Diagonal durch Frankreich – 2. Teil

In Valence d‘Agen hat es uns richtig gut gefallen! Bis auf die erste Nacht stand kein anderes Mobil mehr hinter uns, sodass wir uns unbeobachtet in Boxi bewegen konnten. Die nächsten Nachbarn standen auf der anderen Seite des Zufahrtssträßchens ein Stück weiter, da uns gegenüber ja ein PKW abgestellt war. Also alles so, wie wir es mögen!

Bei unserem ersten Stadt-Erkundungsgang hatten wir den Eindruck, dass nicht allzu viel dort los ist. Aber wir fanden eine Boulangerie, in der wir diese sauleckeren französischen Rosinenschnecken kaufen konnten, die ich in meinen früheren Frankreichurlauben lieben gelernt hatte und wir fanden ein Straßencafé zum Café au lait trinken. Mehr wollten wir eigentlich gar nicht. Am Place Nationale stand unverkennbar eine offene Markthalle und auf Nachfrage in einer Boutique erfuhren wir, dass am nächsten Tag Markt sein würde, aber nur der „kleine“ mit Gemüse, Obst und Blumen.

Auf dem Rückweg zum Stellplatz fiel uns ein seltsames rundes Gebilde aus Dachziegeln auf. Ich holte schon mal mein iPhone raus und in dem Moment ertönte der unvergleichliche Sound einer Ente! Umdrehen, strahlen und auf den Auslöser drücken passierte fast gleichzeitig und dem älteren Fahrer zuwinken ging auch noch. Drei, vier Enten haben wir bisher in Frankreich gesehen, sie scheinen ziemlich ausgestorben zu sein oder stehen gewienert und gestriegelt in irgendwelchen Garagen für die Sonntagsausfahrt herum. R4 sieht man noch öfter, aber auch nicht wirklich viele. Bei meinen früheren Urlauben in Frankreich mit der jeweils aktuellen meiner 5 Enten habe ich als Deutsche schon immer ein paar Pluspunkte gesammelt, wenn ich jetzt damit angefahren käme, würden sie mich lieben! Smiley

ENTE!!! :-)

Das runde Gebäude entpuppte sich dann als antikes Waschhaus.

Valence d'Agen (Waschhaus)Valence d'Agen (Waschhaus)Valence d'Agen (Waschhaus)

Am nächsten Tag waren wir bereits um 10 Uhr (!!!) unterwegs zum Markt. Und diesmal brummte die Stadt vor Leben! Ein kleiner Markt nur, aber wir bekamen alles, was wir wollten. Und wo es danach noch einen Kaffee gibt, wussten wir ja auch schon!

Markt in Valence d'AgenMarkt in Valence d'Agen

Valence d'AgenInteressante Skulpturen gab es in der Stadt und teilweise schön restaurierte alte Häuser. Auf dem untersten Foto kann man gut den Unterschied zwischen alt und neu (gemacht) erkennen.

Valence d'AgenValence d'AgenValence d'Agen

Wir hätten es gut und gerne noch ein paar Tage dort ausgehalten, aber wir wollen ja nach Spanien!

So fuhren wir am Sonntag weiter Richtung spanische Grenze. Die nächsten Tage sollte es richtig heiß werden, über 30°C! Dann auf einem staubigen Stellplatz in der prallen Sonne stehen stellten wir uns nicht so prickelnd vor. Wie wäre es denn zur Abwechslung mal mit einem Campingplatz? Rasen als Untergrund wäre auch mal wieder schön, hohe Bäume, ein Fluss, ein See oder wenigstens ein Swimmingpool. 😉 Der ACSI-Campingführer sagte, dass er so etwas für uns habe, bei Aignan. Und so war es dann auch, alle Bedingungen erfüllt, allerdings “nur” ein Pool. Natürlich gibt es die ACSI-Vergünstigung von €17 jetzt nicht, es ist ja Hochsaison. Und dementsprechend bezahlten wir für zwei Nächte dann auch €59,10 incl. Strom. Ein Mobilfunknetz war nur zu erahnen, aber dafür gab es schnelles WLAN, das aber natürlich separat kostete. Der Platz wird von Holländern geführt, alle Beschilderungen sind dreisprachig, französisch, englisch, holländisch. Ein kleiner, liebevoll angelegter Familiencampingplatz mit nur 37 Touristen- und ein paar Dauercamperplätzen. Viele Holländer machen hier Urlaub, hier versteht man sie wenigstens! Wir waren auch froh, englisch statt französisch sprechen zu können. Zwinkerndes Smiley

Es wurde heiß! Aber irgendwo rund um unser quergestelltes Mobil gab es immer Schatten. Abends wollte Uschi outdoor kochen. Da die Schieflage unseres Platzes allerdings nicht ihren Ansprüchen von Pfanne “in der Waage” entsprach, musste ich mich mit einem Käsebrot begnügen. Enttäuschtes Smiley

AignanAignanAignanwer glaubt es?wer glaubt es?

AIGNAN; Campingplatz “Le Domaine du Castex”; am Rande des mittelalterlichen Örtchens Aignan im Grünen mit schöner Weitsicht auf Felder und Hügel; saubere, moderne Sanitäranlagen; kleines Restaurant, Kinderspielangebote, Schwimmbad; viel alter Baumbestand, Plätze mit Grasuntergrund; sehr freundliche Betreiber; vom 1. Sept. bis 20. Okt. und vom 20. März bis 15. Juli ACSI-Vergünstigung (€17); Mietunterkünfte

In der Nacht gab es ein Gewitter, das erste mit heftigem Donner, das wir dieses Jahr erlebt haben. Wir können uns nämlich echt nicht über das Wetter diesen Sommer beschweren, wir haben es, glaube ich, von allen Gegenden Deutschlands am besten getroffen. Sogar in Skandinavien und Nordspanien war es schlechter, wie wir aus einigen Reiseblogs erfuhren. Gut, dass ich die Fotos von unserem Stellplatz noch am Abend zuvor gemacht hatte, morgens war alles noch grau und bewölkt.

Wir fuhren also weiter. Das Gewitter hatte für eine sehr angenehme Abkühlung gesorgt! Tommie führte uns wieder ins Nirgendwo bzw. er versuchte es. Aber nicht mit uns!!! 😉 Uschi setzte sich durch und ich setzte lieber ihre Anweisungen um als Tommies. Unser Zwischen- oder eventuelles Tagesendziel war das Städtchen Arette. Aber erst einmal mussten wir einkaufen. In der nächsten größeren Stadt gab es einen Intermarché Super. Als wir dort ankamen, regnete es in Strömen! Nach erfolgreichem Einkauf stand der Parkplatz unter Wasser und wir mussten im Slalom zu Fix und Boxi zurücklaufen. Wir blieben gleich auf dem Parkplatz stehen und frühstückten. Nicht der schönste Frühstücksplatz, aber wir hatten Hunger! Gleichzeitig konnten wir beobachten, wie direkt gegenüber die kleine (4kg) und die große (8kg) Waschmaschine und der große Trockner (8kg) liefen, entleert und neu bestückt wurden. Wir hatten es schon mehrfach gelesen, dass es diese besonders für Wohnmobiltouristen hervorragende Einrichtung an allen (?) Intermarché-Supermärkten gibt. Und wir können eine weitere Info bestätigen, nämlich, dass man an den Tankstellen, die großen Supermärkten angeschlossen sind, am preiswertesten tanken kann. Die Spanne reicht von €1,169 bis €1,379 (an Normal-Tankstellen) für Diesel. Das ist eine Differenz von bis zu 21 Cent pro Liter!!!

Wir waren nur wenige Kilometer weitergefahren, als wir durch ein vielversprechend aussehendes Dörfchen kamen. Obwohl Tommie diesmal Recht hatte mit seiner Anweisung, bog ich nicht links ab, sondern nach rechts, Richtung Kirche. Die war aber dann gar nicht das Interessanteste, sondern ein großes “Herrenhaus”, das eindeutig bessere Zeiten gesehen hatte. Was für eine Schande, dass ein so tolles Gebäude einfach nur verfällt!

HerrenhausHerrenhausNebeneingang

Gegenüber wurden ausrangierte Telefonhäuschen aus der Vor-Smartphone-Zeit gesammelt, ein Telefonfriedhof sozusagen. Laut lachen

Telefonfriedhof

Hier hätten wir schöner frühstücken können, aber das konnten wir ja nicht ahnen. Das Wetter besserte sich, in Arette fanden wir den ausgewiesenen Wohnmobilstellplatz, aber er war voll (3 Plätze!) und die PKW-Plätze, auf denen auch noch Wohnmobile standen, waren ziemlich schräg. Es gefiel uns dort nicht wirklich und da es noch früh war, beschlossen wir, nur einen Rundgang durch den Ort zu machen, nach einem Kaffee Ausschau zu halten und dann noch weiterzufahren. Arette wurde als mittelalterliches Städtchen beschrieben, entpuppte sich aber nur als ein winziger Ort mit alten, nicht mitteralterlichen, Häusern. Vor der Kirche fiel uns ein Holznachbau des Kirchturms auf, der auf der Rückseite seltsam “verstümmelt” war. Wir konnten uns (noch) keinen Reim darauf machen. Einen Kaffee bekamen wir dann auch, die Verhältnisse waren fast so wie letzten Sommer in USA, immerhin gab es Porzellantassen! Zwinkerndes Smiley Auf dem Rückweg kamen wir an der Touristen-Information vorbei, sahen drinnen erstaunlich viele Menschen und gingen neugierig hinein. Und hier löste sich das Rätsel des deformierten Kirchturmes! Vom Datum her nur zwei Tage zuvor minus genau 50 Jahre hatte ein verheerendes Erdbeben den größten Teil des Dorfes zerstört.

AretteAretteKaffee nach amerikanischer ArtAretteAretteAretteAretteArette

Etwas betroffen machten wir uns auf die Weiterfahrt. Der Col de la Pierre Saint Martin war unser ausgewählter Weg zur spanischen Grenze. Dort oben, auf fast 1700m, sollte es die Möglichkeit geben, mit dem Wohnmobil übernachten zu können, in einem ausgewiesenen Bereich des Großparkplatzes des angrenzenden Skigebietes.

Les Pyrénées Atlantiqueszum Col de la Pierrezum Col de la Pierre

Schon bald hatten wir keine Zeit mehr, über das Erdbeben von 1967 nachzudenken. Je höher wir kamen, desto nebliger wurde es! Zunächst konnte man die Fahrbahnmarkierung noch gut erkennen, dann immer weniger und zum Schluss so gut wie gar nicht mehr! Wir fuhren nur noch im 1. Gang, versuchten angestrengt, rechts oder in der Mitte weiße Farbe auf dem Asphalt zu entdecken, Uschi sagte mir, was sie auf dem Navi-Bildschirm sah, ob die nächste Kurve nach rechts oder nach links führt. Plötzlich tauchte direkt vor uns eine Kuhherde mitten auf der Straße auf!!! Wir hatten sie eher gehört als gesehen, denn sie trugen dicke Glocken um den Hals. Gemächlich trotteten sie um uns herum. Ein weiteres Auto kam den Berg hinunter und konnte zum Glück unmittelbar vor der letzten Kuh halten. Aber auch der Fahrer hatte offenbar die Hinweisschilder am Straßenrand auf freilaufende Kühe gesehen!

Col de la PierreCol de la PierreCol de la PierreCol de la Pierre

Die letzten Serpentinen noch, jetzt Kühe UND Markierungen suchend, und dann hatten wir die Parkplätze erreicht. Einen Hinweis auf Wohnmobilstellplätze sahen wir, aber keine Wohnmobile. Sollten wir alleine hier oben sein? Wir fuhren langsam weiter, ohne zu wissen, wo wir landen würden. Ein paarmal ging es noch um Ecken, dann ging es nicht mehr weiter. Und siehe da, wir waren nicht allein! Um die 20 Mobile standen schön gleichmäßig verteilt auf dem Platz und wir sortierten uns mit je einem Platz Abstand nach rechts und nach links dazwischen ein. Es gab sogar ein Begrüßungskomitee! Wir wären aber auch ohne keinen Meter mehr weitergefahren!!!

Begrüßungskomitee

ARETTE; Aire de Camping-car „De la Pierre Saint-Martin“, separater, nur für Wohnmobile zugelassener Teil der Parkplätze am Skigebiet; Platz für 40 Mobile auf Asphalt; im Sommer kostenfrei incl. Strom, im Winter €10 incl. Strom; VE kostenfrei; kein Schatten; hervorragender Mobilfunkempfang

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Diagonal durch Frankreich – 1. Teil

Wo wollen wir denn nun eigentlich hin und warum??? Smiley mit geöffnetem Mund

Wir haben eine Einladung von unserem Freund Juan, der über mehrere Jahre an der Rezeption unseres „Heimat“-Campingplatzes „Torre la Sal 2“ gearbeitet hat und unser spanischer Sprachlehrer war, zu sich nach Hause. Das letzte Mal gesehen haben wir uns Anfang 2013 und als wir im nächsten Winter wieder da waren, arbeitete Juan schon nicht mehr dort. Schon lange möchte er, dass wir ihn in seiner Heimat im Norden Spaniens besuchen, aber bisher hat das nicht geklappt, vorrangig, weil wir die letzten drei Winter ja nicht in Spanien waren.

Wir haben uns vorgenommen, endlich auch einmal ausschließlich über Landstraßen durch Frankreich zu fahren. Mit Fix und Boxi geht das ja! Und Zeit genug haben wir auch, zumal wir ja eine Woche eher losgefahren sind als geplant. Bisher ist unser Plan aufgegangen, kleine und kleinste Straßen, was bedeutet, ein Kreisverkehr nach dem anderen, aber auch hübsche kleine, typisch französische Städtchen und Dörfer, über und über mit Blumen geschmückt. Die Landschaftsgärtnereibetriebe in Frankreich müssen gute Geschäfte machen, jedes noch so kleine Dorf hat vom Ortseingang bis zum Ortsausgang alle paar Meter einen Mast mit ein oder sogar zwei Blumenampeln stehen (stellt euch auf dem Foto unten anstelle der Lampen Blumenampeln vor, dann bekommt ihr einen Eindruck), alle Brückengeländer sind mit Blumen behängt und alle Kreisverkehre sind phantasievoll bestückt. Es fahren Stadtbedienstete mit Wassertankwagen durch die Straßen, aus denen heraus die Blumen bewässert werden! Auch eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme!

Blumenschmuck statt LampeBlumenschmuck

Unsere erste Etappe war etwas länger, geplante 312km und obwohl wir bereits um kurz nach 10 gestartet waren, brachen wir um 18 Uhr (Frühstücks- und Kaffeepause inclusive), 70km vor unserem Ziel, entnervt ab. Kreisverkehre, Umleitungen, die „französisch“ ausgeschildert waren, über 30°C. Als wir auf den Stellplatz zufuhren, wussten wir, dass wir dort schon mal gewesen waren. Und dann war auch sofort klar, dass wir dort vor Jahren Wulwi kennengelernt haben, einen deutschen Alleinfahrer aussem Pott. Zwinkerndes Smiley

Nach so vielen Stunden sitzen musste ein Spaziergang am Hafen entlang noch sein.

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SEURRE, Aire de Camping-car, Stellplatz für 7 Mobile am Yachthafen, kostenfrei, Strom per Automat (Kreditkarte), VE vorhanden

Am nächsten Tag war unsere Strecke kürzer und ein Gewitter hatte für Abkühlung gesorgt. Wir fuhren nur 120km bis Digoin. Die Zufahrt zum Stellplatz ist nur in einer Richtung erlaubt, also mussten wir erst einmal dran vorbeifahren, wenden und an der oberen Einfahrt ebenfalls vorbeifahren, weil sie aus unerfindlichen Gründen mit Steinen versperrt war. Wahrscheinlich sind zu viele Mobilisten dort trotz Durchfahrtsverbotsschild auch wieder hinausgefahren, was nicht ungefährlich ist, weil sie direkt hinter einer Kurve liegt. (Beim Verlassen des Platzes am nächsten Tag durfte man dann auch nur nach rechts abbiegen und musste auf dem nächsten Betriebsgelände drehen!)

Der Stellplatz liegt sehr schön etwas erhöht direkt an der Loire. Vorgelagert ist allerdings eine große Spiel- und Freizeitanlage, die tagsüber durch Kinder sowie abends und frühmorgens (6 Uhr!!!) durch Jugendliche einen ständigen Lärmpegel darstellt. Den Rest macht dann die wirklich sehr befahrene und laute Straße! So schön die Aussicht ist, ruhesuchend darf man dort nicht sein. Aber da die Stadt sehr überschaubar ist, braucht man nicht länger als eine Nacht dort zu sein.

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Sehr interessant war der Pont Canal, ein Brückenkanal über die Loire! Erbaut schon 1834 bis 1838, 243m lang mit 11 Brückenbögen. Man konnte auf Fußwegen und über die kleine Schleuse einmal rundherum laufen, was wir natürlich taten. Sogar ein Schiffchen passierte in der Zeit.

Pont CanalPont CanalPont CanalPont CanalPont CanalPont CanalPont CanalPont CanalPont CanalPont CanalPont Canal

Dominierend in der Stadt ist die große Kirche, die allerdings von außen schöner ist als von innen, von den interessanten Fenstern mal abgesehen.

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DIGOIN, Aire de Camping-car „Haute Place de la Grève“, Großparkplatz am Ortseingang an der Loire, Platz für 30 Mobile auf Asphalt, kostenfrei, Strom per Automat (nur französische Kreditkarte), VE vorhanden

Und weiter ging es! Das Wetter verschlechterte sich im Laufe des Tages etwas, aber da wir wieder eine etwas größere Etappe mit 255km zu bewältigen hatten, wollten wir nach unserer Ankunft in Drugeac sowieso nicht mehr viel. Wir haben ja immer Sorgen, keinen Stellplatz mehr zu bekommen, immerhin sind wir zur Hoch-Urlaubssaison unterwegs. Und bei kleinen Plätzen mit nur bis zu 10 Stellplätzen könnte es ja schon eng werden. Eng wurde es auch, aber nur, weil drei PKWs neben uns geparkt wurden und sich ein später ankommendes Wohnmobil noch dazwischen quetschte, mit höchstens einem Meter Abstand zu uns! Gut, dass wir eine Hecktür haben! Franzosen haben keine Probleme, ihre Autos auf ausgewiesenen Wohnmobilstellplätzen zu parken, das haben wir nun schon gemerkt und es scheint sich auch niemand darüber aufzuregen. Es regt sich aber auch niemand darüber auf, wenn es etwas enger wird. Und der Kuschelnachbar machte keine Anstalten, sein Mobil noch einmal etwas weiter von uns wegzubewegen, nachdem die PKWs wieder fuhren. So konnten wir schön beobachten, was es bei den Nachbarn zu essen gab. Smiley Später machten sie dann allerdings ihre Rollos hoch, etwas Privatsphäre muss dann wohl doch sein.

Die PKWs waren übrigens dort abgestellt, weil man vom gegenüberliegenden alten Bahnhof mit Draisinen drei verschieden lange Touren fahren konnte, von 7km bis 21km, hin und zurück. Leider regnete es auch am nächsten Morgen, sodass wir weder von den Draisinen noch vom Stellplatz Fotos gemacht haben.

DRUGEAC, Aire de Camping-car „Place de la Gare“, Stellplatz für 8 Mobile auf Asphalt unter Bäumen, kostenfrei, Strom per Automat (Kreditkarte), VE vorhanden

Wir wechseln uns mit dem Fahren ab. Die bessere Variante ist, wenn ich fahre und Uschi mit der Karte auf dem Schoß neben mir sitzt. Unser Tommie ist nämlich absolut überfordert, um es mal nett auszudrücken! Ja, er ist frisch upgedated!!! Bisher hat er Glück gehabt, noch nicht zum Fenster hinaus geworfen worden zu sein! Er behauptet mit überzeugender Sicherheit und voller Autorität, dass wir HIER rechts abbiegen und im nächsten Kreisverkehr die dritte Abfahrt nehmen sollen. Wenn wir dem nicht folgen, weil es laut Karte völlig absurd ist, berechnet er nicht etwa zeitnah die Route neu, sondern nervt über Kilometer damit, dass wir rechts abbiegen sollen, wo es gar keine Straße gibt oder dass wir den nächsten Kreisverkehr 360 Grad umfahren und wieder dahin zurückfahren sollen, wo wir hergekommen sind. Gern leitet er uns auch mal von der Hauptstraße ab, sodass wir plötzlich vor einer Unterführung mit gerade noch 3,30m stehen, um uns dann im Bogen wieder auf selbige Hauptstraße zurück zu führen. Oder er meint, dass einspurige Landsträßchen richtig sind. Wir waren bisher mehr als einmal froh, nicht mit Oscarlotta unterwegs zu sein. Nicht nur, dass wir dann einige Nerven mehr lassen würden, sondern auch, weil ganz viele Ortsdurchfahrten für Fahrzeuge über 3,5t gesperrt sind. Aber auch die Navigation per Straßenkarte gestaltet sich nicht ganz einfach. Die Verantwortlichen für die Nummerierung der diversen Straßen scheinen Abwechslung zu mögen. In überwiegender Zahl haben wir es mit vier (4!!!) verschiedenen Nummern zu tun, eine auf der Karte (neu), eine auf dem Display von Tommie (upgedated) und eine, die die nette, aber sehr autoritäre Sprachausgabe (verpeilt) verkündet. Die vierte steht auf den Schildern am Straßenrand. Wenn wir viel Glück haben, stimmt diese mit dem überein, was Tommie uns erzählt. Dass alle vier übereinstimmen, hatten wir noch NIE!!!

So auch auf der bisher letzten Etappe bis Valence d‘Agen, 284km. Der Vorteil dieser Fahrerei ist, dass wir durch wunderschöne Landschaften kommen, die nicht nur neben der Autobahn an uns vorbeirauschen, sondern die wir wirklich „er“fahren.

Unterwegs

Es ist anstrengender und zeitraubender, aber es lohnt sich. Unser Tageslohn war dann auch der bisher schönste Stellplatz, allerdings kostet er auch etwas, aber nur 5 Euro/Nacht. Angeschlossen ist er an ein ehemaliges Schlachthaus, ein sehr schönes altes Gebäude. Die alten Transportschienen mit den Haken für die geschlachteten Tiere, die noch an der Decke angebracht sind, sind zwar etwas gewöhnungsbedürftig (vor allem für Vegetarier!), aber da schöne Sanitärräume und Koch-, Spül- sowie Aufenthaltsräume eingerichtet worden sind, kann man mit etwas Wohlwollen darüber hinwegsehen. An der VE-Station stand ein Hinweisschild, das wir so interpretierten, dass in den am Automaten bezahlten 5 Euro zwei Stunden Strom und 15 Minuten Wasserentnahme enthalten sind. Wir lösten also ein Ticket und verschoben Strom auf abends und Wasser auf den nächsten Tag. Am Spätnachmittag tauchte dann allerdings ein freundlicher Franzose auf und kassierte von jeder Wohnmobilbesatzung die Stellplatzgebühr ein. Mit Händen und Füßen, meinen zusammengekratzten Französischkenntnissen und Google Translator wurde langsam klar, dass unsere bezahlten 5 Euro NUR für zwei Stunden Strom und 15 Minuten Wasserentnahme gegolten hätten – und zwar ab Bezahlung! Der nette Franzose erließ uns dann aber eine weitere Bezahlung und meinte nur, dass wir am nächsten Tag bezahlen müssten, falls wir dann noch da seien. Très bien! Merci beaucoup!!! 🙂 Wir wollten sowieso mal einen Ruhetag einlegen und hier sind die Bedingungen ideal. Wir stehen auf einem Randstreifen, sodass nur hinter uns noch ein weiteres Wohnmobil Platz hat (war nur die erste Nacht der Fall), es ist wunderbar ruhig, das Städtchen ist in 5 Minuten zu Fuß erreichbar und ganz nett. Der Stellplatz liegt zwischen der Garonne und einem ihrer Seitenkanäle mit Radwegen. Die Tagesradler stellen auch hier ihre Autos ab, eins steht jetzt schon seit gestern Abend und versperrt den Platz für ein Wohnmobil. Aber der Platz ist nie voll, obwohl er nur für 10 Mobile Stellflächen hat. Auf der anderen Kanalseite findet das jährliche Sommerfestival statt, jeden Abend gibt es eine andere Open-Air-Veranstaltung, mit und ohne Gesang, heute Abend eine Tanzvorführung. Wir stehen weit genug weg, um uns nicht gestört zu fühlen und nah genug, um die Musikdarbietungen genießen zu können. Also wurden aus dem einen geplanten Ruhetag gleich zwei! Noch haben wir Zeit…

Valence d'AgenValence d'AgenValence d'AgenValence d'AgenValence d'AgenValence d'AgenKanalfestivalKanalfestival

VALENCE D‘AGEN, Aire de Camping-car „L‘Abattoir“, Stellplatz für 10 Mobile auf Feinschotter, 5 Euro incl. warmer Duschen, Toiletten (getrennt nach Geschlechtern), Spülküche, Mikrowelle, Aufenthaltsraum, Strom per Automat (Kreditkarte), VE vorhanden, täglich mobiler Bäcker

unsere Route, DIAGONAL!

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.