley, unter anderem kleine Serien zum Tidenverlauf. Ihr findet sie in unserem Fotoalbum “Five Islands”.   

 

written by Uschi
photos taken with Canon EOS 600D and iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

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In Gouda We Trust

Auf unserer weiteren Fahrt am Minas Basin entlang Richtung Westen fuhren wir in Upper Economy bei dem Hinweisschild auf eine holländische Farm von der Straße ab und eine einspurige gravel road bergauf. Wir landeten auf einem Bauernhofgelände mit großer Parkfreifläche. Im als Café und Verkaufsraum ausgewiesenen Haus fühlten wir uns in Sekundenbruchteilen nach Europa versetzt, genauer gesagt in die Niederlande! Alles gelb!!! 😉

Dutchman's FarmDutchman's FarmDutchman's FarmDutchman's Farm

Dutchman's Farm Es gab aber noch mehr, nämlich einen bzw. einen langen und einen kürzeren Rundgang durch das gesamte Farmgelände mit allen Tieren, die nicht in Ställen leben, sondern in großen Freigehegen. Es war schon fast ein kleiner Tierpark. Überall gab es Futterautomaten, an denen man für 25 Cent eine Handvoll Körner ziehen konnte. Für Kinder bestimmt ein großer Spaß! Wir waren ganz allein in dem weitläufigen Gelände, das Wetter war zur Abwechslung mal frühsommerlich warm, die Insekten hielten sich zurück, die Tiere waren uns in Erwartung von Futter sehr zugetan und so konnten wir diesen kleinen Abstecher richtig genießen.

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Danach wollten wir ein wenig Käse kaufen und vor allem einen Kaffee trinken. Dafür gab es draußen ein paar Picknick-Tische. Nein, Kaffee hätten sie nicht, wurde uns mitgeteilt, diesmal nicht amerikanisch freundlich und mit großem Bedauern, sondern holländisch knapp und sachlich. So kauften wir dann auch nur ein kleines Stück Kümmelgouda und ein wenig holländisches Gebäck. Gelohnt hat es sich für uns trotzdem!

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Burntcoat Head

Die nächste Attraktion lag schon nach kurzer Zeit auf unserer Route bis zum Burntcoat Head, nämlich der hübsche Leuchtturm von Walton. Gebaut 1873 und der letzte mit Holzschindeln verkleidete Leuchtturm des Landes.

Walton LighthouseWalton LighthouseWalton LighthouseWalton Lighthouse   

Burntcoat Head Das/der (?) Burntcoat Head ist ein kleiner “Pickel” ins Minas Basin. Dort wurde mit 16,27m der bislang höchste Tidenhub der Welt gemessen. Im Tidal Interpretation Center im dortigen Lighthouse erfährt man alles über die gewaltige Kraft der Gezeiten und ihren Einfluss auf die bizarre Küstenlandschaft.

Burntcoat Head LighthouseBurntcoat Head LighthouseBurntcoat Head LighthouseBurntcoat Head Lighthousewer kommt mit Kaffee???  

Das eindrucksvollste Erlebnis bietet ablaufendes Wasser, wenn nach und nach die Auswaschungen und Unterhöhlungen an den roten Felsen der Küste sichtbar werden und ein breiter, steiniger Strand voller Tümpel und ungewöhnlicher Felsgebilde freigelegt wird.

Burntcoat HeadBurntcoat HeadBurntcoat Head  

Diese Insel gehörte bis 1913 noch zum Festland und auf ihr stand der erste Leuchtturm von 1855. Durch die Gezeiten wurde sie abgetrennt und man errichtete einen neuen Leuchtturm an der jetzigen Stelle.

Burntcoat Head

Wir fuhren weiter am Minas Basin entlang gen Osten. Kurz vor dem Ende überquert die Straße den Shubenacadie River, Nova Scotias größten Fluss. Der ist, wie alle Flüsse rund um die Fundy Bay ein Tidenfluss (herzliche Grüße an die Oste!!!). Bei Flut drückt das Meerwasser mit einer solchen Geschwindigkeit in das Landesinnere, dass sich auf dem Fluss eine riesige Welle bildet, die tidal bore, eine mächtige Gezeitenwelle. Mit motorbetriebenen Schlauchbooten wird bei passender Tageszeit Wellen reiten veranstaltet, professionell und gegen Bezahlung. Die Intensität dieses feuchten Abenteuers hängt vom Höchststand der Gezeiten ab. Das Phänomen einer bore oder Gezeitenwelle gibt es nur an wenigen Stellen weltweit. Die Welle entsteht an der Mündung eines relativ flachen Flusses in einen Meeresarm mit extrem hohen Tidenhub. Wenn die Flut in die Bay of Fundy drückt, steigt das Wasser in den Seitenarmen in 3,5 Stunden auf bis zu 16m an! Das Meerwasser schiebt sich über das Wasser des Flusses, wobei sich an den Sandbänken des Flussbettes durchaus mehrere Meter hohe Wellen und Turbulenzen bilden können. Wir waren zur falschen Zeit dort, das Wasser des Shubenacadie River floss träge und ockerfarben vor sich hin, in die verkehrte Richtung.

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Land of Evangeline Family Campground

Wir fragten uns, wer denn wohl die Evangeline Family ist? Eine Religionsgemeinschaft? Auf jeden Fall betrieb diese Familie einen Campingplatz auf ihrem eigenen Land. Wollten wir da hin? Ja! Wir wurden ganz normal und freundlich wie immer empfangen und auch nicht nach unserer Konfession gefragt. Ocean view gab es nicht, aber Wifi, vorausgesetzt, wir bleiben im Bereich der Rezeption. Land of Evangeline Family Camping Kein Problem, dachten wir, denn der zugewiesene Platz war schön. Doch ein Problem, merkten wir bald, denn gegenüber war der groß angelegte Spielplatz mit einem toll konstruierten Klettergerüst, das von zwei kleinen, ca. 6-jährigen, Mädchen intensiv genutzt wurde. Intensiv heißt: LAUT und LANGE. Das war etwas anstrengend (für uns), aber auch hochinteressant, da die beiden wie Äffchen waren. Besonders Uschi als ehemalige Turnerin war begeistert! Das nächste Problem tauchte am Nachmittag (es war Freitag) auf in Form der zum Wochenende einfallenden Dauercamper. Die geselligsten von ihnen standen an der Einfallschneise des Platzes (logischerweise) und das war nicht weit von uns entfernt (dummerweise). Die erste Amtshandlung war, wie immer, den fire pit in Gang zu bringen. Und dann gesellte sich ein Dauercamper nach dem anderen zu der immer größer werdenden Versammlung hinzu, es wurde LAUT und LUSTIG. Und spät! Kurz nach Mitternacht wurde immerhin die Musik ETWAS leiser gestellt! Gut, dass Uschi Ohrstöpsel benutzt und ich nicht früh ins Bett gehe! 😉

Minas Basin Gegenüber des Campingplatzes, nur von einer kleinen Straße getrennt, liegt die Bay of Fundy bzw. das Minas Basin. Hier herrschen Gezeitenunterschiede von bis zu 16m Tidenhöhe, die höchste der Welt!!! Das Wasser war weg! Also machten wir einen Strandspaziergang und entdeckten ein paar interessante Aspekte, die schon auf den Unterschied zwischen Ebbe und Flut hinwiesen. Google klärte uns dann auch über die Evangeline auf. Und danach fiel uns ein, dass wohl „Land of Evangeline“ und „Family Campground“ zusammengehören! 😉 (Also waren keine Beschwerden über Kinder und feiernde Erwachsene angebracht, weil schätzungsweise erfolglos!) Die Evangeline und ihr Schöpfer erfreuen sich auch heute noch so großer Beliebtheit, dass sogar ein Trail zu ihren Ehren geschaffen wurde. Der gesamte Landstrich ist ebenfalls von der UNESCO zur World Heritage Site erklärt worden, einerseits wegen der beeindruckenden Landschaft, andererseits wegen der historischen Vergangenheit mit der Vertreibung der akadischen Siedler im 17. Jahrhundert.

Das Minas Basin (leer)Das Minas Basin (halbvoll)Das Minas Basin (halbvoll)Das Minas Basin (halbvoll)Sonnenuntergang am Minas BasinTreppe???Treppe!!!Treppe???Schwein???        

Interessant waren auch die “Dienstfahrzeuge” der Campingplatzarbeiter!

Dienstfahrzeug Dienstfahrzeug

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.